Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 16/2022 vom 19.04.2022, Fotos: SPÖ, Wilke
Artikel-Bild
Keine Gas-Heizungen mehr in Neubauten?
In Deutschland ist das Verbot für Gasheizungen in Neubauten schon beschlossene Sache. In Wien gilt das in bestimmten Gebieten der Stadt. Und auch im türkis-grünen Regierungsprogramm ist festgelegt, dass ab dem Jahr 2025 keine Gasheizungen im Neubau mehr genehmigt werden sollen. Der SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr ist das allerdings zu spät. Im vergangenen Jahr wurden fast 50.000 Gaskessel installiert, rund die Hälfte in Neubauten.
JA:
Julia Herr,
SPÖ-Umweltsprecherin
„80 Prozent der Gasimporte Österreichs kommen aus Russland und sind mit großer Unsicherheit verbunden. Aus Europa und Österreich fließen Milliarden an Russland.
Zusätzlich ist Gas schlecht für unsere Umwelt. Mit jeder neuen Gasheizung steigt der CO2-Ausstoß und heizt unseren Planeten weiter auf. Wir müssen uns aus der Abhängigkeit von Gas befreien, wenn wir unseren Kindern einen lebenswerten Planeten hinterlassen wollen. Auch Grünes Gas ist keine Lösung. Es ist zu teuer. Nur die Industrie ist beim Klimaschutz auf Grünes Gas angewiesen. Beim Heizen der Wohnung gibt es bessere Alternativen, zum Beispiel Luftwärmepumpen. Gasheizungen haben keine Zukunft mehr. Doch die Regierung bleibt untätig. Dabei sind rasche und klare gesetzliche Vorgaben wichtig: Neue Bauprojekte haben lange Vorlaufzeiten, hohe Investitionskosten und die Baubranche braucht klare Rahmenbedingungen. Ein bundesweiter Beschluss für das Ende von Gasheizungen in Neubauten ist dringend nötig. Die Stadt Wien hat hier schon erste Schritte gesetzt, auf Bundesebene fehlen jedoch entsprechende Vorgaben. Deswegen habe ich einen Antrag dazu im Nationalrat eingebracht.“

NEIN:
Michael Mock,
Fachverband Gas Wärme
„Wer die Klimaziele ernstnimmt, wird an erneuerbarem Grünen Gas nicht vorbeikommen. Alleine unser Potenzial an heimischem Biogas beträgt etwa vier Milliarden Kubikmeter pro Jahr, also ein Vielfaches des Gasverbrauches aller Gashaushalte. Gereinigtes Biogas heißt Biomethan und ist physikalisch mit Erdgas ident – nur besser, da zu 100 Prozent erneuerbar. Es kann wie Erdgas im bestehenden Gasnetz transportiert und in Gasspeichern eingelagert werden. Alle Gasgeräte können damit problemlos betrieben werden. Das gilt natürlich auch für eine Million Gasheizungen, die es derzeit in Österreich gibt. Ein teurer Tausch des Heizsystems, der pro Haushalt schnell mehrere zehntausend Euros kostet, und unangemessene Gasheizungsverbote sind also völlig überflüssig. Und die Menschen haben nach wie vor die freie Wahl, für welche Heizung sie sich entscheiden wollen. Das ist nicht nur der einfachste und kostengünstigste, sondern auch der schnellste Weg, um die Klimaziele in der Raumwärme zu erreichen. So werden Gashaushalte auch von russischen Gasimporten unabhängig, da Biomethan bei uns hergestellt wird. Bereits 200 bis 300 Biogasanlagen würden für eine Versorgung aller Gashaushalte ausreichen.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung