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Ausgabe Nr. 18/2022 vom 03.05.2022, Foto: Петр Смагин - stock.adobe.com
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Pflanzliche Schmerzmittel bei Gelenksverschleiß, harten Muskeln oder Bauchkrämpfen.
Die Heilkraft der Heublumen
Die ätherischen Öle und andere Pflanzenwirkstoffe von Heu- und Wiesenblumen fördern die Durchblutung, lindern Krämpfe und beruhigen die Seele. Die „Schmerzstiller“ bei Beschwerden und Krankheiten helfen uns als Bad, Polster und Bettunterlage. Eine Besonderheit ist der Kneipp‘sche Heublumensack.
Wer kennt ihn nicht, den frischen, würzigen Duft einer gemähten Wildblumenwiese? Das intensive Aroma ist einzigartig und weckt nicht selten Erinnerungen an unbeschwerte Kindheitstage.

Das liebliche Duft-Potpourri bietet aber mehr als ein sinnliches Erlebnis für unsere Nase. In den Blüten von Gräsern und Wildblumen artenreicher Magerwiesen steckt jede Menge Heilkraft, die wir uns bei vielen Beschwerden zunutze machen können und sollten. Sie enthalten jede Menge Naturstoffe, die helfen, Krämpfe zu lindern und die Durchblutung zu fördern wie etwa Flavonoide, Cumarine, Gerbstoffe und ätherische Öle. „Bei Heublumen handelt es sich um die Blüten und Früchte verschiedener Gräser, die während der Erntezeit blühen. Darunter befinden sich verschiedene Süßgräser wie Lieschgras, Fuchsschwanzgras, Gemeines Rauchgras sowie die Blüten verschiedener Kleearten und anderer blühender Wiesenpflanzen. Heublumen sind also ein Sammelbegriff für verschiedene Pflanzen und bezeichnen als Begriff keine eigene Pflanzenart. Als Arzneiprodukt verwendet, wirken Heublumenblüten leicht gewebereizend und dadurch durchblutungsfördernd. Außerdem können sie über die Haut Reflexe auslösen und damit verschiedene Organe beeinflussen“, erklärt die Pharmazeutin Dr. Nadine Berling-Aumann, die ihre Doktorarbeit den Heilpflanzen widmete.

Ihre Wirksamkeit entfalten Heublumen am besten in Form von Voll- und Fußbädern sowie Pölstern, die auf schmerzende Körperstellen aufgelegt werden. Sie lindern Beschwerden von (nicht-entzündlichen) Verspannungszuständen von Muskulatur, zum Beispiel im Rücken oder Nacken, aber auch bei Krämpfen im Bauch, etwa durch Menstruationsschmerzen, akuter und chronischer Bronchitis, Verschleißerscheinungen an Gelenken und Wirbelsäule und degenerativen Erkrankungen von Wirbelsäule und Gelenken im nicht-entzündlichen Stadium.

Von der Wirksamkeit der Heublumen-Anwendungen war schon der Pfarrer und Naturheilkundler Sebastian Kneipp (1821–1897) überzeugt. Auf ihn gehen die heute noch in Kuranstalten angewendeten Heublumensack-Anwendungen zurück.
Moderne Untersuchungen bestätigen die Wirksamkeit, wie die deutsche Beobachtungsstudie über die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Heusackes bei knapp dreihundert Patienten, die sich einer Kneippkur unterzogen haben, so Studienautor Dr. Bernhard Uehleke aus Berlin (D).
„Schon nach der Erstanwendung kam es an allen behandelten Körperstellen wie Lendenwirbel- oder Brustwirbelsäule, Halswirbelsäule inklusive Schulter- und Armbereiche, Hüfte, Knie und Bauch zu erheblichen Linderungen der Schmerzen und Verspannungen. 56 Prozent der Ärzte und 51 Prozent der Patienten beurteilten den Therapieerfolg des Heusackes als ‚sehr gut‘. 89 Prozent der Patienten sagten, die Heusack-Anwendungen innerhalb der Kneippkur waren die ‚wichtigste‘ oder ‚wesentliche‘ Anwendung für den Therapieerfolg.“

Wer zu den Glücklichen gehört und sich über Schmerzfreiheit freuen darf, der kann sich dennoch Gutes tun mit einem Sack voll Heublumen. Ein kleiner Heublumen-Polster unterm Kopf hilft beim Entspannen und unterstützt einen erholsamen Schlaf.

Drei Anwendungen, die mit der Kraft der Heublumen wirken

„Schmerzstiller“ Heublumensack:
Material: 1 Leinensack (ca. 10 x 20 cm oder 30 x 50 cm), Heublumen oder Fertig-Heusack, Gummi- oder Plastiktuch als Nässeschutz, Wickeltücher, etwa Lendenwickel-Set, Dämpfeinsatz für den Kochtopf.
Zubereitung: Sack zu zwei Dritteln mit Heublumen füllen und zubinden (oder einen Fertigheusack in der Apotheke oder von einem Kräuterhof kaufen). Den Heusack unter fließendem Wasser anfeuchten. Dann in einen Kochtopf wenige Zentimeter Wasser einfüllen, Siebeinsatz hinein-
setzen und den Heublumensack darauflegen. Der Sack darf keinen Kontakt mit dem Wasser haben. Dann etwa 20 Minuten dämpfen.

Anwendung: Heißen Heusack mit Kochlöffel oder Isolierhandschuhen entnehmen und aufschütteln, damit sich der Inhalt gleichmäßig verteilt. Den Sack so lange abkühlen lassen, bis er hautverträglich ist (Test auf Unterarm-Innenseite). Auf die zu behandelnde Stelle legen, etwa bei Gelenks- und Kreuzschmerzen, Verspannungen im Nacken, Krämpfen im Bauch (wo eine gesteigerte Durchblutung erwünscht ist). Mit Baumwolltuch (und ev. darüber Wolltuch) fixieren.

Liegedauer: Heusack erst abnehmen, wenn er nicht mehr warm ist (45 bis 90 Minuten). Dann schnell vorgehen, um eine Auskühlung zu vermeiden. Anschließend 30 Minuten Nachruhe einhalten.

Variante bei verlegten Atemwegen: Feuchtwarmen Heublumensack (max. 42 Grad) auf die Brust legen, Frotteetuch fest drumherum wickeln. Nach 30 Mi-
nuten abnehmen, eine Stunde im Bett nachruhen.

Fußbäder mit Heublumen: bei nervlicher Überlastung/Stress. Zwei Handvoll Heublumen mit drei Liter kochendem Wasser übergießen, 15 bis 20 Minuten ziehen lassen und abseihen. Den Absud ins Fußbadewasser geben. Die Füße darin zehn Minuten warm baden, anschließend kühl abschrecken.

Heublumenbad: 500 g Bergheu in drei Liter Wasser aufkochen, 30 Minuten ziehen lassen, dann alles in eine (Sitz-)Badewanne gießen. Nach einem 15minütigen Bad, das den Köper stark durchblutet, sollte unbedingt eine Stunde Ruhe im warmen Bett folgen.

Achtung: Bei offenen Verletzungen, Herz- und Kreislaufbeschwerden oder akuten Entzündungen sind alle Anwendungen mit Heublumen zu vermeiden.
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