Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 02/2023 vom 10.01.2023, Fotos: Lutz
Artikel-Bild
Die Arktis, also der Nordpol, ist keine Landmasse, sondern ein größtenteils gefrorenes Meer, das von Land und Inseln umgeben ist.
Artikel-Bild
Arktis-Expertin Birgit Lutz beim Abwiegen des
Mülls.
Nachruf auf den Nordpol
Birgit Lutz liebt die Kälte und das Eis. Derzeit kämpft die deutsche Arktis-Expertin aber weniger gegen Schneestürme, sondern gegen die stark zunehmende Vermüllung der Weltmeere. Ihr neues Buch versteht sich als Weckruf, den die Menschheit ganz dringend braucht.
Den Eisbären geht die Beute aus. Robben sind schon heute Mangelware. Die Eisschollen, das Jagdgebiet der Raubtiere, schmelzen ihnen unter den Pfoten weg.

So schnell wie die Arktis hat sich in den vergangenen Jahren kaum eine andere Region erwärmt. Die Temperatur am Nordpol ist laut einer neuen Studie in den vergangenen 40 Jahren fast vier Mal so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt.

Festgestellt wurde eine Erwärmung um 0,75 Grad pro Jahrzehnt. Die daraus resultierende Eisschmelze ist auch in Europa zu spüren. Unter anderem steigt der Meeresspiegel, mit verheerenden Folgen. Auch deshalb sind Wissenschaftler besonders daran interessiert, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Wie sichtbar der Klimawandel im hohen Norden bereits ist, schildert die deutsche Arktis-Expertin Birgit Lutz, 48, in ihrem neuen Buch „Nachruf auf die Arktis“ (B. o.).

„Wir können die globale Erwärmung nicht rückgängig machen, sondern sie nur aufhalten und verhindern, dass es schlimmer wird“, verweist sie gleich zu Beginn ihres Buches auf unliebsame Tatsachen.

Weiters erzählt die Fachfrau von ihren Erlebnissen als Zeugin einer in Veränderung begriffenen atemberaubenden Erdregion, sie sprach mit Menschen, die ihr Leben in der Arktis verbringen, und interviewte namhafte Forscher zu verschiedensten Aspekten dieses komplexen Themas. Ihre Liebe zum Nordpol hat Lutz allerdings

dem puren Zufall und einer morgendlichen Unlust zu verdanken. Weil sie zu faul war, die Zeitung zu holen, studierte sie als Alternative das bereits auf ihrem Küchentisch liegende ADAC-Mitgliedermagazin und endeckte darin die Anzeige für eine Arktisreise. „Ich konnte damals nicht glauben, dass es so einfach möglich ist, zum Nordpol zu fahren“, wunderte sich Lutz. Also setzte sie sich noch im Schlafanzug an den Computer, kontaktierte den Veranstalter und landete schließlich 2007 auf einem Eisbrecher zum Nordpol. Seitdem bewegt sich die 48jährige regelmäßig in den kältesten Regionen der Welt, besuchte schon 15 Mal die Arktis, begleitete Expeditionsschiffe und arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt über Plastik, für das sie an den Stränden Spitzbergens Müll sammelt. Der überproportional meiste Müll stammt dabei aus der Fischerei-Industrie. Netze, Seile, Handschuhe, Gummistiefel. Aber auch ganz „normaler“ Hausmüll aus aller Welt fand sie.

Plastikmüll verdreckt die Arktis

Der Großteil wird über den Golfstrom aus Norwegen und Russland, aber auch aus Südamerika und Mexiko angeschwemmt. „Wir haben erreicht, dass unser Müll allgegenwärtig ist“, stellt die Autorin fest.

Die nackten Zahlen sind schockierend. Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jährlich in die Meere. Allein von Bord der Fangschiffe fallen in europäischen Meeren
alljährlich bis zu 25.000 „Geisternetze“, in denen sich ungezählte Tiere verheddern. Aneinandergereiht ergeben diese Netze eine Länge von 1.250 Kilometern. Das entspricht etwa der Luftlinie Hamburg (D) – Rom (I).Im Buch geht es Lutz aber nicht um Endzeitstimmung. „Eher um eine Zwischenbilanz auf einem Weg nach vorn mit Vorschlägen für Lösungswege, um zu ermuntern, statt zu bevormunden“, betont die Arktis-Expertin. Nicht umsonst hat sie ihrem Buch mit „Noch können wir die Welt retten“ einen hoffnungsvollen Untertitel gegeben. Hwie
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung