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Ausgabe Nr. 05/2026 vom 28.01.2026, Fotos: AdobeStock, facebook, zvg
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Verteidigungsministerin Tanner mit dem Maskottchen „Brumm Bär“.
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Anna Pirklbauer, 19
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Hannah Heger, 19
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Katharina Kiessling, 25
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Sabine Kohlberger, 31
Frauen an die Waffen?
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Aufrüsten statt abrüsten – diese Parole setzt sich auch bei uns durch. Wehr- und Zivildienst sollen verlängert werden. Selbst die Wehrpflicht für Frauen ist langfristig möglich.
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Geht es nach der Wehrdienstkommission, dann müssen junge Männer künftig auf jeden Fall einen längeren Zwangsdienst ableisten.

Statt wie jetzt sechs Monate soll die Wehrpflicht zehn Monate dauern, mit einem achtmonatigen Grundwehrdienst und zwei Monaten für Milizübungen. Der Zivildienst soll von neun Monate „auf mindestens zwölf Monate verlängert werden“.

Aber auch die Wehrpflicht für Frauen hat die von ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eingesetzte Kommission nicht ausgeschlossen.

In zwei „Entwicklungsmodellen“ wird die Einberufung von Frauen ab Mitte 2030 angedacht. Auf jeden Fall schon jetzt empfohlen wird „zum Zwecke der umfassenden Landesverteidigung und einem gesundheitspolitischen Mehrwert“ eine verpflichtende Gesundheitsuntersuchung für junge Frauen zu prüfen oder eine Stellungspflicht auch für Frauen.

Die 23-köpfige Kommission, in der nur drei Frauen saßen, von denen lediglich eine stimmberechtigt war, empfiehlt zudem noch vor dem Jahr 2030 „die langfristige personelle Sicherstellung des Wehr- und Wehrersatzdienstes“ zu prüfen, damit es genügend Daten gibt „für eine allfällig notwendige Ausweitung der Wehrpflicht auf Frauen“.

Bei Klaudia Frieben, der Vorsitzenden des Österreichischen Frauenringes, der Frauenvereins-Dachorganisation stößt das auf Unverständnis.„Diese Diskussion kommt in regelmäßigen Abständen. Immer wieder wird versucht, Frauen eine neue Pflicht aufzuzwingen. Dabei haben Frauen ohnehin schon genug Pflichten und leben immer noch unter strukturellen Benachteiligungen. Deshalb sollen Frauen nicht für eine Reservearmee benutzt werden.“

Frauen seien oft noch immer gezwungen, „aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen teilweise oder ganz auf ein eigenständiges Einkommen zu verzichten, damit ist der Weg in die Altersarmut vorgezeichnet. Und natürlich halten sie mit der unbezahlten Arbeit, die sie leisten die Gesellschaft am Laufen“, gibt Klaudia Frieben zu bedenken.

Frauen müssen wegen fehlender Kinderbetreuung häufiger in Teilzeit arbeiten, was die Kluft bei den Pensionen zumindest teilweise erklärt. Aber auch wenn Mütter voll arbeiten, erhalten sie in Summe niedrigere
Gehälter. Die Wirtschafts-Nobelpreisträgerin Claudia Goldin hat gezeigt, dass der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen maßgeblich mit der Mutterschaft zusammenhängt. Selbst wenn es keine Benachteiligung am Arbeitsmarkt gibt. Denn jemand, der zu Überstunden bereit ist, macht eher Karriere als jemand, der zuhause einen zweiten „Arbeitsplatz“ hat. Das sind in der Regel die Frauen.

„Wir haben bis jetzt keinen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag, was auch der Schlüssel zur Berufstätigkeit wäre, das müsste zuerst einmal geregelt werden“, sagt die Frauenring-Vorsitzenden Klaudia Frieben.

„Es braucht auch wirksame Mittel im Gewaltschutz. Die Gewalt gegen Frauen ist hoch. Es wird viel Geld für die Landesverteidigung ausgegeben, auf der anderen Seite wird bei vielen Hilfsorganisationen gekürzt, auch bei solchen, die Frauen in Krisensituationen betreuen. Für diese Frauen ist der Feind meistens im eigenen Zuhause.“

Während überall gespart wird, bekommt das Bundesheer mehr Geld, heuer und im Vorjahr um jeweils fast ein Zehntel mehr. 2025 waren es insgesamt 4,4 Milliarden Euro, heuer sollen es nahezu 4,8 Milliarden Euro sein. Im Vergleich dazu soll das Gesundheitsbudget des Staates heuer 3,2 Milliarden Euro betragen.

Dass die Wehrdienstkommission eine Stellungspflicht auch für Frauen anregt, erinnert an Norwegen. Dort gab es schon ab 2009 eine Musterung für alle 17jährigen. Sechs Jahre später wurde die Wehrpflicht für Frauen eingeführt. Begründet wurde die „geschlechtsneutrale Wehrpflicht“ auch mit der Frauen-Gleichstellung. In den Kasernen sind Frauen und Männer sogar oft im selben Zimmer untergebracht, wenn sie das möchten.

Frauen können seit 1998 zum Bundesheer, auch ein „freiwilliger Grundwehrdienst“ ist möglich, der ebenfalls sechs Monate dauert. Sie erhalten allerdings mit rund 1.400 Euro netto monatlich ein deutlich höheres Gehalt als junge Männer, die zwangsweise zum Wehrdienst einrücken müssen oder den Zivildienst absolvieren. Die bekommen derzeit rund 600 Euro Grundentgelt pro Monat.

Die ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner lehnte eine Wehrpflicht für Frauen zuletzt ab. Erst wenn „die absolute Gleichstellung der Frauen da ist“, könne sie sich das vorstellen, meinte sie im Sommer. Auch SPÖ und Grüne sind derzeit vehement dagegen. Eine Mehrheit
dafür ist derzeit nicht in Sicht. Aber das kann sich ändern.

Immerhin ist auch die Verlängerung des Wehr- und Zivildienstes für junge Männer kein Tabu mehr. Klaudia Tanner spricht sich jedenfalls dafür aus, dass „verpflichtende Truppenübungen wieder eingeführt werden. Nur wer ausreichend übt, ist im Bedarfsfall einsatzfähig.“

Gegenwind bekommen die Verlängerungs-Vorschläge in den Regierungsparteien kaum. Lediglich der Politiker-Nachwuchs bei den NEOS und auch der Sozialistischen Jugend ist lautstark dagegen – „Diese Verlängerungen wären Politik auf dem Rücken junger Menschen.“

Wehrpflicht im Norden

Norwegen:

Seit 2015 gilt die Wehrpflicht auch für Frauen. Der Dienst dauert in der Regel ein Jahr. Eingezogen wird höchstens ein Fünftel eines Jahrgangs und zwar jene, die
geeignet und am willigsten sind. Der Frauenanteil bei den Rekruten lag zuletzt bei rund einem Drittel.

Schweden:
Die 2010 ausgesetzte Wehrpflicht wurde 2018 wieder eingeführt, auch für Frauen. Das gilt vor allem als Signal der Geschlechter-Gleichstellung. Der Dienst dauert ein Jahr, die Rekruten werden ausgewählt. Rund ein Fünftel der derzeit Wehrpflichtigen sind Frauen.

Dänemark:
Seit heuer können auch junge Däninnen zum Wehrdienst
einberufen werden. Er wurde von vier auf elf Monate verlängert. Die Wehrpflicht greift nur, wenn sich nicht genügend Freiwillige für den Wehrdienst finden.
Dann entscheidet das Los.

Das sagen die Frauen:

Anna Pirklbauer, 19

„Ich finde eine Wehrpflicht für Frauen nicht sinnvoll. Vor allem für Frauen, die sowieso in Gesundheitsberufen tätig sind. Ich absolviere eine Ausbildung im
Gesundheitswesen und da bereits Mangel an Personal in dieser Sparte herrscht, werde ich dort gebraucht.“

Hannah Heger, 19
„Ich bin gegen einen Wehrdienst für Frauen. Gleichberechtigung ist keine Ausrede, um junge Frauen zu kontrollieren, zu erfassen und zu verpflichten. Eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst ist unfair und lebensfremd. Wer Menschen motivieren will, muss ihnen
etwas bieten – nicht sie zwingen.“

Katharina Kiessling, 25
„Wehrdienst ist einfach nicht mehr zeitgemäß – egal ob für Männer oder Frauen. Moderne Kriege gewinnt man nicht mit ein paar Monaten Grundwehrdienst, sondern mit professionell ausgebildeten Spezialkräften. Mit immer längeren Pflichtdiensten löst man dieses Problem nicht.“

Sabine Kohlberger, 31
„Ich bin dafür, dass weiterhin gilt, dass Frauen freiwillig in den Wehrdienst eintreten können. Dass diese Frauen sich dann einer Stellungspflicht unterziehen müssen, ist nachvollziehbar. Den Frauen generell eine Stellungspflicht oder eine gesundheitliche Untersuchung vorzuschreiben, halte ich für überzogen.“
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