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Ausgabe Nr. 37/2022 vom 13.09.2022, Foto: Ivan - stock.adobe.com
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Der Feldhase zählt zu jenen gefährdeten Tieren, die zwar noch vielerorts, jedoch wesentlich seltener als früher anzutreffen sind.
Wettlauf mit dem Tod
Vertrieben, verdrängt und verfolgt. Weltweit sterben jeden Tag bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Aber nicht nur der Eisbär oder die Waldelefanten sind betroffen. Auch hierzulande gibt es viele Tiere, die in Gefahr sind.
Der Mensch ist Teil der Natur, und sein Krieg gegen die Natur ist zwangsläufig ein Krieg gegen sich selbst“, schrieb die US-Biologin Rachel Carson vor 60 Jahren in ihrem Buch „Der stumme Frühling“.
Heute sind ihre düsteren Prognosen teils traurige Realität. Schließlich verschwinden jeden Tag bereits bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten für immer von unserem Planeten.
Parallel dazu ist die Zahl der als bedroht eingestuften Tier- und Pflanzenarten auf mehr als 40.000 angewachsen. „Das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit ist im Gange“, warnt der deutsche Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht.

Tatsächlich geht es beim Artenschutz längst nicht mehr nur um die Beseitigung eines Umweltproblems, sondern um die Frage, „ob die Menschheit nicht irgendwann selbst auf der Roten Liste in einer Gefährdungskategorie landet und zum Verlierer ihrer eigenen Lebensweise wird“, zeichnet der Experte ein düsteres Bild vom „Wettlauf mit dem Tod“.
Denn bedauerlicherweise schreitet die massive Naturzerstörung durch den Menschen nahezu überall auf unserer Erde rapide voran.
Derzeit verlieren im südamerikanischen Amazonas so viele Spezies wie noch nie ihre Heimat, weil dort für Viehzucht, Soja und Palmöl minütlich eine Waldfläche so groß wie dreißig Fußballfelder gerodet wird.

In China müssen wegen des exzessiven Einsatzes von Insektiziden neben Bienen nun sogar Heerscharen von Landarbeitern ausschwärmen, um die Obstplantagen zu bestäuben. In Afrika bedrohen Raubbau und Dürre die großen Säugetiere und in Europa wird die biologische Vielfalt durch die Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet.

„Um effektiver zu wirtschaften, wurden viele kleine Äcker zu wenigen großen zusammengefasst und die für die Tier- und Pflanzenvielfalt so wichtigen grünen Randstreifen verschwanden“, kritisieren Umweltschützer. Weshalb auch in unserem Land die Biomasse der Fluginsekten zwischen 1989 und 2016 um mehr als 75 Prozent abnahm. Und vielen Menschen wurde dadurch endlich klar, warum trotz langer Autofahrten die Windschutzscheibe sauber blieb. Selbst der Himmel hängt keineswegs mehr voller Lerchen. „Das Trillern der kleinen Singvögel ist regelrecht verstummt. Intensivkulturen und der Rückgang von Insekten verringern ihren Lebensraum“, weiß Gábor Wichmann von der Vogelschutzorganisation „BirdLife“.

Aber auch den Pflanzen ergeht es nicht viel besser. „Auf unseren Wiesen blühten früher etwa 20 Blumensorten, heute sind es eine bis zwei. Selbst Allerweltsblumen wie die Margerite sind in Gefahr“, warnen Biologen. Ein rasches Umdenken bei Umwelt- und Artenschutz ist daher dringend notwendig.
„Aktuell stehen weltweit allerdings nur 15 Prozent des globalen Landes unter Schutz. Wir müssten aber bis Mitte des Jahrhunderts 50 Prozent erreichen, um das Artensterben aufzuhalten“, so der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht.

Für den Artenschutz
  • Garten für Arten – Um Schmetterlinge und Bienen zu schützen, im Garten oder auf dem Balkon möglichst viele Blumen-, Kräuter- oder Gemüsesorten pflanzen.
  • Brutplätze für Vögel – Bäume, Sträucher, Hecken und Vogelhäuschen bieten Unterschlupf zur Brut und zum Schutz vor Mardern oder Katzen.
  • Bewusst Essen für die Umwelt – Lebensmittel kaufen, die regional produziert werden. Weniger Fleisch essen.
Als „Haustier der Imker“ ist die Honigbiene zwar nicht bedroht. Völlig anders sieht das jedoch bei ungefähr der Hälfte der 700 bei uns lebenden Wildbienenarten aus.

Auch die Moorente ist in unserem Land in ihrem Bestand stark gefährdet und wohl nur mit einigen wenigen Brutpaaren am Neusiedler See (B) vertreten.

Bei einer Feldlerchen-Zählung hat sich 2006 gezeigt, dass es in Kärnten um die 5.000 Brutpaare gibt. Nun hat sich der Bestand auf 2.500 halbiert.

Der Feldhamster steht stellvertretend für Tausende heimische Tier- und Pflanzenarten, die durch die Betonflut ihren Lebensraum verlieren.

Sogar der grasgrüne Laubfrosch steht hierzulande schon auf der Roten Liste und wird als „gefährdet“ eingestuft.

Das Rebhuhn kommt bei uns als Brutvogel nur noch in gewissen Regionen vor. In Kärnten gilt es zum Beispiel bereits als ausgestorben.

Der schöne Anblick von heimischen Flüssen und Seen täuscht. Der Tierwelt im Wasser geht‘s nicht gut. Das gilt auch für die gefährdete Bachforelle.
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