Anmelden
Abonnieren
Ausgabe Nr. 26/2026 vom 24.06.2026, Fotos: Hanna Weichsler
Artikel-Bild
Stilgerechte Alpen-Kilt-Wanderung.
Artikel-Bild
Die Ideengeber der Kiltwanderung, Thomas und Nathaly Rettl.
Artikel-Bild
Wandern, Spiel und Spaß stehen im Vordergrund.
Artikel-Bild
Petra und Michael Wulz
Luftig ist‘s ums
Männer-Bein
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Zu wandern oder Spaß bei Gemeinschaftsspielen zu haben, ist vielerorts möglich. In Kärnten wird beides vereint. Dabei zeigen auch Männer gern ihre nackten Wadeln.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Wenn im Kärntner Mölltal plötzlich nackte Männerbeine unter karierten Röcken hervorblitzen, ist das kein Hinweis auf einen Betriebsausflug einer Schar von Schotten, sondern auf eine liebgewonnene Tradition. Am Samstag, dem 27. Juni, findet in Obervellach die Alpen-Kilt-Wanderung statt. Schon zum 13. Mal treffen sich dann Männer und Frauen, die sich einen typisch
karierten Schottenrock umgebunden haben.

Die Idee dazu kommt von Thomas Rettl, 64, Kultschneider aus Villach und kreativer Kopf hinter „Rettl 1868 Kilts & Fashion“. Gemeinsam mit seiner Frau Nathaly, 56, und dem Tourismusverband Mölltal organisiert er die Wanderung, die längst zu den originellsten Sommerterminen in der Nationalpark-Region Hohe Tauern gehört. Das Familienunternehmen Rettl geht auf eine lange Schneidertradition zurück, wurde als k.u.k.-Uniformierungsanstalt bekannt und steht heute für maßgefertigte Kilts, festliche Mode, Kärntner Karo und viel Mut zum Außergewöhnlichen.

Rettl selbst lernte das Schneiderhandwerk und machte aus dem Traditionsbetrieb eine Marke, die weit über unser Land hinaus bekannt ist. Zu seinen Kunden gehören prominente Namen wie Thomas Gottschalk, Franz Klammer, Thomas Morgenstern und sogar der verstorbene „Oberschotte“ Sean Connery. Für Rettl ist der Kilt ein Lebensgefühl. „Ich wandere gerne, besonders im Kilt. Da bin ich nicht durch eine Hose eingeengt, auch untenherum ist es schön luftig, mit viel Beinfreiheit. Dieses Gefühl will ich anderen vermitteln“, sagt Rettl.

Ausgangspunkt der Wanderung ist um 11 Uhr das Freizeitzentrum Obervellach. Danach führt der Weg durch die eindrucksvolle Groppensteinschlucht. Auf rund zweieinhalb Kilometern Länge müssen Stege und Brücken überwunden werden. Sie führen vorbei an steilen Felswänden und rauschenden Wasserfällen, die bis zu 30 Meter in die Tiefe stürzen.

Dabei einen Kilt zu tragen, ist zwar kein Muss, aber ausdrücklich erwünscht. „Auch karierte Hosen und Hemden, Dirndl oder Lederhose sind natürlich erlaubt“, meint Rettl, der selbst auf das Bekleidungsstück schwört, das ursprünglich aus dem schottischen Hochland kommt. Dort trugen die Männer schon vor Jahrhunderten große Bahnen aus Wollstoff, die sie um den Körper wickelten und mit einem Gürtel befestigten.

„Das war praktisch“, weiß Rettl. „Der Stoff wärmte, schützte vor Wind sowie Regen und konnte unterwegs sogar als Decke dienen. Später entwickelte sich daraus der kürzere Kilt, wie wir ihn heute kennen – gefaltet und meist aus kariertem Stoff.“

Die Muster heißen Tartans und wurden mit der Zeit bestimmten Clans, Familien oder Regionen zugeordnet. Darüber wird nach wie vor eine klein Tasche getragen, der sogenannte Sporran. Darin können das Mobiltelefon, Geld und andere Utensilien verstaut werden.

In Kärnten kommt freilich noch der Spaß-Faktor dazu. Denn die Alpen-Kilt-Wanderung soll vor allem gute Laune vermitteln. Das erlebt der Moderator der Veranstaltung, Erwin Maier, 53, seit dem ersten Treffen.

„Es geht nicht nur ums Wandern. Die Teilnehmer ziehen in Vierergruppen los und müssen bei verschiedenen Stationen kleine Spiele bewältigen.“ Rund drei Stunden lang dauert der Ausflug, während dem sich die Gruppen im Ringelwerfen, Heuballenrollen oder Nägel einschlagen beweisen müssen.

Rund 250 Wanderer werden heuer erwartet, manche reisen sogar aus der Schweiz und den Niederlanden an.

Die Teilnahme kostet 57 Euro pro Person, Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre sind kostenlos mit dabei.

„Im Kilt“, sagt Maier, „verschwinden die Unterschiede schnell. Ob Rechtsanwalt oder Arbeiter, jeder ist mit jedem per Du.“

Ab 15 Uhr wird am Hauptplatz gefeiert. Der Chor der Mittelschule Obervellach tritt auf und die „School of Gogg“ sorgt mit einer Schlagzeug-Show für Stimmung. Ab 20 Uhr folgen die Siegerehrung des Alpen-Kilt-Teamwettbewerbes, es gibt Musik von der Band „Showdown“ und eine Modenschau von Rettl 1868. Das Siegerteam erhält einen Rettl-Gutschein im Wert von 500 Euro.

Es gibt also viele Gründe, mitzumachen, da ist es kein Wunder, dass manche Teilnehmer Jahr für Jahr den Kilt umschnallen. Wie etwa Petra Wulz, 56, und ihr Mann Michael, 57. Sie sind bereits zum achten Mal dabei. „Die Kulisse ist spektakulär, und den Kilt zu tragen, macht Spaß“, sagen sie. Michael Wulz besitzt sogar zwei Stück, einen bunt karierten, der 700 Euro gekostet hat, und einen schwarzen, den er auch bei Brauchtumsveranstaltungen trägt.

Wobei die richtige Länge des Schottenrockes knapp übers Knie reicht. Vorsicht beim Sitzen ist geboten, um keine allzu tiefen Einblicke zu gewähren. Dass aber so ein Kilt auch Männer sexy macht, weiß der Student Jamie Fortmüller, 25, aus eigener Erfahrung. „Mir haben schon Frauen hinterhergepfiffen“, meint er lachend. „Andere wollten unbedingt wissen, was unter dem Rock ist …“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung