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Ausgabe Nr. 02/2026 vom 07.01.2026, Fotos: felix broede, zvg
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Rebekka Bakken, 55.
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Melancholie schwingt mit.

Am 17.5. singt Bakken in Weiz (Stmk.),
am 27.5. in Klagenfurt.
Rebekka Bakken:
„Ich langweilte mich in der Kirche“
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Mit ihrer Stimme zieht die in
der norwegischen Hauptstadt Oslo
lebende Rebekka Bakken, 55, ihr Publikum stets in den Bann. Mit dem neuen Album „Nord“ lässt die Künstlerin stilistisch aufhorchen. Es vereint traditionelle norwegische Volkslieder mit selbstgeschriebenen Stücken, die sich harmonisch einfügen. Allen gemein ist, dass sie auf Norwegisch gesungen werden, erklärte Bakken dem WOCHE-
Reporter Steffen Rüth.
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Frau Bakken, ihr musikalisches Schaffen ist seit jeher äußerst vielfältig, aber ein Album wie „Nord“, mit traditionellen norwegischen Liedern und dazu passenden Eigenkompositionen, haben Sie bisher nie gemacht. Warum jetzt?

Obwohl diese Stücke so nah an meinem Leben sind, habe ich das Gefühl, ich musste als Sängerin erst in sie hineinwachsen. Ich wollte schon lange ein Album mit alten norwegischen Liedern machen, brauchte aber meine anderen Platten quasi als kleine Sprungbretter, bis ich bereit war für „Nord“. Jetzt, endlich, mit 55, spürte ich die Leichtigkeit, dieser Musik gerecht zu werden. Die Zweifel jedoch, die kamen hinterher.

Warum hatten Sie Zweifel?

Das ist immer so bei mir. Nach jedem Album denke ich „Na, so toll ist es jetzt auch wieder nicht“. Dann suche ich monatelang nach Fehlern und Unzulänglichkeiten und quäle mich damit ganz schön arg selbst. Das Problem ist, dass in dieser Phase noch die Reaktionen von außen, von meinem Publikum, fehlen. Ich bin ganz allein mit meinen Liedern, nur die Band kennt sie noch.

Wie groß ist der Unterschied, ob Sie auf Englisch oder – wie jetzt – auf Norwegisch singen?

Größer als ich dachte. Wenn ich auf Norwegisch singe, verändert sich der Klang meiner Stimme. Die Symbiose des Gesangs mit der Musik ist auf „Nord“ besonders stark ausgeprägt. Ich habe mich lange nach so einer Art von Musik gesehnt. Ich wollte mich in meiner Muttersprache ausdrücken, und als wir im Studio waren, ergab sich alles auf natürliche Weise. Fast kommt es mir vor, als hätte ich nie etwas anderes gesungen.

Wo haben Sie diese Lieder überhaupt kennengelernt?

In der Kirche. Ich bin jeden Sonntag mit meiner Mutter in den Gottesdienst gegangen, nicht freiwillig allerdings, ich kann sagen, sie hat mich gezwungen. Und dann saß ich da und langweilte mich zu Tode. Aber die Lieder, die wir in der Kirche sangen, die habe ich geliebt. Wir alle, mein Vater, meine Mutter, ich. Ich habe mich sehr an meinen Eltern gerieben, und nicht immer war es leicht für uns, aber auf diese herrliche Musik konnten wir uns immer einigen. Kirchenlieder sind ein wichtiger Bestandteil der norwegischen Tradition, wir alle haben sie als Kinder gelernt.

Ihr Sohn ist zehn Jahre alt.
Nehmen Sie ihn auch mit in die Kirche?


Oh nein. Auf keinen Fall. Wir gehen nicht in die Kirche. Das Gute ist, dass die Kinder heute diese Lieder auch in der Schule lernen. Oder sie gehen ins Internet und singen sie mit. Sie brauchen keine kirchlichen Gesangsbücher mehr.

Warum sehen Sie die Kirche so kritisch?

Ich habe mich in den Worten des Priesters nie wiedergefunden. Ich hatte nie das Gefühl, ich werde dort verstanden. Kirche hat für mich nichts mit Spiritualität zu tun. Ich schätze es, selbstständig zu denken. Die Vorgaben und Vorstellungen der Kirche haben nie zu meinem Leben gepasst.

Lässt sich sagen, wie alt die Volkslieder Ihres Albums sind?

Einige sind uralt. „Heiemo og Nykkjen“ etwa ist so etwas wie eine ganz frühe Version von „Die Schöne und das Biest“. Das Lied handelt von der Anziehungskraft des Bösen, es ist total „cool“ und ein wenig unheimlich. Norwegen ist stolz auf seine Volkslieder.

Sie leben mit Mann und Sohn in Oslo, sind Sängerin und
viel unterwegs. Gibt es manchmal stille Phasen?


Ich liebe die Stille. Und ich brauche sie. Ich bin oft vom Gegenteil der Stille umgeben. Wenn ich Ruhe brauche, gehe ich gern für ein paar Tage in unser Häuschen am See, dort ist nichts, wirklich gar nichts. Und ich passe mich an, mache überhaupt nichts, sitze einfach nur da und trinke maximal einen Kaffee.

„Nord“ ist ein Album für Kopfhörer, nicht fürs Nebenher-
hören bei Spotify. Wo hören Sie selbst Ihr Album am liebsten?


Wenn ich mit unserem Hund hinausgehe. Das war von Beginn an meine Routine. So manche meiner musikalischen Ideen sind beim Gassigehen entstanden.
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