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Ausgabe Nr. 35/2022 vom 30.08.2022, Fotos: AdobeStock, Patrick Saringer
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Eine neue Diagnosemethode hilft.
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Univ.-Prof. Dr. Martin Widschwendter.
Früherkennung von Gebärmutterkrebs
Der neue Test verringert die Zahl der falsch positiven Ergebnisse bei der herkömmlichen Ultraschall-Untersuchung um zwei Drittel. Das erspart vielen Frauen einen unangenehmen Eingriff.
Jedes Jahr erhalten zirka neunhundert Frauen in unserem Land die Diagnose Gebärmutterkörperkrebs. Es ist der häufigste gynäkologische Krebs, und in der Mehrzahl sind betroffene Frauen zwischen 65 und 74 Jahre alt. Die Diagnose Krebs kommt einer persönlichen Katas-
trophe gleich und stellt die persönliche Welt jedes Betroffenen auf den Kopf.

Die Chancen für an diesem Krebs erkrankter Frauen, nach fünf Jahren noch am Leben zu sein, liegt aber bei 88 Prozent. Wie bei allen Krebserkrankungen ist auch hier die frühe Entdeckung entscheidend, ob eine Heilung möglich ist oder ein zumindest jahrelanges Überleben. Im Sinne der einfachen und schnellen Früherkennung von Gebärmutterkörperkrebs hat Dr. Martin Widschwendter, Professor für Krebsprävention und Screening an der Universität Innsbruck, mit seinem Team einen revolutionären Test zur Früherkennung dieser Krebsart vorgestellt.

Funktioniert ähnlich dem PAP-Abstrich

„Der neue Test mit dem Namen ‚WID™-qEC‘ erkennt mit Hilfe eines einfachen Abstriches schnell und mit hoher Genauigkeit Gebärmutterkörperkrebs. Die Probenentnahme kann also von allen Gynäkologen leicht durchgeführt werden, da sie dem bereits angewandten PAP-Abstrich zur Erkennung von Gebärmutterhalskrebs prinzipiell gleicht“, sagt Prof. Widschwendter.

Tatsächlich bietet der Test deutliche Vorteile gegenüber aktuell verwendeten Methoden der Früherkennung und Diagnose wie etwa dem Ultraschall. „Mit einer vaginalen Ultraschalluntersuchung kann eine vorhandene Krebserkrankung, vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren, gut erkannt werden. Das Problem ist jedoch, der Ultraschall zeigt häufig auch bei Frauen ohne Krebs eine Krebserkrankung an. Mit dem neuen Test ist es nun möglich, die Zahl dieser sogenannten ‚falsch positiven‘ Ergebnisse um mindestens zwei Drittel zu senken. Somit kann in Zukunft vielen Frauen mit Verdacht auf Gebärmutterkörperkrebs die belastende Gebärmutterspiegelung und Ausschabung erspart bleiben.“

Ein Test mit hoher Genauigkeitsrate

Die Genauigkeit des neuen Krebs-Erkennungstests sei hoch, versichert der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Beispielsweise erkannte unser Test innerhalb einer Gruppe von 63 Frauen mit Blutungen nach den Wechseljahren, sogenannte postmenopausale Blutungen, alle acht Frauen, bei denen in der Folge Gebärmutterkörperkrebs diagnostiziert wurde. Auch ergab der Test bei 49 der 55 nicht-erkrankten Frauen das richtige Ergebnis. Er übertraf damit die aktuelle Standarduntersuchung, den transvaginalen Ultraschall. Der Test zeichnet sich also durch eine enorm hohe Detektionsrate und seine besonders hohe Spezifität aus. Das bedeutet, einfach gesagt, nur wenige Frauen werden fälschlicherweise als ‚positiv‘, also ‚an Krebs erkrankt‘ eingestuft.“

Um eine Krebserkrankung sicher auszuschließen, ist aktuell immer ein invasiver operativer Eingriff, die Gebärmutterspiegelung und Ausschabung notwendig. „So ein operativer Eingriff ist natürlich nicht frei von möglichen Komplikationen und muss bei manchen Frauen sogar regelmäßig wiederholt werden. Zudem können die bisher verfügbaren Methoden zur Abklärung abnormaler Blutungen nicht alle Fälle von Gebärmutterkörperkrebs zuverlässig erkennen“, gibt Prof. Widschwendter zu bedenken.

Der neue Test erlaubt einen Blick auf die DNA

Wie der neue Test funktioniert, damit er so eine hohe Genauigkeit garantieren kann, erklärt der Facharzt. „Der Test misst das Ausmaß der Veränderung von Erbsubstanz, die bei Frauen mit oder ohne Gebärmutterkörperkrebs unterschiedlich stark ausfällt. Ein ganz wesentlicher Vorteil dieser Technik ist, dass sie, anders als der Ultraschall, komplett unabhängig vom Untersucher ist“, versichert der Krebsspezialist.

Schnelle Gewissheit für Frauen

Die Testergebnisse des Abstriches werden innerhalb weniger Tage an die behandelnden Gynäkologen berichtet. Die Angst behaftete Zeit der Unsicherheit, ob nun eine Krebserkrankung vorliegt oder nicht, wird so deutlich verkürzt.
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