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Ausgabe Nr. 17/2022 vom 26.04.2022, Fotos: picturedesk.com, ÖÄK/Noll
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Andreas Huss, Johannes Steinhart.
Aus für das Wahlarzt-System?
Die Zahl der Wahlärzte ist in den vergangenen Jahren auf 10.600 gestiegen, die Zahl der Kassenärzte mit 8.100 gleichgeblieben. Die „Wahl-Mediziner“ dürfen ihre Honorare frei festlegen. Die Patienten bekommen nur bis zu 80 Prozent jenes Betrages zurück, den die „Gesundheitskasse“ (ÖGK) einem Kassenarzt zahlen würde. Trotzdem greift so mancher Patient für den Arztbesuch tiefer in die Tasche, etwa um lange Wartezeiten auf einen Facharzt-Termin zu vermeiden.
JA:
Andreas Huss,
Vize-Obmann der ÖGK
„Jeder Arzt, der möchte, soll einen Kassenvertrag bekommen, das ist der erste Schritt. Natürlich ist eine regionale Verteilung notwendig und wir müssen auf die Lebensbedingungen von Ärztinnen und Ärzten Rücksicht nehmen. Wir könnten so aber bis zu 1.000 zusätzliche Kassenarztstellen schaffen. Mein Ziel ist, dass wir flächendeckend eine kassenärztliche Versorgung haben, die ausreichend ist. Jetzt bekomme ich viele Anrufe von Ärzten, die mir sagen, ich hätte gerne einen Kassenvertrag, aber die Ärztekammer lässt es nicht zu, weil wir einen starren Stellenplan haben. Einen Wahlarzt können sich nicht alle Menschen leisten. Mit mehr Kassenärzten gibt es auch kürzere Wartezeiten. Im zweiten Schritt wäre es dann möglich zu sagen, wir brauchen keine Wahlärzte mehr. Jene, die sich entscheiden, nicht im öffentlichen Gesundheitssystem mitzuarbeiten, sind dann ausschließlich Privatärzte. Die Vermischung zwischen öffentlicher und privater Gesundheitsversorgung im niedergelassenen Arztbereich wäre Geschichte. Die ÖGK spart sich bei den Wahlärzten nichts. Wir bezahlen zwar nur 80 Prozent des Kassenhonorars, aber die Verwaltung der Abrechnungen kommt uns um vieles teurer als jene der Kassenärzte, die automatisiert mit uns abrechnen.“

NEIN:
Johannes Steinhart,
Ärztekammer-Vizepräsident
„Wahlärztinnen und Wahlärzte sind eine wesentliche Stütze unseres Gesundheitssystems – sie abzuschaffen, würde die Versorgung in manchen Gebieten zusammenbrechen lassen. Junge Ärztinnen und Ärzte wollen neue Formen der Zusammenarbeit, sie wollen Familie und Beruf unter einen Hut bringen und sie wollen die bestmögliche Versorgung für ihre Patientinnen und Patienten statt Limitierungen und neun verschiedene Leistungskataloge, die die Behandlungsmöglichkeiten vom Meldezettel abhängig machen. Die Ärztekammern haben fix-fertige Lösungskonzepte zur Attraktivierung der Kassenstellen und einen einheitlichen Leistungskatalog erarbeitet, die ,Österreichische Gesundheitskasse‘ muss aber nun endlich mit uns an den Verhandlungstisch kommen und Taten setzen. In jedem Bundesland wurde unter verantwortungsvoller Mitwirkung der Ärztekammern ein Stellenplan ausgearbeitet, der auf eine Vollversorgung ausgelegt ist – gemeinsam mit den Kassen. Die Ärztekammern unternehmen alles in ihrer Macht Stehende, um eine Vollbesetzung der Kassenstellen zu ermöglichen, seitens der ÖGK wird das aber durch Deckelungen und erhöhte Bürokratie immer wieder hintertrieben.“
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