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Ausgabe Nr. 06/2026 vom 04.02.2026, Fotos: zvg
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Die Hörbranzer Raubritter sind nach der Ruggburg benannt. Jedes Jahr wählen sie ein neues Prinzenpaar, das sie in der Faschingszeit begleitet.
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„Ruggi Ruggi Hooh“
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In der Vorarlberger Gemeinde Hörbranz regiert im Fasching nicht nur ein Prinzenpaar. Vor allem eine elitäre Runde von Raubrittern gibt den Ton an.
Die mit einem Lied nicht nur die fünfte Jahreszeit, sondern auch sich selbst feiern.
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Als es am 11. November um 20.11 Uhr in Hörbranz (Vorarlberg) im Gemeindesaal still wurde, war das kein technisches Gebrechen. Es war der Moment, in dem der Vorhang gehoben, der Raubritterturm geöffnet und kollektiv der Atem angehalten wurde.

Die Gerüchteküche rund um die Wahl des Prinzenpaares brodelte seit Wochen, der Dorfklatsch lief auf Hochtouren. Zur Freude aller durften heuer „seine Herrlichkeit Prinz Oliver, der XLIX. aus Weidach zu Bregenz“ und „ihre Lieblichkeit Prinzessin Tanja, die XLIX. vom Maihof zu Heribrand“ ihre Krönung bejubeln.

Die Marktgemeinde im Bezirk Bregenz war „früher im Fasching ein Flickenteppich. Jede Parzelle hat ihr eigenes närrisches Süppchen gekocht. Bis sich in den 1970er Jahren ein paar Leut‘ zusammengesetzt haben und etwas Gemeinsames auf die Beine stellen wollten“, erzählt Wolfgang Schön, 55, über die Entstehungsgeschichte der Faschingsgilde „Hörbranzer Raubritter“.

Schön ist seit acht Jahren Ritter und seit vorigem Jahr Komtur, also „quasi der Obmann“. Als Vizekomtur fungiert Christian Fetz, 54. Er ist seit 15 Jahren mit dabei. „Die Inspiration für den Vereinsnamen lag praktisch vor unserer Haustür, oder besser gesagt oberhalb davon“, sagt Fetz schmunzelnd. Denn die Ruine Ruggburg war einst Sitz eines echten Raubritters, Ritter Hans von Rechberg. Heute besteht die Tafelrunde aus 13 aktiven Rittern, zu Höchstzeiten waren es 18 Männer. Ein Wechsel ist selten, Austritte aus der Gilde gibt es kaum.

Wer dazugehören will, wird allerdings nicht einfach Mitglied. Er wird auserwählt und von den Rittern direkt angesprochen. „Der Weg in die Gilde führt über ein Knappenjahr. Das ist ein Jahr des Kennenlernens und des Anpackens. Nur wer sich bewährt und als würdig erweist, wird feierlich zum Ritter geschlagen. Heuer traf diese Ehre Jan, standesgemäß beim Raubritterball“, erklärt Schön die Tradition dahinter.

„Wir sind nur eine kleine, elitäre Gruppe. Da ist es wichtig, dass sich alle untereinander gut verstehen. Außerdem steckt extrem viel Arbeit dahinter, das muss einer schon wollen“, meint Fetz. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, denn der Komtur herrscht nicht allein. Beraten wird er vom Elferrat, die Schrift führt der Truchsess und auch ehemalige Ritter bleiben als Ehrenritter Teil der Gemeinschaft.

„Bei uns gibt es keine Mitläufer, jeder von uns lebt das“, betont Fetz. Dass selbst erklärte Faschingsmuffel bekehrt werden können, dafür ist der Vizekomtur selbst das beste Beispiel. „Ich war überhaupt kein Faschingsanhänger“, sagt er lachend. „Bis eines Tages ein Herr vor der Tür stand und fragte, ob meine Frau und ich das Prinzenpaar werden wollen.“ Der Rest ist Geschichte.

Ein Vorteil des Prinzenamtes ist, dass das Knappenjahr entfällt. Nach der einjährigen Regentschaft entscheiden die Ritter per Abstimmung über die Aufnahme, inklusive Ritterschlag. Ein Herzstück der Gilde ist die Kindergarde, der 22 Mädchen angehören.

„Wo wir sind, ist auch die Garde“, heißt es bei den Rittern. Auch die Leiblachtaler Schalmeien, eine musikalische Gruppe mit originalen Schalmeien (Holzblasinstrumente), sind bei den Auftritten der Gilde und als musikalische Begleiter des Prinzespaares immer mit dabei.

Und spätestens, wenn beim jährlichen Raubritterball das Raubritterlied erklingt, stimmen alle mit stolzgeschwellter Brust mit ein. Entstanden in den 1970er Jahren, wird es bis heute von Jung und Alt textsicher gesungen.

„Ruggi Ruggi Hooh, in Hörbranz ist das so. Man trinkt am liebsten guten Wein und küsst mit Schwung die Mägdelein“, heißt es in dem Refrain. „Ruggi Ruggi Hooh“, das ist das Hörbranzer Pendant zu „Lei Lei“ und hallt nicht nur im Fasching durch die Gemeinde. Speziell ältere Bewohner stimmen den Refrain oft spontan im Alltag an.

Fasching ist in Hörbranz der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres und beginnt am 11.11. mit der Bekanntgabe des Prinzenpaares und gipfelt in sieben Tagen Ausnahmezustand rund um den Faschingdienstag. „Das ist allerdings nicht mehr selbstverständlich.

Die Besucherzahlen sind zurückgegangen und seit der Pandemie hat sich die Feierkultur stark verändert. Umso wichtiger ist es, dass es Vereine gibt, die hier Engagement zeigen.

Auch wir Ritter investieren jedes Jahr viel Zeit, Energie und Herzblut, damit es diese Veranstaltungen gibt“, merkt Schön an.

„Unser Ziel ist, dass die Menschen wieder hinausgehen, sich begegnen und die Gemeinschaft gestärkt wird“, erklärte Fetz. „Das ist wichtig fürs soziale Leben in der Gemeinschaft.“ Nächstes Jahr feiern die Hörbranzer Raubritter ihr 50jähriges Jubiläum und hoffen natürlich, dass „es uns die nächsten 50 Jahre auch noch gibt“. Der schönste Moment ist für den Komtur am Faschingdienstag um Mitternacht erreicht.

„Dann lasse ich die vergangenen Wochen Revue passieren und denke mir: ‚Das war a leiwander Fasching‘. Das erfüllt mich mit Stolz und Freude. Ruggi Ruggi Hooh.“
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