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Ausgabe Nr. 45/2021 vom 09.11.2021, Foto: Siam Pukkato/stock.adobe.com
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Die richtige Nachbehandlung lässt OP-Wunden fast unsichtbar verheilen.
Blasser „Strich“ statt dicker Narbe
Nach einer Operation besteht die Sorge, dass eine dicke, gerötete Narbe für immer an den Eingriff erinnert. Damit aus einem Hautschnitt kein unschöner, narbiger Hautwulst wird, kann vor und nach dem Eingriff die optimale Wundheilung unterstützt werden.
Niemand wünscht sich unschöne, wulstige, gerötete Narben, denn sie können ziehen und schmerzen, sie sind entstellend und belasten die Psyche.
Patienten vor Operationen mit größeren Hautschnitten machen sich hierzu oft Sorgen, weiß Doz. Dr. Johannes Matiasek, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie in Wien und Schladming (Stmk., Tel. 01/9971532, www.drmatiasek.at). „Grundsätzlich ist eine Narbe das Zeichen einer abgeschlossenen Wundheilung. Doch die Narbe kann durch ihr Aussehen zu einer starken Belastung werden. Der Druck auf die Psyche ist groß, wenn die Narben an Stellen verlaufen, die gut sichtbar sind.“
Jede Verletzung der Haut, bei der das kollagene Netzwerk der Haut zerstört wird, heilt der Körper durch Narbenbildung. Das ursprüngliche Gewebe der Haut kann dabei nicht wiederhergestellt werden. Die Narbe ist ein Ersatz, der nicht die Gewebeeigenschaften einer intakten Haut besitzt. „Jeder Mensch hat genetische Faktoren, die bis zu einem bestimmten Grad bestimmen, ob Narben flach und fast unsichtbar werden, ob sie gerötet oder erhaben bleiben oder sogar über die Wunde hinauswuchern. Einen größeren Einfluss darauf haben Arzt und Patient“, betont der Facharzt für Plastische Chirurgie.

Gefährliche Hautkeime abtöten
Tiefe Hautverletzungen sowie Hautschnitte, die bei Operationen notwendig sind, erinnern später im besten Fall als weiche, fast unsichtbare Narben an den Unfall oder Eingriff. Voraussetzung dafür ist eine gute Wundheilung. Der Arzt unterstützt dies durch moderne und schonende Operations- und Nahttechniken, der Patient durch eine entsprechende Vor- und Nachsorge in der Hautpflege.
„Wundheilungsstörungen sind ein großes Risiko für unschöne Narben. Keime, die eine Wundheilungsstörung auslösen, bringt der Patient oft schon ins Spital mit. Sie sitzen in der Nase und können von dort auf den Körper verteilt werden. Patienten sollten daher vor einer Operation Waschlotionen und Nasengels anwenden, die Octenidin enthalten. Sie verringern damit die gefährlichen Hautkeime wirkungsvoll. Ein Blutbild über den körpereigenen Mineralhaushalt zeigt weiters an, ob es Mängel gibt in der Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen.
Sie können rechtzeitig ausgeglichen werden. Und Patienten, die rauchen, sollten den Nikotinkonsum ein paar Wochen vor der Operation einschränken oder am besten einstellen. Nikotin verengt die Blutgefäße, was eine optimale Wundheilung verhindert.“

Die Entzündung im Zaum halten
Eine gut verlaufende Wundheilung ist nicht nur für die Ästhetik wichtig. „Speziell bei Implantaten wie in der Brust, in der Orthopädie oder bei Herzschrittmachern gilt es, das Risiko bis aufs Äußerste zu minimieren. Dringt eine Entzündung in die Tiefe ein, muss im schlimmsten Fall das Implantat entfernt werden, was eine lange und oft auch schmerzhafte Prozedur ist“, warnt Dr. Matiasek.
Das Abtöten von Hautkeimen, die der Wundheilung gefährlich werden können, sollte daher nach der Operation fortgeführt werden. „Erfahrene Chirurgen geben auch unmittelbar nach der Operation Octenidin-haltiges Gel auf die Wunde. Gemeinsam mit einem Forschungsteam von der MedUni Wien habe ich die mikrobiologischen Auswirkungen eines Octenidin-haltigen Gels bei Bauchdeckenstraffungen untersucht und besonders positive Ergebnisse nachgewiesen, da die Entzündungsphase stark verringert wurde. Nach der Abheilung blieb von den Narben lediglich ein blasser, feiner Strich, der kaum zu erkennen ist.“

Das können Sie tun, damit Ihre Narbe später kaum zu sehen ist
  • Tragen Sie in den ersten zwei Wochen nach der Operation ein Octenidin-basiertes Wundgel auf.
  • Lassen Sie den Verband nur durch einen Arzt wechseln.
  • Kein Wasser auf die Wunde lassen. Aufgeweichte Narben heilen schlecht. Duschpflaster bringen keine absolute Sicherheit.
  • Nach zwei Wochen beginnen Sie, die Narben mit zwei Fingern zu kneten und zu massieren (Kreisungen mit den Fingerkuppen, leichte Dehnungen, ein sanftes Ausstreichen). Zunächst mit leichtem Druck am Rand der Narbe massieren, danach quer über die Narbe. Ein Massage-Roller ist ein gutes Hilfsmittel.
  • Narbengels auf Silikonbasis können den Umbauprozess der Narbe beschleunigen.
  • Bis zu einem Jahr nach der Operation direkte Sonne auf die Narbe meiden. Sonnenschutz 50 auftragen.
Die verschiedenen Narben-Typen
  • Atrophe Narben – Sie können sich beispielsweise im Gesicht nach starker Akne bilden. Eine Behandlung mit eigenem Blutplasma (als Injektion) lindert ihre Ausprägung.
  • Keloid – Wuchert über das Wundareal hinaus, über die umliegende Haut. Kortisoninjektionen flachen die Narbe ab. In schweren Fällen wird sie operativ entfernt und neu vernäht.
  • Narbenkontrakturen – Das Narbengewebe zieht sich zusammen; bei Gelenken kann es zu Bewegungseinschränkungen kommen. Narbe wird operativ entfernt, vernäht und bestrahlt.
  • Hypertrophe Narben – Erhabener Narbenwulst. Kortisonspritzen flachen ihn ab.
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