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Ausgabe Nr. 28/2021 vom 13.07.2021, Foto: Emily Shur / AUGUST / picturedesk.com
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In „Physical“ trainiert sie ihre Wut weg. In „Peter Hase 2“ unterhält sie die ganze Familie. Schauspielerin Rose Byrne.
„In meiner Brust schlagen zwei Herzen“
Sie kann es ernst, hat es aber genauso gern komisch. Im Grunde ist sie für jeden Blödsinn zu haben. Die Schauspielerin Rose Byrne, 41, ist derzeit im Kino in „Peter Hase 2 – Ein Hase macht sich vom Acker“ als Tierfreundin zu erleben. In der bitterbösen Serie „Physical“, zu sehen auf Apple TV, strampelt sie sich im Aerobic-Kostüm ihren Ehefrust von der Seele.
Mit einer ernsthaften Rolle wurde sie berühmt. Als ehrgeizige Anwältin brillierte sie an der Seite der „Oscar“-Preisträgerin Glenn Close, 74, in der Fernsehserie „Damages – Im Netz der Macht“ (2007). Ihren Durchbruch auf der Kinoleinwand feierte Rose Byrne im lustigen Fach. In „Brautalarm“ (2013) spielte sie eine zickige Brautjungfer, in der an Wortwitz reichen Komödie „Prakti.com“ (2013) ließ sie sich als Chefin einer Internet-Firma von Owen Wilson becircen.
„In meiner Brust schlagen zwei Herzen, eines, das für die Gleichstellung der Frauen kämpft, und ein zweites, das einfach für jeden Blödsinn zu haben ist“, sagt Rose Byrne, derzeit in „Peter Hase 2 – Ein Hase macht sich vom Acker“ im Kino zu sehen. Die 41jährige spielt im zweiten Teil des Familienfilmes erneut die Tierfreundin „Bea“. „Mit einer großen Leidenschaft“, wie die Schauspielerin sagt.

Hatte als Kind selber einen "sanftmütigen Hasen"
Zumal sie sich noch immer gerne an ihren „sanftmütigen Hasen“ erinnert, den sie als Kind hatte. Geboren am 24. Juli 1979, wuchs die Australierin als Jüngste mit zwei Schwestern und einem Bruder in Balmain, einem Vorort von Sydney auf. Bereits mit acht Jahren nahm die Tochter einer Lehrerin und eines Marktforschers Schauspielunterricht. Als Teenager wurde sie für das Fernsehen entdeckt, mit 19 übersiedelte sie nach Los Angeles (USA). Im Jahr 2004 war sie im Erfolgsfilm „Troja“ als Geliebte von Brad Pitt zu sehen. „Das war mein erster kleiner Durchbruch, ich konnte es damals kaum fassen“, meint sie und gesteht gleichzeitig, damals wie heute an Selbstzweifeln zu leiden. „Wenn es ganz schlimm ist, rufe ich meine Eltern oder eines meiner Geschwister an. Sagt dann einer von ihnen zu mir, ‚Mensch, Mädel, du packst das‘, dann geht es mir gleich viel besser“, erzählt Byrne, die seit 2012 mit dem Schauspieler Bobby Cannavale liiert ist. Die beiden haben zwei Buben, Rocco, 5, und den dreijährigen Rafa. „Sobald du Kinder hast, siehst du die Welt mit anderen Augen. Der geheimnisvolle Zauber, den wir in der Jugend gespürt haben, löst sich langsam auf.

Doch die kleinen Wesen haben mir geholfen, den Zauber zurückzuerobern“, schwärmt die 41jährige, der das Muttersein anfangs zu schaffen machte. „Als mein Erster zur Welt kam, tat ich mir schwer. Es hat ewig gedauert, bis wir endlich bereit waren, das Haus zu verlassen. Ich brauchte manchmal mehr als eine Stunde, bis wir fertig waren. Dann war ich extrem erschöpft.“ Mittlerweile hat sie Routine erlangt. „Bobby ist ein großartiger Vater. Er hat schon einen erwachsenen Sohn aus einer früheren Beziehung, daher kennt er sich bestens aus. Wir sind ein Beispiel für einen Haushalt, in dem beide Elternteile arbeiten gehen. Aber ich habe auch großen Respekt vor Müttern, die zu Hause bleiben. Das ist harte Arbeit“, stellt Byrne, die mit ihrer Familie in New York (USA) lebt, klar.

Weniger gleichberechtigt ist ihre Rolle als Ehefrau und Mutter, die sie in „Physical“ verkörpert. In der neuen Apple-TV-Serie, die Anfang der 1980er Jahre spielt, hält Rose Byrne als „Sheila“ nach außen die Fassade der Kleinfamilie aufrecht. Innerlich hat sie mit ihrem Mann, der sich zu einem arroganten Widerling entwickelt hat und als Politiker Karriere machen möchte, längst abgeschlossen. In Aerobic, der Sportart, die einzig und allein für Frauen da ist, findet „Sheila“ ihre Erlösung. Sie lässt beim Training ihre Wut und ihren Frust aus und produziert ein Aerobic-Video, auf das sich die gelangweilten Hausfrauen stürzen.

"Die Frauen tanzten wie verrückt zu Aerobic-Videos"
„Die Serie hat mich an meine Kindheit in Australien erinnert. Viele Hausfrauen sind damals einem Fitness- und Schlankheitswahn verfallen. Sie haben begonnen, wie verrückt zu den Aerobic-Videos von Jane Fonda, heute 83, vor dem Fernseher zu turnen“, sagt Byrne. So gesehen sei Aerobic tatsächlich ein „kleiner Hüpfer der Emanzipation“ gewesen.
„Die frustrierte Frau und Mutter ,Sheila‘ beweist zum einen schwarzen Humor, zum anderen eine traurige Zerrissenheit. Die erfasst sie, wenn sie anfängt, über ihr Leben nachzudenken“, ist Rose Byrne froh, in ihrer neuen Rolle all ihre schauspielerischen Facetten zeigen zu können.

Die erfolgreichen Aerobic-Video-Kassetten von früher sieht die 41jährige klar als einen Vorläufer der sozialen Medien von heute. „Nicht nur die Schauspielerin Jane Fonda ist mit ihren Aerobic-Videos berühmt geworden. Auch Jenny Craig, mittlerweile 88, war damals eine der ersten, die aus dem Nichts heraus ein Aerobic-, Diät- und Kosmetik-Imperium aufbaute. Was früher die Video-Kassetten waren, sind heute die Sozialen Medien im Internet“, sagt Rose Byrne. Jedenfalls sei die Serie bei aller Ernsthaftigkeit um Ehefrust und Ehedrama komisch. Was daran liegt, dass „Sheila“ eine gehörige Portion an schwarzem Humor besitzt und mit feiner Ironie ihr Schicksal meistert.
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