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Ausgabe Nr. 18/2026 vom 28.04.2026, Fotos: stefan schumacher, APA-Images
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Verkäufer Lomie Baier vor dem Olympiastadion.
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Seit 20 Jahren am Flohmarkt Parkharfe –
Sükür Oguz.
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Typische Flohmarktware – gebrauchte Langspielplatten.
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Typische Flohmarktware – unterschiedliche Porzellanfiguren
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Herr Peter kassiert die Standgebühr von Silvia Knoblich.
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Merle Baier mag das Publikum hier.
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Stände mit „Secondhand“-Mode.
Europas berühmteste Flohmärkte:
Olympiapark München –
Flohmarkt mit Kultstatus
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Zwischen klassischem Trödel und ausgefallenen Fundstücken entfaltet der Markt an der Parkharfe vor dem Olympiastadion in Bayerns Hauptstadt München (D) einen ganz eigenen Charme. Hier finden Sammler nicht nur Raritäten, sondern auch genug Zeit, um zu plaudern.
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In München (D) gibt es viele wunderbare Flohmärkte – vom Riesenflohmarkt, der ein Mal im Jahr im April auf der vom Oktoberfest bekannten Theresienwiese stattfindet, über den Nachtflohmarkt im Pineapple Park bis hin zu dem besonders beim jungen Publikum beliebten „Krims & Krams“-Flohmarkt im alternativen Kulturzentrum „Bahnwärter Thiel“.

Doch für die meisten Trödel-Begeisterten aus München und Umgebung ist der Flohmarkt an der Olympia-Parkharfe der einzig wahre.

Auf dem rund 35.000-Quadrat-
meter großen Platz treffen sich Einheimische, Zugereiste und Profis. Von Geschirrwaren und Krimskrams über „Secondhand“-Kleidung, Bücher und alte Bilder bis hin zu Kleinmöbeln wird hier so gut wie alles angeboten.

Die Kulisse für den Flohmarkt bildet der Olympiapark, der zwischen 1967 und 1972 für die XX. Olympischen Sommerspiele errichtet wurde. Als weitläufige Parkanlage mit Olympiaberg, See und Sportstätten bietet er Entspannung und Natur im Münchener Norden.

Ein Blickfang ist dabei dessen Herzstück, das Olympiastadion mit seiner außergewöhnlichen Dachkonstruktion aus Acrylglasplatten, das als
architektonisches Meisterwerk gilt.

An den Flohmarktagen, jeweils am Freitag und Samstag, füllt sich der Parkplatz vor dem Münchener Wahrzeichen schnell mit Leben, gehört doch der Flohmarktbesuch für viele Städter zum festen Wochenend-
Ritual. Beim entspannten Bummeln und Entdecken von Trödel und echten Raritäten, zeigt sich, warum dieser Markt Kultstatus hat.

„Das ist der Flohmarkt in München“, bestätigt der Leiter des Flohmarktes, der vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK), Kreisverband München, veranstaltet wird. Herr Peter oder „der Peda“, wie ihn viele langjährige Aussteller nennen, ist die gute Seele hier. Er schaut, dass jeder seinen Platz bekommt, auf dem riesigen Gelände. Die Stellplätze sind frei wählbar, aber „je früher ein Standler kommt, desto besser, dann bekommt er auch den gewünschten Platz“, verrät der Münchener.

Die sind auch heiß begehrt. An manchen Flohmarkt-Samstagen muss er „mehr als 200 Verkäufer nach Hause schicken, weil wir voll sind. Das tut mir leid, vor allem, wenn jemand von weit her zu uns kommt“, sagt der Flohmarktleiter.

Die ersten Händler klappen schon lange vor der offiziellen Öffnungszeit um 7 Uhr in der Früh ihre Tische auf und packen ihre Schätze und Kuriositäten aus. Auch die ersten Schnäppchenjäger sind dann bereits unterwegs.

„Die gehen teilweise um vier oder fünf Uhr in der Früh mit Taschenlampen herum und fragen die Aussteller nach Gold, Briefmarken oder alten Bildern“, weiß der Flohmarktleiter. Wenn die Verkaufsstände dann offiziell öffnen, haben sie sich bereits die besten Fundstücke gesichert.

Auch Herr Peter konnte schon das eine oder andere Schnäppchen hier machen. „Vor Kurzem habe ich zwei schöne Motorradhelme für einen Spottpreis bekommen“, freut er sich.

„Wennst ned früh da bist, kannst es vergessen“, bestätigt ein Flohmarkt-Stammgast und eilt zum nächsten Stand, um nach alten Schallplatten Ausschau zu halten.

Die gibt es hier zuhauf. Daneben auch viel Nippes, Ramsch und kitschige Deko-Gegenstände, die sich im Lauf der Zeit zu Hause angesammelt haben und hier auf neue Besitzer warten. Genau dieser Gedanke der Nachhaltigkeit – lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab – sei einer der Beweggründe für die Entstehung des Flohmarkts gewesen, weiß Johannes Koser, Sachbearbeiter beim BRK.

„Das war vor rund 40 Jahren. Der Stadt München ging es neben der Müll-
vermeidung – also, dass etwa Sachen, die noch in Ordnung sind, nicht unnötig weggeschmissen werden – auch um den sozialen Aspekt. Menschen, die sich keine neuen Möbel oder Kleidung leisten können, sollten die Möglichkeit erhalten, etwas Gebrauchtes günstig zu kaufen.“

Bis heute sind die Preise dementsprechend erschwinglich. „Für teure Antiquitäten gibt es in München andere Flohmärkte, das hier ist eher wie ein Garagenflohmarkt“, weiß Koser. Ein äußerst großer, denn „bei gutem Wetter haben wir rund tausend Händler hier, 90 Prozent davon aus München.“ Etwa Sükür Oguz, der bereits seit 20 Jahren als Aussteller zum Flohmarkt im Olympiapark kommt.

„Das ist mein Hobby, ich mache das gerne. Mittlerweile bin ich mit der ganzen Familie hier“, erzählt er. Normalerweise ist er am Samstag an seinem Stand anzutreffen – „wenn das Wetter hält“, schränkt er ein.

Im Angebot hat der Münchener „alles, von Töpfen über Puppen, kleine Elektrogeräte und manchmal auch Fahrräder.“

Zwischen € 50,– und € 80,– verlangt er für die gebrauchten Drahtesel, die von ihm hergerichtet und verkehrstüchtig gemacht werden. „Schließlich will ich keinen Schrott verkaufen“, erklärt Oguz. Auch die Elektrogeräte testet er zuvor.

„Ich verkaufe die mit Garantie und nehme sie zurück, wenn sie nicht funktionieren. Meine Kunden kommen immer wieder, sonst würde ich meinen Ruf verlieren.“

Auch Silvia Knoblich steht schon seit gut 15 Jahren regelmäßig auf dem Flohmarkt. „Früher habe ich das zusammen mit meinem Mann gemacht. Er ist aber leider vergangenes Jahr gestorben“, erzählt die 74jährige. 54 Jahre seien sie verheiratet gewesen. „Ich habe einen tollen Mann gehabt und das war schon schön, zu zweit hier zu stehen“, meint sie ein bisschen wehmütig.

Das gemeinsame Steckenpferd betreibt sie nun alleine. „Es macht mir aber immer noch Spaß, vor allem der Kontakt mit den Besuchern. Und weil die Kassierer – allen voran der Peda – so nett sind.“ Es tue außerdem gut, an der frischen Luft zu sein. „In der Harfe ist es wirklich schön mit den vielen Bäumen rundum“, weiß Silvia Knoblich.

An den Flohmarkttagen heißt es früh aufstehen für die Münchenerin. „Ich bin immer schon um 4 Uhr da und schaue, dass ich meinen Stammplatz bekomme“, verrät sie. Ordentlich sortiert präsentiert sie dort dann ihre Waren.

„Ich verkaufe unter anderem
Gläser, Geschirr und Kleidung.“ Die Sachen stammen hauptsächlich von der Familie, „von den beiden Nichten und meinen Söhnen“, erzählt Knoblich. Auch davon, dass sich das Flohmarkt-Publikum in den vergangenen Jahren verändert hätte. „Manche würden am liebsten gar nichts mehr bezahlen. Bei einem 50erl wollen sie auf zehn Cent herunterhandeln. Aber mei, ich mach‘ es halt trotzdem gern.“

Erst seit knapp einem Jahr ist das Ehepaar Lomie und Merle Baier auf der Parkharfe zu finden, weil der Flohmarkt viele Pluspunkte hat.

„Er gibt eine leichte Zufahrt, ein schönes Ambiente und das Publikum ist nett. Es macht uns einfach Spaß, mit Menschen zusammenzutreffen“, erklärt Merle Baier, der es wichtig ist, Qualität zu einem guten Preis anzubieten. „Bei uns stimmen Preis und Wert“, ist sie überzeugt.

Im Angebot haben die Baiers zumeist „gehobene Ware, etwa qualitativ hochwertige Designer-Hemden.“

Jedes Teil findet seinen Besitzer, ist die Münchenerin überzeugt.

„Deshalb sagen wir auch, wir sind der Chancentisch. Wir bieten den Flohmarktbesuchern auch die Gelegenheit für einen netten Plausch, etwa über Gesundheit. Ich bin ja Ernährungsberaterin und ohne, dass ich sie frage, erzählen mir viele ihre Lebensgeschichte. Und dann kann ich denen auch einen Mehrwert mitgeben. Da sind schon wirklich schöne Gespräche zustandegekommen, das schätze ich auch am Flohmarkt“, sagt Baier. Vom oft wechselhaften Münchener Wetter lässt sich das Ehepaar nicht vertreiben. Viele der Aussteller würden dann rasch alles zusammenpacken, „aber die Besucher sind
ja trotzdem da. Selbst wenn es regnet, machen wir unser Geschäft weiter. Wir haben einen Pavillon, der
Schutz bietet. Und an heißen Tagen sind die Kunden erfreut, wenn sie bei uns im Schatten kurz verschnaufen können.“

Für das leibliche Wohl der zahlreichen Besucher wird ebenso gesorgt. „Wir haben einen Imbiss- und einen Süßwarenstand auf der Parkharfe. Außerdem gibt es gleich in der Nähe, am Tennisplatz im Olympiapark, ein Café-Restaurant“, sagt der Flohmarktleiter.

Bis 16 Uhr können die Besucher am Flohmarkt nach Lust und Laune stöbern, handeln, alte und neue Bekannte treffen und einen abwechslungs-
reichen Tag erleben. Dann schließt der Flohmarkt seine Pforten.

„Wer möchte, kann danach noch den Olympiapark oder das BMW-Museum besuchen“, meint Herr Peter. rz
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