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Ausgabe Nr. 01/2023 vom 03.01.2023, Fotos: picturedesk.com(2), Oliver Brajon Photography
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Celina Profanter, 21, in einer ihrer Rollen bei „Holiday on Ice“.
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Abwechslungsreich und faszinierend ist die Darbietung der Künstler.
Reise durch die Galaxie
Mit mehr als 330 Millionen Besuchern ist „Holiday On Ice“ die meistbesuchte Eis-Show der Welt. Mit dabei in diesem Jahr ist eine junge Vorarlbergerin sowie die Tirolerin Celina Profanter, die sich damit einen Traum erfüllt hat.
Sie gleiten übers Eis, schweben durch die Luft, lassen atemberaubende Akrobatik in rasantem Tempo aufeinanderfolgen und bezaubern in futuristischen Kostümen. Die Dutzenden Mitwirkenden der berühmten Eisrevue „Holiday on Ice“ nehmen die Besucher in diesem Jahr mit auf eine Reise zu den Sternen.

„Supernova“ nennt sich die Show, die mit einem farbenprächtigen Winterfest im ewigen Eis, zu Ehren aller himmlischen Elemente, ihren Anfang nimmt. Doch ein plötzlich auftretender gigantischer Schneesturm beendet die Feierlichkeiten schon bald und trägt die Darsteller aus der verschneiten Polarwelt hinaus in die Unendlichkeit des Kosmos. Im Weltall beginnt für sie eine eindrucksvolle Reise zu magischen Orten der Galaxie und zu deren exotischen Bewohnern. Schließlich gelangen sie durch eine Supernova – eine leuchtend sprühende, galaktische Explosion – zurück auf die Erde und feiern ein berauschendes Finale in einem Meer aus Nordlichtern.

Gut zwei Stunden und 20 Minuten, samt Pause, dauert diese Reise durchs All, an der zum ersten Mal nach 14 Jahren wieder eine Künstlerin aus unserem Land teilnimmt. Es sind sogar zwei – die Vorarlbergerin Joelle Maria Nasheim, 23, sowie die Tirolerin Celina Profanter, 21.

Tirolerin verkörpert das Feuer in der Show

Wenn sie aufs Eis geht und die Musik einsetzt, beginnt für die Tirolerin eine neue Zeitrechnung. „Ab diesem Moment vergesse ich alles rund um mich und fühle mich frei und schwerelos. Ich denke nur daran, was ich am Eis zu tun habe.“ Abzuschalten beherrscht Profanter in Profi-Manier. Denn was sie auf dem glatten Untergrund vollführt, hat nichts mit Freizeitsport zu tun, sondern viel mehr mit hoher Kunst. Seit ihrem siebenten Lebensjahr steht die 21jährige drei bis vier Mal pro Woche auf dem Eis, seit dem 14. Lebensjahr sogar jeden Tag. Der Einsatz hat sich gelohnt. Profanter übernimmt bei „Supernova“ gleich mehrere Rollen.

„Einmal bin ich unscheinbar im Hintergrund, dann verkörpere ich wieder das Feuer oder schlüpfe in eine sexy Rolle. Ich habe viel Freiheit bei der Umsetzung und fühle mich wohl damit.“ Eine Hauptrolle strebt die begabte Tirolerin – noch – nicht an. „Das ist eigentlich nicht mein Ziel. Ich bin glücklich im Ensemble und könnte mir eine Rolle im Paarlauf vorstellen. Mein größter Wunsch ist aber, bei ,Holiday on Ice‘ zu bleiben, solange es geht.“ Auch wenn harte Arbeit dahintersteckt, immerhin müssen die Damen und Herren bis zu drei Mal am Tag ihre Kufenschuhe schnüren. Etwa an den Wochenenden in Wien, wenn um 11, 15 und 19 Uhr die Reise durchs All beginnt. Wenn sie von 13. bis 15. Jänner in ihrer Heimatstadt Innsbruck aufs Eis geht, wird ihre Familie mit dabei sein. „Darauf freue ich mich besonders.“ Denn dann bringt sie ihren Jugendtraum zur Vollendung.

Den Wunsch, Eiskunstläuferin zu werden, fasste Profanter im Jahr 2006. Da verfolgte sie gemeinsam mit ihrem Papa bei den Winterspielen in Turin (Italien) die Eiskunstlaufbewerbe und die damals Sechsjährige wusste: „Das ist es!“

In einem Kinderkurs fiel sie den Trainern sofort auf und sollte gefördert werden. „Die Mama wusste zwar nicht, was das heißt, hat aber zugestimmt“, erinnert sich Profanter. Darauf folgte jahrelanges, hartes Training, in denen die Mama zur Chauffeuse und die Tochter zur Disziplin in Person mutierten. „Um die Schule zu schaffen, musste ich strukturiert vorgehen. Das Eislaufen bedeutet großen Aufwand, das musst du mit ganzem Herzen wollen.“

Dass Profanter wollte, zeigte sich unter anderem daran, dass die meisten ihrer Weggefährtinnen mit 15 Jahren das Eislaufen sprichwörtlich auf Eis legten, während sie unbeirrt ihren Weg ging. „Im Jahr 2019, gleich nach der Matura, habe ich mich bei ,Holiday on Ice‘ beworben.“ Im August desselben Jahres erhielt sie von Robin Cousins, dem künstlerischen Leiter und Choreografen von „Supernova“, Antwort. Der 65jährige britische Olympiasieger und Europameister im Eiskunstlauf teilte ihr mit: „Du bist dabei.“

Nun zieht die 21jährige sechs Monate lang von Land zu Land, denn die Show wird seit November in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, unserem Land und Frankreich gezeigt. Dabei absolvieren Profanter und ihre Vorarlberger Kollegin Nasheim 283 Auftritte in 54 Städten.

Ein Mammut-Programm, wie es für „Holiday on Ice“ typisch ist, seit im Jahr 1943 in einem Hotel in Toledo im US-Bundesstaat Ohio die erste Show gezeigt wurde. Im Jahr 1974 gastierte die Revue zum ersten Mal in Wien. Bis heute haben mehr als 55.000 Einzelvorstellungen vor rund 330 Millionen Zuschauern stattgefunden. Mehr als 6.500 Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer zeigten in 30.000 Kostümen bisher ihr Können.

Profanter möchte noch viele Jahre mit dabei sein. Was danach kommt, lässt sie offen, Ideen gibt es jedoch schon. „Ich könnte als Trainerin arbeiten. Die dafür notwendige Ausbildung zur Übungsleiterin habe ich absolviert. Es wäre auch möglich, dass ich später als Choreographin arbeite, weil mir das Künstlerische gefällt. Ich war ja nie ein Wettkampf-Typ, sondern wollte einfach immer nur Shows laufen und im Team arbeiten. Deshalb ist ,Holiday on Ice‘ mein wahrgewordener Traum.“
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