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Ausgabe Nr. 52/2021 vom 28.12.2021, Fotos: Wiener Tierschutzverein, Rudolf Jost
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Madeleine Petrovic, Rudolf Jost
Private Silvester-Knallerei ganz verbieten?
In Deutschland gibt es auch heuer wieder ein Verkaufsverbot für Silvester-Raketen. Bei uns war bis Redaktionsschluss davon keine Rede. Immer mehr Supermärkte verzichten aber auf den Verkauf von Feuerwerkskörpern. Und in vielen Städten und Gemeinden ist die Knallerei zum Jahreswechsel ohnehin nicht erlaubt. Tierschützer wünschen sich jedoch ein völliges Verbot des mitternächtlichen Feuerwerkes. Sehr zum Unmut des Pyrotechnik-Handels.
JA:
Madeleine Petrovic,
„Tierschutz Austria“-Präsidentin
„In Zeiten des Klimawandels und massiven Artensterbens ist das private Silvesterfeuerwerk nicht mehr zeitgemäß. Der nur wenige Minuten andauernde Spaß schadet jährlich aufs Neue Mensch, Tier und Umwelt. Aufgescheuchte und vom Feuerwerk desorientierte Wildtiere verletzen sich in ihrer Panik leicht. Tiere, die zuhause, auf einer eingezäunten Weide oder, wie bei uns, im Tierheim gehalten werden, können der Situation nicht entkommen und stehen unter enormem Stress. Langfristig setzen wir uns daher für das Verbot des privaten Feuerwerks und eine Überarbeitung des Pyrotechnikgesetzes ein. Um den Rufen nach Tradition nachzukommen, wäre ein professionelles Feuerwerk nur zu speziellen Anlässen wie Silvester oder anderen Jubiläen, durchgeführt von Fachleuten an einem passenden Platz fern von Orten, wo sich empfindsame Lebewesen aufhalten, ein sinnvoller Kompromiss. Bis dahin müssen wir darauf schauen, dass geltende Gesetze eingehalten und durchgesetzt werden. Illegal eingeführte Feuerwerkskörper oder das Zünden dieser in der Nähe geschützter Gebiete ist kein Kavaliersdelikt. Die Polizei, die ohnehin schon zu Silvester stark belastet ist, braucht dazu auch die notwendige politische Unterstützung.“

NEIN:
Rudolf Jost,
Branchensprecher Pyrotechnikhandel
„Nach zwei Jahren Pandemie sollte das Brauchtum von Feuerwerken weiterhin möglich sein, um den Menschen Freude zu bereiten. Es gibt keinen Grund, auf Feuerwerke zu verzichten, denn die Verletzungen, die zu Silvester passieren, kommen durch illegale Feuerwerkskörper und falsche Verwendung zustande. Laut einer aktuellen Studienanalyse verursachen Feuerwerke lediglich 0,28 Prozent des Feinstaubes in Österreich, er ist jedoch wasserlöslich und weit weniger schädlich als Feinstaub aus anderen Quellen. Außerdem verursachen Feuerwerke nur 0,0001 Prozent der CO2-Gesamtemissionen. Es geht der Branche nicht um Knallerei, sondern um schöne und farbenfrohe Feuerwerke. Sie sind zudem alle auf eine Lautstärke von 120 Dezibel bei acht Meter Entfernung lärmreduziert, auch um die Tiere zu schützen. Ein Verbot steht generell nicht zur Diskussion, da dies den Kauf von illegalen Feuerwerksartikeln ohne CE-Kennzeichnung fördert. Extrem gefährliche Böller würden den Markt schwemmen. Dadurch würden wir nicht nur der Wirtschaft schaden, sondern auch den illegalen Kauf von Feuerwerkskörpern und Böllern im Ausland oder im Internet fördern.“
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