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Ausgabe Nr. 35/2021 vom 31.08.2021, Foto: stock.adobe.com
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Barbians schiefer Kirchturm – das Aushängeschild des Dorfes – ist auf unstabiles Erdreich zurückzuführen.
Der schiefe Turm von Barbian
Das auffälligste Bauwerk der Südtiroler Gemeinde Barbian ist der schiefe Kirchturm. Neben der schrägen Baukunst glänzt der Ort auch mit einer süßen Frucht. In Barbian wachsen jede Menge Zwetschkenbäume. Das Obst ist eine Zutat für einige Speisen, die während der Zwetschkenwochen von 4. bis 19. September verkostet werden können.
Der schiefe Turm von Pisa machte die gleichnamige italienische Stadt weltberühmt. Urlauber zieht es in Scharen dorthin, um das schräge Gebäude aus nächster Nähe zu sehen. Dabei ist das Bauwerk nicht das einzige, das in Italien in Schieflage geriet.

In dem kleinen Südtiroler Dorf Barbian im Eisacktal kann der Kirchturm durchaus mithalten. Seine schiefe Optik lässt sich nicht kaschieren. Auf einer Höhe von 37 Metern ist er 1,5 Meter aus dem Lot – und das bereits seit mehreren Jahrhunderten. Bereits beim Bau der Kirche wies der Turm eine starke Neigung auf. Sie wurde aber nicht mehr korrigiert. „Die dem heiligen Apostel und Pilgerpatron Jakobus geweihte Kirche von Barbian wurde im 13. Jahrhundert gebaut. Von jenem Bau ist uns aber nur der schiefe Glockenturm erhalten geblieben“, erzählt Margareth Rabanser vom Infobüro Barbian.

Die Schieflage des Glockenturmes ist darauf zurückzuführen, dass die talseitige Hälfte des Turmfundamentes auf einem instabilen Erdreich der Mittelgebirgsterrasse liegt. Die andere Hälfte des Turmfundamentes liegt auf stabilem Quarzphyllit-Felsen. „Mit einem felsmechanischen Eingriff in den achtziger Jahren wurde die Festigkeit des Glockenturmes gesichert“, sagt Rabanser.

Heute ist der Kirchturm das Aushängeschild des Dorfes. Doch im September reisen Besucher nicht nur deswegen an. Jedes Jahr wird zu den „Barbianer Zwetschkenwochen“ geladen. Acht Betriebe kredenzen vom 4. bis 19. September kulinarische Köstlichkeiten rund um das süße Obst. Die Verwendung der Frucht kennt keine Grenzen. „Zwetschkenkrapfen, Zwetschkenstrudel, Zwetschkenriebler und Zwetschkenbrot werden aufgetischt“, erzählt die Südtirolerin.

Wer die Speisen zuhause nachkochen will, kann sich ein Rezeptheft mitnehmen. Darin verraten die Barbianer fast all ihre Kochgeheimnisse. So kommt in den Kaiserschmarren ein Schluckerl Zwetschkenschnaps. Der hochprozentige Genuss wird ebenfalls in der Gemeinde hergestellt.

Die Tradition des Schnapsbrennens wird in Barbian in der alten Schnapsbrennerei beim Unteraichnerhof praktiziert. Dort können die Besucher das Destillat auch kaufen.

In Barbian wird hauptsächlich die „Barbianer Zwetschke“ angebaut. Auf dem vier Kilometer langen Zwetschkenweg können Besucher zwischen den alten Bäumen flanieren. Während der Zwetschkenwochen werden auch geführte Wanderungen angeboten, aber die Gäste können jederzeit alleine dem Pfad folgen. Unterwegs gibt es Schautafeln, die wissenswerte Fakten über die Frucht liefern. „Die Zwetschke wurde in Barbian bereits im Mittelalter angepflanzt“, informiert Rabanser.

Ein weiterer Rundweg, den Gäste nicht versäumen sollten, ist jener zu den Barbianer Wasserfällen. Vom Dorfzentrum gelangen die Besucher in einer halben Stunde zum unteren Wasserfall. Der Ganderbach stürzt hier 85 Meter in die Tiefe. Zum oberen Wasserfall, der eine Fallhöhe von 45 Metern aufweist, führt ein Steig, trittsichere Wanderer brauchen etwa 40 Minuten hinauf.

Nahe dieses Naturschauspieles befindet sich Bad Dreikirchen. Dabei handelt es sich um einen Weiler mit drei kleinen Kirchen, die mit einem hölzernen Schindeldach verbunden sind. Sie wurden auf einer Waldlichtung errichtet. An jener Stelle entsprang einst eine Quelle, der eine heilkräftige Wirkung zugeschrieben wurde.

Ein Blick ins Innere der Kirchen lohnt sich. Die gotischen Flügelaltäre und die Fresken sind sehenswert. Den Schlüssel gibt es beim Gasthaus Messner nebenan. Ein beeindruckendes historisches Gebäude ist auch die nahegelegene Trostburg bei Waidbruck im Eisacktal. Sie war lange Zeit im Besitz der Herren von Wolkenstein. Die letzten Grafen der Trostburg sind aber vor mehr als vierzig Jahren weggezogen.

Die letzte Bewohnerin der Burg ist Terese Gröber, die sich um das Gebäude kümmert. „Sie ist die Seele der Trostburg und wird es immer bleiben. Wir sind ihr dankbar für die vielen Jahre, die sie bisher mit Liebe auf der Trostburg gelebt hat“, sagt Rabanser. Heute ist die Burg Sitz des Südtiroler Burgeninstitutes und kann besichtigt werden. Zu sehen sind ein prunkvoller Rittersaal, die Burgkapelle und eine der größten Weinpressen Südtirols. Eine Dauerausstellung vermittelt zudem einen Überblick über weitere Burgen in Südtirol. Das wird mithilfe von 86 maßstabsgetreuen Modellen veranschaulicht.

Die Trostburg ist nur zu Fuß zu erreichen. Das Auto müssen die Besucher auf einem Parkplatz in Waidbruck stehen lassen. Von dort führt ein Pflasterweg in fünfzehn Minuten hinauf zur Festung.

Urlaub im Zwetschkendorf
Zwetschkenwochen: 4. bis 19. September,
Informationen im Infobüro Barbian unter Tel.: 0039 0471 654 411, www.barbian.it
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