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Ausgabe Nr. 11/2024 vom 12.03.2024, Fotos: Zeppelzauer
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Mag. Dieter Strehl, Ururenkel des Firmengründers, leitet erfolgreich die Geschicke des Unternehmens.
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Trotz moderner Fertigung beschäftigt
Piatnik mehr als 100 Mitarbeiter.
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Die Spieleredaktionist immer auf der
Suche nach dem nächsten Verkaufsschlager.
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200 Jahre Spielfreude
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In diesem Jahr feiert die „Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik & Söhne“ ihr 200jähriges Jubiläum. Wir haben den in sechster Generation immer noch im Familienbesitz befindlichen Spieleverlag zum Geburtstag besucht.
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Wie viele Varianten des beliebten Handelsspieles
DKT (Das kaufmännische Talent) gibt es? Natürlich das Original in der klassischen roten Schachtel. Dann erinnern sich manche sicher noch an DKT Junior, für junge Kaufleute. Und der Streifzügler hat von einer eigens gestalteten Floridsdorf-Version gelesen, in dem Spieler Objekte des 21.

Wiener Gemeindebezirkes kaufen und vermieten können.
Im Büro von Mag. Dieter Strehl stapeln sich 42 DKT-Varianten bis unter die Decke des Raumes. „Es gibt ein paar mehr, aber der Plafond ist halt nicht höher“, sagt der Geschäftsführer der Spielefirma Piatnik, die den Klassiker seit Jahrzehnten im Programm hat, lachend.

„Wir fertigen auch Kleinserien für Firmen und Tourismusbetriebe. Ab 500 Stück kann jeder sein eigenes DKT-Spiel produzieren lassen“, erklärt der 64jährige. So finden sich in dem Stapel Kuriositäten wie etwa ein DKT Volksbank, ein DKT Innviertel und ein DKT Waizenkirchen. Diese Flexibilität ist mit ein Grund, dass Piatnik in diesem Jahr sein 200jähriges Bestehen feiern kann.
„Und seit 1945 gab es kein Jahr mit Verlusten“, sagt Strehl stolz. Dem das Florieren der Firma nicht nur ein geschäftliches Anliegen ist, denn immerhin ist er
der Ururenkel des Firmengründers Ferdinand Piatnik.

Auf der Walz das Glück entdeckt

Den 1819 in Ofen (heute Budapest, Ungarn) geborenen Kartenmaler hatte es auf der Walz nach Wien in die 1824 von Karl Moser gegründete Kartenmacherwerk-
statt verschlagen. Nach dessen Tod 1843 ehelichte er die Witwe und übernahm unter seinem Namen das Unternehmen.

Dass alles mit Spielkarten begann, ist nicht nur dem Büro des Firmenchefs anzusehen, in dem, neben zahlreichen Spieleschachteln, eine Wand Kartenbildern aus zwei Jahrhunderten gewidmet ist.

Auch in den allgemeinen Sprachgebrauch ist der Firmenname eingegangen. Passionierte Kartenspieler flehen mit den Worten „Heiliger Piatnik, schau oba“ um ein gutes Blatt. „Etwa 30 Prozent unseres Umsatzes bringen noch immer Spielkarten. Pro Jahr produzieren wir etwa 20 Millionen Kartenpakete“, sagt Strehl. Auf der Webseite www.piatnik-individual.com kann sich sogar jeder sein eigenes Kartendeck um kleines Geld selbst erstellen.

Im Gegensatz zu manchen Firmen, die sich „österreichisch“ nennen, aber nur noch ein Büro in unserem Land haben, wird beim Familienbetrieb im Jugendstil-Fabriksgebäude an der Wiener Hütteldorfer Straße tatsächlich noch selbst gefertigt. Beim Betreten des ersten Stocks, wo die Spielkarten produziert werden, ist dann freilich Schluss mit altehrwürdiger Atmosphäre.

Moderne Druck-, Stanz- und Schneidemaschinen sorgen dafür, dass die Spieler ihre Blätter in gleichbleibend hoher Piatnik-Qualität bekommen. Ein Stockwerk höher werden die Spiele produziert. Gerade läuft eine Serie eines weiteren Piatnik-Spielehits „Tick … Tack … Bumm“ über die Produktionsstraße.

Maschinen falten Spiele-Schachteln und Arbeiterinnen sind damit beschäftigt, die Einzelteile des Spieles in die frisch gefalteten Schachteln zu schlichten. Ein Roboterarm verklebt und hebt schließlich die großen Versandkartons auf Paletten, die wiederum in einer Halle im Erdgeschoß auf den Weitertransport zu den Händlern warten.
Abnehmer sind Tabaktrafiken ebenso wie große Onlinehändler. Trotz in vielen Bereichen automatisierter Produktion bietet Piatnik mehr als 100 Menschen einen Arbeitsplatz.

„15 Jahre sind unsere Mitarbeiter im Schnitt beschäftigt. Das gilt auch für Hilfsarbeiter“, hat Strehl Zahlen im Kopf, die für ein gutes Arbeitsklima sprechen. „Außerdem lassen drei Viertel unserer Mitarbeiter das Auto daheim und kommen zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Firma.“ Ob es ein Spiel überhaupt aufs Förderband schafft, daran arbeitet eine vierköpfige Spieleredaktion, die die schwierige Aufgabe hat, aus den vielen Einsendungen der Spieleautoren den nächsten Verkaufsschlager zu finden. Und ob es mehrmals aufs Förderband kommt, weil es sich extrem gut verkauft, entscheidet oft der Zufall.

Ein Spielehit ist aus Langeweile entstanden

Wie etwa beim Partyspiel „Activity“. „Zwei Ehepaare in
der Obersteiermark haben sich derart fadisiert, dass ihnen die Idee zu dem Spiel kam“, erinnert sich Strehl.

So ersannen sie ein Spiel, bei dem bestimmte Begriffe gezeichnet, erklärt oder pantomimisch dargestellt werden müssen. Was dem Ehepaar in der Einöde die Zeit vertrieb, entwickelte sich zum Superrenner.

Vor 34 Jahren erschienen, verkaufte es sich bis jetzt zwölf Millionen Mal. „In Russland wurde es Spiel des Jahres und in Deutschland und Ungarn kamen davon sogar dreiste Kopien auf den Markt. Das konnte ich aber abstellen“, sagt Strehl mit sichtlicher Genugtuung.
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