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Ausgabe Nr. 39/2021 vom 28.09.2021, Foto: Ritter KG
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Zu Besuch im traditionellen Uhren- und Schmuckgeschäft der Familie Ritter in Vorarlberg.
Geschäfte mit Geschichte Teil 2 – Mit der Zeit gegangen
Die Zeit spielt im Unternehmen der Familie Ritter in Feldkirch in Vorarlberg eine wichtige Rolle. Denn sie verkauft und repariert Uhren. Auch das Hobby des heutigen Chefs dreht sich mit den Zeigern. Daneben wird das Aussehen der Kunden mit Schmuck veredelt.
Bei Armbanduhren gibt es einen Trend hin zur Schlichtheit. Natürlich haben digitale Zeitmesser ihren Platz am Uhrenmarkt, doch Zeiger sind bei schönen Uhren gefragt“, weiß Gerhard Ritter, der in vierter Generation das familieneigene Juweliergeschäft in Feldkirch in Vorarlberg führt. Wobei sich das Unternehmen vom reinen Uhrenverkauf hin zum Händler für feinen Schmuck und Uhren gewandelt hat.
Der 58jährige Vorarlberger lässt sich freilich seine Vorliebe für antike Uhren nicht nehmen. Liebevoll hegt und pflegt er sie, repariert und setzt sie wieder instand. Sein Schmuckstück ist eine Turmuhr aus dem Frankreich des 19. Jahrhunderts. „Ich habe die Uhr in einem erbärmlichen, stark rostigen Zustand auf einer Antikbörse erworben und mit viel Liebe und Geduld zu neuem Leben erweckt. Ich kaufe nur Uhren, die im schlechten Zustand sind, die Restauration der alten Werke macht mir Freude und wenn so ein ehemaliger ,Rosthaufen‘ nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder tickt und sich die Räder drehen, ist das ein schönes Erlebnis.“

Die Präzision der Meisterwerke aus dem 16. Jahrhundert ist beeindruckend
Für den einst jüngsten Uhrmachermeister unseres Landes besteht die Faszination vor allem darin, mit welch einfachen Mitteln frühere Generationen derartige Meisterwerke hergestellt haben. „Dabei wurde eine unglaubliche Präzision an den Tag gelegt, sodass die Uhren Jahrhunderte später noch funktionieren. Ich besitze mehrere Turmuhrwerke, die im 16. und 17. Jarhundert von Hand aus glühendem Eisen geschmiedet wurden. Insgesamt umfasst meine Sammlung 20 derartige Exemplare.“
Dann, im 19. Jahrhundert, genau im Jahr 1866, hat Ritters Urgroßvater an der Schmiedgasse in Feldkirch seine Uhrmacher-Werkstatt gegründet. Nachdem er sich in den ersten Jahren seines Schaffens ausschließlich mit der Reparatur von Uhren befasste, entdeckte er bald auch seine Leidenschaft für Schmuck und erweiterte daher das Geschäft mit dessen Handel.

Nach seinem Tod im Jahr 1903 führte seine Frau Emilie das Geschäft weiter, bis später ihr Sohn Eugen und dessen Frau Klementine die Geschicke des Unternehmens übernahmen. „Meine Oma Klementine hatte es in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg besonders schwer“, weiß Geschäftsführer Gerhard Ritter. „Ihr Mann und beide Söhne waren in Kriegsgefangenschaft und das Haus war von französischen Soldaten besetzt. Aber auch Geldentwertungen und schwere Wirtschaftskrisen machten das Leben schwer. Das waren für meine Vorfahren harte Zeiten. Im Vergleich dazu ist die heutige Situation mit dem Corona-Virus relativ harmlos“, meint der 58jährige, der vor Jahren als ältester Sohn mit Hilfe seiner Frau Sabine die Führung des Familienbetriebes übernommen hat und stolz darauf ist, dass bereits die fünfte Generation mitarbeitet. Sein Sohn Christoph hat 2012 die Meisterprüfung der Uhrmacher abgelegt und leitet heute die Werkstatt. Sohn Tobias kümmert sich um den Verkauf. Die Zukunft der Ritters scheint also gesichert, wobei nicht nur die Familie zum Wohl des Unternehmens tätig ist. Seit jeher wird ebenso großer Wert auf die Ausbildung von Lehrlingen gelegt.
„Dutzende junge Menschen haben bei uns schon ihr Handwerk erlernt“, sagt Gerhard Ritter. Er ist optimistisch, dass dies weiterhin so bleibt, von einer Lehrlingskrise will er nicht sprechen. „Vielmehr glaube ich, mit etwas Geduld und Menschenkenntnis junge Leute finden zu können, die viel Freude an unserem Beruf und am Umgang mit den schönen Dingen, mit denen wir uns tagtäglich befassen, haben.“

Mit dem Fingerabdruck des Partners im Ehering
Schließlich wird Schmuck immer gern gekauft und natürlich getragen. Wenn sich zwei „Ja-Sager“ beglücken wollen, steht ihnen bei Familie Ritter etwa ein Sortiment aus rund 300 Ringen zur Auswahl. „Eine persönliche Widmung darf dann nicht fehlen. Gerne lassen sich die Brautpaare gegenseitig ihre Vornamen und das Hochzeitsdatum in die Ringe eingravieren. Ein Trend ist derzeit, den Fingerabdruck des Partners auf oder im Ring mittels einer Hand- oder Lasergravur zu verewigen“, sagt Ritter. Da dürfen die guten Stücke durchaus etwas kosten. Der Durchschnittspreis bei Gold-Eheringen liegt bei etwa 2.500 Euro für das Paar.

Schmuck kommt nie aus der Mode, weiß der Firmenchef. „Viele unserer Kunden, die auch aus der benachbarten Schweiz und aus Liechtenstein kommen, sind trotz der derzeitigen Krise äußerst spendabel, was die Anschaffung von Schmuck betrifft. Mussten sie doch in den vergangenen zwei Jahren auf viele schöne und auch kostspielige Vergnügungen wie Urlaube oder Gasthausbesuche verzichten. Das ersparte Geld wird in nachhaltige Dinge, wie eben Schmuck oder eine schöne Uhr investiert.“
Edle Metalle sind begehrt, wer noch das Tüpfelchen aufs i geben möchte und über das nötige Kleingeld verfügt, lässt sich noch einen kleinen Brillant einfassen.
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