Anmelden
Abonnieren
Ausgabe Nr. 13/2026 vom 25.03.2026, Foto: Thomas&Thomas
Artikel-Bild
Heino Ferch
Heino Ferch: „Benko war ein Genie …“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
Am Sonntag, dem 29. März, ab 20.15 Uhr, ORF2, ist Heino Ferch, 62, wieder als Kriminalpsychologe in der Krimireihe „Spuren des Bösen“ im Einsatz.
Der beliebte deutsche Darsteller wurde am Mozarteum in Salzburg ausgebildet.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Herr Ferch, als Kriminalpsychologe Richard Brock wandeln Sie zum bereits zehnten Mal auf den „Spuren des Bösen“. Leichen pflastern Ihren Weg. Hat das Ihre persönliche Sichtweise auf den Tod verändert?

Ich bin zwar sowohl als Richard Brock als auch in der Rolle des Ingo Thiel mit den Toten konfrontiert. Aber in beiden Krimi-Reihen sind es vielmehr die Lebenswege, die im Vordergrund stehen. Und die psychologischen Hintergründe, die Menschen dazu bringen, gewisse Handlungen zu begehen. Das besonders Interessante an den Richard-Brock-Geschichten ist das Eintauchen in das Unterbewusstsein, das uns ja alle beeinflusst. Bei Ingo Thiel geht es noch mehr um die Ursachenforschung und darum, zu verstehen, wie Menschen funktionieren. Dass es letztlich der Tod eines Menschen ist, ist nur der Schlusspunkt für diese Art von Überlegungen.

Die Krimi-Reihe „Ingo Thiel“ basiert auf wahren Begebenheiten und der Arbeit des Mordkommissionsleiters Ingo Thiel, der im Vorjahr starb …

… traurigerweise nach kurzer schwerer Krankheit. Ingo hat alle sieben Filme begleitet, es war großartig, mit ihm zusammenzuarbeiten, da ich ihn jederzeit anrufen konnte, wenn ich Fragen hatte. Wir drehen gerade den achten und neunten Teil – und er fehlt. Bei Brock hingegen handelt es sich um eine fiktive Figur. Er bekommt es im aktuellen Fall mit einer besonderen
Geschichte zu tun. Wir unternehmen eine Zeitreise, die uns an die Not und das Leiden der Menschen im Nationalsozialismus und im Krieg erinnert und daran, wie Familien versuchten, ihr Hab und Gut zu retten.

Der Titel des neuen Filmes lautet „Sühne“.
Ein Begriff, der oft als veraltet empfunden wird. Was bedeutet „Sühne“ für Sie?


„Sühne“ im Sinne von Wiedergutmachung ist ein großartiger Begriff. Denn die Schuld ist nur die Bezeichnung für einen Zustand, aber Sühne ist etwas Aktives. Dabei wird etwas in Bewegung gebracht. Es ist eine Form der Durchdringung dessen, was passiert ist, und sich dem zu stellen. In unserem Fall brauchte es dafür gleich zu Beginn einen Toten, der vom Dach stürzt. Im Kern geht es um den Ursprung des Wohlstandes einer Familie, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Was eine junge Frau anstößt, bringt ihre ganze Familie in Unruhe.

Die Dreharbeiten dazu führten Sie einmal mehr nach Wien. Arbeiten Sie gerne bei uns?

Ich bin austrophil durch und durch und liebe es, in Österreich zu drehen. Überdies habe ich in Salzburg am Mozarteum studiert, das war eine prägende Zeit für mich. Ich durfte als junger Mensch erleben, einer von dreizehn zu sein, die von 1.500 Bewerbern ausgesucht wurden. Das sind unvergessliche Momente, wenn da ein junger Kerl von der herben Nordsee ins sinnliche Salzkammergut verpflanzt wird. Ich war völlig überwältigt von dieser Offenheit und dem Miteinander, das ich vorher so nicht kannte. Das war wahnsinnig schön und lässt mich nicht los.

Pflegen Sie noch Kontakt zu Ihren früheren Studienkollegen?

Es sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten. Im vergangenen Herbst hatten wir in Salzburg ein Jahrgangs-Klassentreffen. Bis auf einen, der Reverend wurde und in Kanada lebt, waren alle dabei. Wir haben uns im Café Bazar, mit herrlichem Blick auf die Altstadt, getroffen. Dort haben wir schon vor fast vierzig Jahren Würstel und Kaiserschmarren gegessen und diskutiert (lacht). Es war ein schönes Wiedersehen, das bis in die Nacht hinein dauerte.

Was ist aus allen geworden und ist jemand aus dem Jahrgang erfolgreicher als Sie?

Alle sind auf ihre Art erfolgreich. Ich durfte – mit allem, was in den vergangenen Jahren passierte – einen äußerst erfolgreichen Weg beschreiten. Elf von uns hielten bis zum Schluss durch, vier davon blieben im Beruf und sind in unterschiedlichen künstlerischen Bereichen tätig. Manche wechselten ins therapeutische Berufsfach, und einer betreibt mit seinem Sohn eine Waldwirtschaft und baut Zäune und Dachstühle.

Blicken Sie oft zurück?

Eher nicht, mein Fokus richtet sich darauf, mich vorwärtszubewegen und nicht stehen zu bleiben. Wenn jemand Kinder hat, gibt es vor allem den Blick nach vorne. Natürlich nehmen wir die Erinnerungen mit. Wenn ich Rückschau halten möchte, kann ich via Mediathek meine Filme abrufen und meinen beruflichen Weg verfolgen, was interessant und vergnüglich ist.

Im Herbst sehen wir Sie im Doku-Drama „Benko – Size Does Matter“.
Darin wird die Geschichte vom Aufstieg und Absturz eines Mannes erzählt, der als Liebling der Finanzwelt galt. Wie wichtig ist für Sie das Thema „Geld“ und wie
risikofreudig sind Sie beim Anlegen?


Das Thema Geld ist mir schon wichtig, aber ich bin diesbezüglich eher konservativ und nicht spekulativ unterwegs. Bei dem Doku-Drama wird ein brandheißer Stoff aufgegriffen, zumal Benko ja in Innsbruck in Haft ist. Thomas Stipsits ist als René Benko großartig besetzt. Ich spiele ,Benko 2‘, eine fiktive Figur, die nur er selbst sieht und hört, also sein Alter Ego, sein Unterbewusstsein, das ihn leitet, ihn führt und mit ihm streitet. Es war interessant, in die Materie einzutauchen. Meines Erachtens war Benko ein Genie, wenn es darum ging, Investoren zusammenzutrommeln. Er verfügt über die Begabung und den Charme, Menschen dazu zu bringen, ihm zu vertrauen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Menschen verführen lassen und sich vertrauen.

Wie muss für Sie ein Mensch sein, dem Sie blind vertrauen können?

Er muss emphatisch, fröhlich, immer erreichbar sein und – er muss zuhören und mir auch ehrlich die Meinung sagen können, denn miteinander zu streiten, gehört auch zu einem vertrauensvollen Umgang.

Zur Person:

Heino Ferch wurde am 18. August 1963 in
Bremerhaven (D) geboren. Er war in seiner Jugend
als Turner sportlich aktiv und sammelte im Theater
als Tänzer und Akrobat erste Bühnenerfahrungen.

Nach seinem Schauspielstudium am Mozarteum in
Salzburg spielte Ferch zunächst am Theater in Berlin (D) und Wien, konzentrierte sich aber ab den neunziger
Jahren auf Produktionen fürs Fernsehen und Kino.

Seit seinem Durchbruch mit dem Film „Comedian
Harmonists“ im Jahr 1997 gehört Heino Ferch zu den
bekanntesten und am meisten beschäftigten Darstellern im deutschen Sprachraum. Der vierfache Vater und
begeisterte Polospieler lebt in München (D).
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung