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Ausgabe Nr. 01/2023 vom 03.01.2023, Foto: Red-Rock Production
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Leslie Mandoki: „Ich flüchtete durch einen Tunnel nach Österreich“
Mit der Pop-Gruppe „Dschinghis Khan“ wurde er Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre bekannt. Doch von der leichten Unterhaltung hat sich Leslie Mandoki bald verabschiedet und weithin im Verborgenen eine beachtliche Musikkarriere hingelegt.

Heute betreibt der 69jährige ein eigenes Studio am Starnberger See in Bayern (Deutschland), er tritt als Produzent von Größen wie Lionel Richie und Phil Collins auf, schreibt Musikmelodien und gehört einer Jazzband (aktuelles Album „Living In The Gap“) an. Zum 70er am 7. Jänner soll es eine große Feier geben, hat er dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt.

Herr Mandoki, Sie werden Ihren 70. Geburtstag am 7 Jänner mit, wie es heißt, „großem Get-Together, viel Live-Musik von Ihren Freunden und Wegbegleitern und einer ausladenden Feier“ im Künstlerhaus in München (D) zelebrieren. Freuen Sie sich darauf?
Es ist schrecklich, 70 zu werden. Aber nicht 70 zu werden, wäre noch viel schrecklicher. Ich bin ein Mensch, der gerne feiert (lacht). Und ich freue mich, meine Freunde nach diesen Covid-bedingten Pausen wiederzusehen, manche seit Jahren zum ersten Mal wieder. Wobei es ja noch weitere Jubiläen zu feiern gibt: 30 Jahre Jazzrock-Truppe „Soulmates“ und 40 Jahre „Red Rock Studios“ sind mir eigentlich wichtiger.

Fühlen Sie die 70 Jahre?
Überhaupt nicht. Mir kommt es eher so vor, als würde ich 30 Jahre alt werden. Wenn ich bei Konzerten nach viereinhalb Stunden von der Bühne gehe, könnte ich locker noch einmal von vorne anfangen. Ich habe die gleiche Energie wie mit 30, ich lebe auch noch wie mit 30, arbeite im Studio an sieben Tagen pro Woche, stehe zur selben Zeit auf und gehe zur selben Zeit ins Bett wie immer. Ich reise auch noch genauso, in zwei Tagen nach Los Angeles (USA) und wieder zurück, das ist für mich normal.

Sie sind also in Bestform?
Ich war noch nie krank, noch nie beim Zahnarzt, ich habe immer ein bisschen auf mich aufgepasst und ich mache Sport. Keinen Extremsport, aber regelmäßig. Ich paddele hier auf dem Starnberger See für mein Leben gerne, ich spiele jeden Tag Schlagzeug und ich fahre viel Fahrrad. Aber kein E-Bike.

So wie Ihr Nachbar und Freund Peter Maffay …
Peter ist, was die Fitness angeht, ein Vorbild, deshalb maße ich mir nicht an, mich mit ihm zu vergleichen. Im vergangenen Jahr habe ich zum Geburtstag einen Motor für mein Kanu geschenkt bekommen. Ich habe ihn noch gar nicht ausgepackt, denn ich rudere für mein Leben gern. Ich habe ein Häuschen von meiner Mutter geerbt, in der Nähe von Budapest (Ungarn), dort kann ich auf der Donau wunderbar gegen den Strom paddeln.

Im übertragenen Sinn machen Sie das schon immer. Was treibt Sie an?
Die Worte meines Vaters, als er auf dem Sterbebett lag. Ich war 16 Jahre alt und sah meinen Vater, zu dem ich ein enges Verhältnis hatte, langsam verschwinden. Er litt an Krebs. Mein Vater sagte zu mir: Lebe deine Träume, und träume nicht dein Leben.

Welche Träume hatten Sie?
Ich war als Teenager schon auf dem Prog-Rock-Trip, liebte „Jethro Tull“, „Yes“, „Genesis“, komplexe Musik mit poetischen, gesellschaftspolitisch relevanten Texten. Mein Plan war, diese verschachtelte Musik mit der Virtuosität der New Yorker Jazz-Fusion-Szene zu verschmelzen. Ich bin gebürtiger Ungar und als Student am Musikkonservatorium Budapest war ich aber auch ein Oppositioneller, ohne Chance, einen Pass oder einen Plattenvertrag zu bekommen. Ich war 22, als ich mit zwei anderen Künstlerfreunden zu Fuß durch den Karawankentunnel vom damaligen Jugoslawien (heutiges Slowenien) nach Österreich flüchtete und von dort nach Deutschland. Ich habe dann in deutschen Jazz-Klubs gespielt, doch ich wollte die Welt sehen. Mir gelang der Sprung nach Amerika, später folgte England, bis ich wieder nach Deutschland zurückkehrte und mich am Starnberger See niederließ.
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