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Ausgabe Nr. 18/2022 vom 03.05.2022, Foto: Christoph Köstlin
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Der „Popstar der Klassik“ geigt auf:
Linz, Domplatz (OÖ),
22. und 23. Juli, jeweils 20 Uhr

Bad Hofgastein (S),
25. August, 20 Uhr

Wien, Krieau Trabrennplatz,
26. August, 20 Uhr

Graz (Stmk.), Messe,
27. August, 20 Uhr

Klagenfurt (K), Wörthersee
Stadion, 28. August, 20 Uhr

Für den 22. Juli kündigt Garrett ein neues Musikalbum an.
Der Teufelsgeiger
Er spielt die Geige teuflisch schnell und schaffte es ins „Guinness Buch der Rekorde“. Auch das Leben von David Garrett ist schnell und rastlos. In seiner Biografie erzählt der Geiger von seiner harten Kindheit und seinem Leben auf der Überholspur.
Der Titel klingt vielversprechend. „Wenn ihr wüsstet“ heißt die kürzlich erschienene, 368 Seiten umfassende Biografie des berühmten Geigers David Garrett, 41.
„Ich habe immer die asphaltierten Straßen gemieden und nach ungepflasterten Wegen gesucht“, erzählt der Erfinder des „Crossover“, einer Mischung aus Geigenmusik und modernem Pop.
Kindheit hatte der am 4. September 1980 als David Christian Bongartz in Aachen (D) geborene Musiker keine. „Die Geige taucht schon in frühesten Erinnerungen auf. Ich kann mich nicht erinnern, jemals keine Geige in der Hand gehabt zu haben.“

„Ich habe oft gelitten“
Sein Vater, ein Geigenauktionär, erkannte sein Talent und gab ihm Unterricht. „Er verlangte Disziplin, stundenlanges Üben und greifbare Erfolge. Andernfalls herrschte zu Hause dicke Luft. Ich habe oft gelitten, war aber kein Sklave der Geige. Ich habe klassische Musik gemacht. Die herrlichste Musik auf Erden.“
In der Schule galt das Wunderkind als Außenseiter. „Keiner wollte diesen Geiger dabeihaben. Diesen Sonderling, der vom wirklichen Leben nichts verstand, der in den alten Pullovern und Hosen seines Bruders herumging und aus Angst um seine kostbaren Finger vom Sportunterricht befreit war.“

Dafür geigte er schon als Zehnjähriger mit den größten Orchestern auf. Mit 13 Jahren wurde er der jüngste Künstler, der jemals bei der Deutschen Grammophon einen Plattenvertrag bekam. Damals verpasste er sich auch den Künstlernamen Garrett. Es ist der Geburtsname seiner Mutter, einer amerikanischen Balletttänzerin. Nach der Matura übersiedelte Garrett seinen Eltern zuliebe nach London (England), wo er das „Royal College of Music“ besuchte. Doch es blieb ein kurzes Intermezzo.
„Dass London einiges zu bieten hat, streite ich nicht ab, aber einen Fehler hat die Stadt, sie ist nicht New York (USA).“ Dort ging er hin, um an der „Juilliard School“ Musikwissenschaft und Komposition zu studieren. Die Kosten von 35.000 Euro pro Semester musste er großteils selbst berappen.

Pleitestudent und Unterwäsche-Modell
„Mein Konto war ständig leer. Ich arbeitete sogar als Unterwäsche-Modell. Oft konnte ich die Miete nicht zahlen und hatte nichts mehr im Kühlschrank.“
Doch der Unterricht bei Itzhak Perlman, 76, damals einer der bedeutendsten Violinisten, war ihm das wert. „Er ist brillant und vermittelte uns die Liebe zur Musik und die Liebe zum Instrument. Ich erlebte an der Schule vier großartige Jahre unaufhörlicher Inspiration.“
Bald danach gelang der Durchbruch. „Der Erfolg, den meine Musik nach sich zog, war groß, und er traf mich unvorbereitet.“

David Garrett hatte plötzlich Geld zuhauf, die Studentenbude war Geschichte. „Ich konnte mir jetzt eine teure Wohnung und den teuersten Tisch im Klub leisten.“ Die Firma Audi steuerte den Nobelsportwagen „R8“ mit 500 Pferden unter der Haube bei. „Natürlich habe ich das Leben ausgekostet, das war schon ein ziemlicher Egotrip.“

Die Frauen stehen für den Schönling Schlange. An seine Seite schmiegten sich etwa die englische Moderatorin Tara Palmer Tomkinson († 2017), das Modell Tatjana Gellert und die Erotik-Darstellerin Ashley Youdan, 34. Sie behauptete im Jahr 2016, dass Garrett sie zu gewalttätigem Sex gezwungen habe. „Er ist ein Sadist“, sagte Youdan, die ihn auf rund elf Millionen Euro verklagte. Der Künstler bangte um seinen Ruf, mit einer außergerichtlichen Einigung war die Sache dann vom Tisch. „Es gibt Menschen, denen man lieber nicht begegnet wäre“, meint er.

Im Jahr 2015 plagten Garrett Herzprobleme und Panik-Attacken. Vor Auftritten begann sein Herz zu rasen.
„Ich hatte das Gefühl, ich laufe mit Adrenalin voll. Mein ganzer Körper hat gezittert und vibriert. Ich dachte in diesen Momenten, ich sterbe.“ Etwa ein Jahr dauerte diese schwere Phase.

Grund für sein Tief war Überarbeitung. „Ich bin zu Konzerten ständig zwischen den Zeitzonen hin- und hergeflogen. Das war unglaublicher Stress und Druck. Vor Konzerten habe ich sogar auf der Flugzeugtoilette geübt und im Auto im Schneidersitz, was mir einen Bandscheibenvorfall bescherte“, erzählt Garrett, der von 2008 bis 2010 im „Guinness Buch der Rekorde“ stand – als schnellster Geiger der Welt. In einer Fernseh-Show spielte er den „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow († 1908) ohne Fehler in 66,56 Sekunden. Das sind 13 Noten pro Sekunde.

Heute lässt David Garrett es, sowohl beruflich als auch privat, ruhiger angehen. Seit rund drei Jahren ist er glücklich mit seiner Freundin zusammen. „Ihren Namen verrate ich aber nicht. Meine Freundin drängt sich nicht in die Öffentlichkeit und auch ich muss mein Glück nicht nach außen tragen, ich trage es im Herzen“, sagt der 41jährige Ausnahmekünstler mit einem Lächeln.
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