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Ausgabe Nr. 01/2023 vom 03.01.2023, Fotos: zVg, AdobeStock
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„Harry Potter“ mit Schneeeule „Hedwig“. Schneeeulen-Weibchen (Bild u.) haben viele braune Tupfen und Sprenkel im Federkleid.
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Nur die Schneeeulen-Männchen sind reinweiß.
Der Vogel, der aus der Kälte kam
Sie ist weiß, majestätisch und neuerdings auch selten – die Schneeeule. Als naher Verwandter des Uhus ist sie perfekt an ein Leben nördlich des Polarkreises angepasst und fühlt sich pudelwohl in Eis und Schnee.
Die Schneeeule ist eine Berühmtheit. Sogar die Bewohner von Tropeninseln erkennen diesen Vogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 180 Zentimeter auf Anhieb.

Allerdings hat da die Filmindustrie nachgeholfen – und zwar mit den „Harry Potter“-Filmen. Schneeeule „Hedwig“ (Bild o.) ist darin der treue Begleiter des jungen Zauberlehrlings.

Doch im Gegensatz zu „Hedwig“ gewähren Schneeeulen in ihrem natürlichen Lebensraum auf der Nordhalbkugel in Alaska, Kanada, Grönland, Norwegen oder Russland nur selten Einblicke in ihre Verhaltensweisen. Schließlich sind die nahen Verwandten des Uhus in ihren bis zu 30 Lebensjahren extrem scheue Einzelgänger, die von uns Menschen vor allem wegen ihrer schönen weißen Federn bewundert werden. Die Vögel sind jedoch nicht immer und auch nicht von Anfang an vollkommen weiß. „Sie haben in jungen Jahren viele braune Flecken, Bänder und Querlinien, die mit der Zeit immer weniger werden. Nie ganz weiß werden allerdings die Weibchen. Da sie für den Nachwuchs zuständig sind, brauchen sie eine bessere Tarnung“, berichtet der amerikanische Ornithologe Scott Weidensaul.

Gebrütet wird am Boden

In einer zuvor gescharrten, flachen Mulde am Boden legt das Weibchen für gewöhnlich drei bis elf Eier, aus denen nach einem Monat die Küken schlüpfen. Einen weiteren Monat später sind sie groß genug, um das Nest zu verlassen.

„Ausgewachsen erreichen Schneeeulen eine Größe von bis zu 70 Zentimetern und ein Gewicht von etwa zweieinhalb Kilo“, sagt der Experte.Da im Winter in der arktischen Tundra aber oft das Futter knapp wird, müssen die meisten Schneeeulen in Richtung Süden ziehen.

„Auf ihren Streifzügen fliegen sie bis zu 100 Tage lang kreuz und quer durchs Land und legen dabei große Strecken zurück. Die mit einem Sender ausgestattete Rekordhalterin brachte es dabei auf mehr als 4.000 Kilometer“, berichtet Weidensaul.

Die Fettreserven helfen ihr dabei. Denn Schneeeulen haben als einzige Eulenart die Fähigkeit, im Sommer bis zu 800 Gramm Körperfett zu speichern. Auch das perfekt isolierende Federkleid ist rekordverdächtig. „Der Wärmeverlust ist sogar um etwa 30 Prozent geringer als derjenige von Alpenschneehühnern. So kann die Schneeeule problemlos minus 55 Grad Celsius überstehen – das schafft kein anderer Vogel“, weiß der Ornithologe. Selbst an ihren Füßen haben Schneeeulen ein dichtes Gefieder aus vielen kleinen, weichen Federn. „Das hält nicht nur warm, sondern verhindert durch die vergrößerte Fläche auch das Einsinken im Schnee“, berichtet der Experte.

Weil es nördlich des Polarkreises im Winter nicht hell und im Sommer nicht dunkel wird, jagen Schneeeulen aber nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Ein geräuschloser Flug ist für den Beutefang somit überlebenswichtig. Schneeeulen besitzen daher besonders weiche Federn, die jegliche Reibungsgeräusche unterdrücken.

Zusätzlich sind die Federn der Flügelkanten mit feinen Zähnungen versehen, die den beim Fliegen entstehenden Luftstrom in zahlreiche kleine Wirbel zergliedern. Selbst Geräusche im Ultraschallbereich werden dadurch unterdrückt. Und weil Schneeeulen ihren Kopf bis zu 270 Grad drehen können, entgeht auch nicht die kleinste Bewegung ihrem messerscharfen Blick.

Ein Spielball des Klimas

„Drei bis fünf Lemminge am Tag landen so ohne Probleme im Schneeeulen-Magen. Bei einem erwachsenen Vogel sind es jährlich sogar mehr als 1.600“, erklärt der Experte.

Die kleinen arktischen Wühlmäuse benötigen jedoch dicke Schichten von Schnee, um erfolgreich brüten zu können. Aufgrund des Klimawandels ist das in den vergangenen Jahren aber immer seltener der Fall gewesen. Was folglich auch die Schneeeulen-Population absinken ließ. „Ursprünglich wurde die Weltpopulation auf 300.000 Individuen geschätzt, davon allein 140.000 in Nordamerika. Neuerdings ist von nur noch 7.000 bis 8.000 Paaren die rede“, klagt Scott Weidensaul. Hwie
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