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Ausgabe Nr. 11/2024 vom 12.03.2024, Fotos: Tom Oldham
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Liam und John
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Zwei Musiker, ein Album. Der Name ist Programm, Gallaghers Stimme einprägsam.
Band ohne Namen, nur Liam und John
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Das ist schon eine Traumkombination: John Squire (61, Bild re.) der als Gitarrist der „Stone Roses“ Ende der 80er Jahre wegweisend für die britische Rockmusik war, hat sich mit Liam Gallagher, 51, zusammengetan, der fünfzehn Jahre nach dem abrupten Ende von „Oasis“ nun also wieder einen exquisiten Gitarristen und Texter an seiner Seite hat. Das erste Album der beiden, schlicht „Liam Gallagher & John Squire“ (bereits im Handel) betitelt, ist ein überzeugend knackig und euphorisch klingendes Fest für Freunde erstklassigen Britpops. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth traf einen vorlauten Gallagher und einen zurückhaltenden Squire zum Gespräch.
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Herr Squire, Sie sind Anhänger des englischen Rekordmeisters Manchester United, Herr Gallagher, Sie sind eingefleischter Anhänger des Stadtrivalen Manchester City. Steht diese traditionelle Erzrivalität Ihrer Zusammenarbeit nicht im Weg?

Liam Gallagher: Nein, das sehen wir nicht so eng. Bei John ist die Fußballliebe nicht so extrem wie bei mir. Außerdem erlebst du diese Konstellation in Manchester ständig. Ich könnte mit der Hälfte meiner Freunde nicht mehr befreundet sein, wenn ich das durchziehen würde. Ich finde sogar, dass es cool ist für eine Stadt, zwei so erfolgreiche Fußballklubs zu haben, wo gibt es das schon? Die einzige Grenze, die ich ziehe, lautet: Schau dir nie gemeinsam mit United-Anhängern das Derby an.

Ihr gemeinsames Album heißt schlicht „Liam Gallagher & John Squire“, Ihre Band ebenso. Hätten Sie sich nicht eventuell …

Gallagher: … einen Bandnamen ausdenken können? Ja, das hätten wir. Im Nachhinein finde ich es fast schade, dass wir keinen haben. Erst fielen uns nur total blöde Namen ein, dann war es irgendwann zu spät. Und jetzt haben wir halt keinen.

John Squire: Einer von uns ist ein internationaler Superstar. Unser Album ist in gewissen Kreisen eine große Sache. Also nehmen wir das an, und sagen einfach, wer wir sind.

Die „Stone Roses“ haben sich 2017 zurückgezogen. Waren Sie ein Anhänger dieser Band,
Herr Gallagher?


Gallagher: Ja, seit ich ein Teenager war, Ende der 80er. Ich sah die „Stone Roses“ live in Manchester und wusste, dass ich mein Leben ändern musste. Zu der Zeit habe ich als Bauarbeiter Löcher in Straßen gegraben, das wollte ich auf keinen Fall für die nächsten fünfzig Jahre machen. John und die ganze Band waren so souverän, so selbstsicher, das hat mir imponiert. Sie sahen klasse aus, trugen ihre ganz normalen Kleider, waren keine blöden Goth-Typen wie „The Cure“ oder „The Smiths“, sondern Burschen wie ich. Nur halt mit viel mehr Selbstvertrauen. Das hat mir Mut gemacht.

Sie mussten sich im vergangenen Jahr einer Hüftoperation unterziehen. Ist alles gut verlaufen?

Gallagher: Ja, ich habe die alten Hüften herausnehmen und neue hineingeben lassen. Jetzt geht es mir wieder gut. Ich kann nicht mehr laufen, aber Fahrradfahren macht sowieso mehr Spaß. Außerdem gehe ich jeden Tag mit den Hunden Gassi.

Sie führen heute ein „braves“ Leben?

Gallagher: Ich weiß jeden einzelnen Tag heute mehr wertzuschätzen als früher. Wenn du jung bist, bist du sorglos, gibst immer Vollgas, bist rücksichtslos gegenüber deiner Gesundheit. Das ist heute nicht mehr so. Ich hatte jetzt schon seit mehr als 24 Stunden keinen Drink mehr. Natürlich habe ich meine Tage, wo mir alles scheißegal ist, aber häufig esse ich gesunde Speisen.

Und wie macht sich Ihr Partner als Sänger und Frontmann, Herr Squire?

Squire: Liams Stimme hat mich immer total fasziniert, und dann dieses Charisma …

Gallagher (fast schüchtern): Oh, danke, John.

Squire: Im Ernst, wenn es einen Menschen gibt, der zum Frontmann geboren wurde, dann er. Als wir die ersten Stücke aufgenommen haben, wussten wir ja selbst noch nicht, wie es wird. Wir haben viel geredet, nichts erzwungen, insgesamt sind wir locker an das Projekt herangegangen. Dass uns dann etwas so Phantastisches gelingen würde, merkte ich, als ich Liams Stimme auf den Demoversionen hörte.

Tatsächlich klingt Ihr Gesang auf dem Album regelrecht
beseelt, Herr Gallagher …


Gallagher: Nun ja, wenn du älter wirst, willst du den Menschen beweisen, dass du es noch draufhast. Speziell das Singen. Ich wollte überzeugend sein auf diesem Album, und ein bisschen wollte ich auch John beeindrucken. Schließlich ist mir neben meiner Frau, meinen Kindern, meiner Mutter und den Hunden nichts so wichtig wie die Musik. Wenn ich singe, bin ich glücklich. Und ich kann zugleich Dampf ablassen und zur Ruhe kommen.

Gilt das auch für den Umgang mit Ihrem Bruder Noel, mit dem Sie sich handgreiflich gestritten haben und infolgedessen dann die Band „Oasis“ im Jahr 2009 zerfallen ist?

Gallagher: Nein, es gibt nichts Neues. Ich habe in Bezug auf „Oasis“ nichts zu erzählen. Nur, dass er immer noch nicht so cool ist wie ich.

Bleibt dann die Zusammenarbeit mit John Squire bestehen?

Gallagher: Wir wären kriminell, wenn wir das nicht täten. Wir sind einfach zu gut (lacht) …
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