Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 35/2022 vom 30.08.2022, Fotos: imago/GEPA pictures, picture-alliance / ASA, zVg
Artikel-Bild
Artikel-Bild
Schett errang 1999 Platz sieben der Weltrangliste.
Artikel-Bild
Vor Kurzem hat Schett ihre Memoiren herausgebracht (EGOTH-Verlag, E 25,–).
„Ich vermisse ein bisschen das Tiroler Grantlerdasein“
Einst war sie die Nummer sieben der Tenniswelt und steht heute als Moderatorin für den Fernseh-Sender Eurosport bei den US Open in New York (USA) vor der Kamera. In ihrem Buch „Ich bin was ich bin“ präsentiert sich die Tirolerin Barbara Schett, 46, auch als Wahl-Australierin, als liebevolle Mutter eines Sohnes und nachdenklicher Mensch.
Ihre Anreise zu den Tennis-US-Open in New York (USA) erfolgte heuer direkt von einer staubigen Baustelle in Noosa (Australien). „Ich und mein mein Mann Josh sind gerade mitten im Hausbau. Wir planen auf 500 Quadratmetern Garten mit Blick zum Meer unser neues Zuhause in herrlicher Lage, es ist sozusagen unser Kitzbühel in Australien“, sagt Schett lachend.

Neben der Vorbereitung auf die Moderationsarbeit in New York und den täglichen Gesprächen mit ihrer Baufirma, die in fünf Wochen das Dach aufsetzt, um einen Einzug ab Ostern 2023 zu ermöglichen, veröffentlichte sie vor Kurzem obendrein noch ihre Memoiren in Buchform unter dem Titel „Ich bin was ich bin.“

Schett und ihr früherer Nachbar Thomas Muster wurden Freunde

Eines ist das Ex-Tennis-Ass, die Fernseh-Moderatorin, Ehefrau, Mutter und Tirolerin auf jeden Fall – vielseitig. „Ich selbst hoffe, vor allem ein Mensch zu sein, der bei allem Starrummel vor der Kamera authentisch geblieben ist“, betont Schett, die in ihrer einstigen aktiven Tenniskarriere die Ehre hatte, mit Größen wie Steffi Graf, Monica Seles und Serena Williams auf dem Platz zu stehen. Sie gewann drei Turniere im Einzel, erkletterte 1999 mit Platz sieben der Weltrangliste die historisch höchste Position, die je eine rot-weiß-rote Spielerin innehatte, und kam im selben Jahr bei den WTA Finals der besten acht Spielerinnen ins Viertelfinale.

Derzeit als Moderatorin für den Sender Eurosport im Einsatz, ist die am 10. März 1976 in Innsbruck Geborene schon gespannt, wie sich die ungewöhnliche Ausgangslage bei den US Open auswirkt. „Ohne Impfverweigerer Novak Djokovic und mit dem nicht fitten Rafael Nadal sowie dem in schwacher Form spielenden Daniil Medwedew sehe ich heuer die Chancen für einen neuen Namen auf der Siegerliste“, glaubt sie. „Vielleicht gewinnt Stefanos Tsitsipas sein erstes Grand Slam Turnier, auch Nick Kyrgios würde ich einiges zutrauen.“

Bezüglich ihrer eigenen Karriere wurde sie von der heimischen Tennis-Legende Thomas Muster einst extrem hart kritisiert, nicht das Maximum herausgeholt zu haben. „In Paris (F) haben wir uns deswegen fast angeschrien“, erinnert sie sich. Bis sich die beiden historisch besten Spieler des Landes Jahre später als Nachbarn in Australien wiederfanden, beide aufgrund australischer Partner. „Auf diesem riesigen Kontinent wohnten wir plötzlich im selben Ort Noosa und unsere Kinder gingen in dieselbe Schule“, amüsiert sich Schett.

„Wir wurden Freunde, als er nach Österreich zurückzog, verkaufte mir Thomas seine hellblaue Vespa, mit der ich heute jeden Tag herumfahre.“ Mittlerweile liebt sie den lockeren, fröhlichen Lebenszugang in „Down Under“, den sie durch die Heirat im Jahr 2007 mit dem Australier Joshua Eagle, 49, ebenfalls ein ehemaliger Tennisspieler, kennenlernen durfte. Jeden Tag schwimmt sie im Meer.

„Hier kommt der Genuss vor der Arbeit, in Österreich ist es umgekehrt“, stellt sie fest. Ihr Mann ist Hausmann und arbeitet bis auf ein Monat im Jahr nicht. „In Australien klopfen sie ihm dafür auf die Schulter, in Österreich schauen sie ihn schief an“, erzählt Schett. „In Österreich sind die Menschen überhaupt wegen nix und wieder nix grantig. Andererseits wuchs ich selbst dort auf und vermisse auf gewisse Weise auch ein bissl das Grantlerdasein.“

Ex-Tennis-Ass hält Tiroler Kultur hoch und kann Wiener Schnitzel backen

Es bedeutet ihr viel, auch am anderen Ende des Erdballes die Tiroler Kultur hochzuhalten, manchmal daheim etwa auch ein Wiener Schnitzel herauszubacken, schreibt Schett im Buch. „Unser Sohn Noah ist 13 Jahre alt und ich spreche mit ihm Tirolerisch, nicht Hochdeutsch. Es ist mir wichtig, dass er meine Sprache beherrscht und ich werde nie verstehen, dass etwa der Tennis-Spieler Mats Wilander in den USA lebend seine Kinder nur in Englisch aufgezogen hat.“

Schetts Sohn Noah spielt auch ein wenig Tennis, am liebsten aber Rugby und lernte einige Zeit lang Posaune. „Wir hatten vor seiner Geburt Sorge, einen intellektuellen ‚Nerd‘ mit dem IQ von 200 zu bekommen, der nur die Nase in Bücher steckt, aber da haben wir Glück gehabt“, sagt die Mutter und schmunzelt. Die ganze Familie lebt seither einen naturnahen Alltag im Land der giftigsten Tiere der Welt, in dem sie selbst einige Schockmomente erlebte.

„Einmal saß eine zehn Zentimeter große Spinne auf meiner Schulter, ein anderes Mal hat mich ein aggressiver Vogel in einer Gasse attackiert, die ich seither nicht mehr betrete“, berichtet sie. Wenn sie einen Golfball in einem Strauch versenkt, akzeptiert sie aus Angst vor Giftschlangen lieber den Strafpunkt, als im Gebüsch herumzustierlen. „Kängurus gibt es viele, die können dir auf der Straße ins Auto hineinhüpfen. In der Wildnis liegen sie sogar reihenweise überfahren am Straßenrand und niemanden kümmert das.“

Wann der Vorhang fällt – Angst vor der Vergänglichkeit und dem Ende

Die Familie überlegt, in einigen Jahren, wenn Sohn Noah die Schule abgeschlossen hat, vielleicht einen größeren Anteil des Jahres in Tirol zu verbringen. Zudem könnte eines fernen Tages ein Abschied vom Spitznamen „Babsi“ bevorstehen. „Ich weiß nicht, ob ich mit 60 oder 70 noch so genannt werden will“, sagt Schett lachend. Gedanken macht sie sich hin und wieder auch darüber, wie sich die Menschen bei der hohen Inflation das Leben noch leisten sollen, ob die Russen ihrer Tiroler Familie irgendwann den Gashahn zur Gänze abdrehen werden, aber auch darüber, wann bei ihr selbst der Vorhang fällt. „Seit zehn Jahren tauchen Gedanken über das Sterben in meinem Schlaf auf, eine gewisse Angst vor der Vergänglichkeit und dem Ende. Ich hoffe nur, dass es schnell passiert, wenn es soweit ist.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung