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Ausgabe Nr. 41/2021 vom 12.10.2021, Fotos: Christoph Koestlin, zVg
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Der deutsche Sänger und Texter Clueso, 40, brachte eine neue Stimmung auf sein Album.
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Mit dabei auf dem neuen Album ist Cluesos Kollege Andreas Bourani.

Er lebt derzeit in der Nähe von Nizza (Frankreich) und singt auf „Willkommen zurück“ mit.
Endlich geht es in der Liebe gut aus
Wir haben zwar schon Herbst aber in unseren Herzen soll noch der Sommer seine Leichtigkeit und Fröhlichkeit versprühen. Der deutsche Hip-Hop-Sänger Clueso, bürgerlich Thomas Hübner, möchte dieses Gefühl mit seinem neuen Werk, das er einfach nur „ALBUM“ genannt hat, unterstützen. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit dem 40jährigen darüber gesprochen.
Ihre vorherige Platte „Handgepäck I“ war eine reduzierte, akustische und ziemlich leise Angelegenheit. Jetzt reihen Sie auf „ALBUM“ einen flotten, tanzbaren Sommerhit an den nächs­ten. Was steckt hinter diesem deutlichen stilistischen Umschwung?
Durch die Pandemie haben wir extreme Sehnsucht nach Energie, nach dem Unterwegssein, nach Leben überhaupt. Auch mir ging es so. Ich wollte, dass es groovt. So wie jetzt habe ich Clueso selbst noch nie gehört. Das ist das eindeutig sommerlichste Album, das ich je gemacht habe. Und obwohl ich in Wien, Hamburg (D) und Berlin (D) mit unterschiedlichen Produzenten gearbeitet habe, finde ich, dass sich alles homogen anhört. Ein „ALBUM“ wie aus einem Guss.
Konnten Sie Ihre Sehnsucht nach Energie bereits stillen?
Ich wage mich langsam aus der Deckung. Im Sommer haben wir einige Konzerte gespielt, die total super waren. Die Menschen sind noch ein bisschen eigenartig drauf, vielleicht ein wenig befangener als sonst. So richtig trauen sie sich noch nicht wieder, andere in den Arm zu nehmen, aber das wird schon wieder.
Holen Sie jetzt nach, was eineinhalb Jahre nicht möglich war?
Nicht bewusst, aber intuitiv schon. Auch privat zie­he ich langsam wieder los. Kürzlich war ich auf dem Geburtstagsfest eines befreundeten Discjockeys – bis um sechs Uhr in der Früh. Ich war extrem glücklich und dachte nur, „Puh, was war das schön. Noch viel schöner als früher“. Ach, es ist schon großartig, endlich wieder von den Drinks anderer Leute naschen zu können. Ich habe sogar den Schmerz des nächsten Tages genossen, als ich voll im Arsch war, einfach, weil das ewig nicht mehr vorgekommen ist.
Was trinken Sie auf derartigen Festen?
Überhaupt kein Bier. Äußerst gern Rotwein. Manchmal nippe ich am Whiskey. Aber am liebsten mag ich einen gepflegten Boulevardier. Das ist ein Oldschool-Drink, ähnlich wie ein Negroni, mit Wermut, Whiskey, Campari und Orangenschale, herrlich herb und süffig.
Gibt es den Boulevardier auch an der Bar des „Hotel California“? In dem Lied erzählen Sie von geplatzten Träumen, von flirrender Hitze – und von harten Drogen.
Im „Hotel California“ gibt es alles, was das Herz begehrt. Allerdings viel Leere. Das Lied ist inspiriert durch meine Beobachtungen in zwanzig Jahren Showgeschäft. Ich verurteile das nicht, aber was da an Selbstzerstörung zu sehen ist, macht mich nachdenklich. Vor allem im Hip-Hop wird extrem viel konsumiert. Auch mir ist schon alles angeboten worden, doch zum Glück brauchte ich das nie. Es gibt Künstler, die gehen nur ins Studio, wenn sie etwas genommen haben. Ich frage mich, wie das in den nächs­ten Jahren sein wird, wie alt manche Kollegen wohl werden und wie weich sie dann in der Birne sind.
Also sollten wir lieber nicht in diesem „Hotel California“ absteigen?
Das „Hotel California“ ist die Endstation. Du checkst einmal ein und nie mehr aus.
Die einzige Ballade auf „ALBUM“ heißt „Alles zu seiner Zeit“ …
Gerade, weil es nur eine Ballade gibt, sticht sie besonders heraus. Ich finde die Stimmung des Liedes wunderbar, und das Thema ist für mich spannend und ungewohnt. Wer sich meine Lieder anhört, stellt fest, dass es bisher kein Liebeslied gibt, das gut ausgeht. In „Alles zu seiner Zeit“ taucht dieses Gefühl, es könnte wirklich passen, zum ersten Mal bei mir auf.
Warum erst jetzt?
Das wird wohl seinen Grund haben (lacht). Bei mir hat es halt in der Liebe ein bisschen länger gedauert. Daher eben „Alles zu seiner Zeit“. Doch im Moment komme ich viel lieber an, als dass ich weggehe.
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