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Ausgabe Nr. 22/2021 vom 01.06.2021, Foto: Krakenimages.com - stock.adobe.com
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Auch wenn das Ablaufdatum nicht erreicht ist, alte Sonnencreme entsorgen.
Alte Sonnencreme adé
Dieser Frühling ist kühl und arm an Sonnenstunden. An das stärker werdende UV-Licht der Mai-Sonne konnte sich unsere Haut nicht gewöhnen. Ein guter Sonnenschutz für unsere blasse Haut ist daher besonders wichtig. Der vom Vorjahr sollte es aber lieber nicht sein …
Sommer, Sonne und viel Spaß im Freien. Nach dem kühlen Mai und den Corona-Ausgangsbeschränkungen ist der „Hunger“ nach erholsamen Stunden im Freien freilich groß.
Die (Vor-)Freude aufs Sonnenbaden sollte aber eines nicht vergessen lassen, den Schutz unserer noch blassen Haut. „Vor allem jetzt im Frühsommer sollten wir besonders gut auf den ausreichenden Schutz der Haut achten“, rät Dr. Martin Inzinger, Facharzt an der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee (K). Er erinnert daran, dass sich die blasse Haut „erst wieder an die Sonne gewöhnen“ muss. Sparsamkeit ist bei Sonnencreme keine Tugend.

„Bitte greifen Sie zu höheren Lichtschutzfaktoren wie 30 oder 50. Die Creme sollte eine halbe Stunde vor dem Gang ins Freie aufgetragen werden. Besonders zu beachten ist, auf Nase, Lippen, Ohren und Hände nicht zu vergessen“, rät der Hautarzt. Besondere Vorsicht gilt auch den Kleinsten. Babys sollten in den ersten zwölf Monaten nicht direkt der Sonne ausgesetzt werden. Erst im zweiten Lebensjahr dürften Kinder ab und zu in die Sonne, so die Initiative „Sonnenschutz? – Sonnenklar!“.

Es können Ausschlag und Leberkrebs drohen
Zusätzlich rät Inzinger zu den „Drei Hs“, Hemd, Hose und Hut. „Textiler Schutz ist bei Kindern ex­trem wichtig. Studien haben gezeigt, ein erhöhtes Melanomrisiko liegt vor allem bei Menschen vor, die in der Kindheit und Jugend viele Sonnenbrände davontrugen.“
Sonnencreme bietet guten Schutz vor UV-A und UV-B-Strahlen, vorausgesetzt, sie ist in Ordnung. Ob das bei jenen aus dem Vorjahr auch der Fall ist, fragen viele und entscheiden sich meist für den Verbrauch der Sonnencremereste. Davor warnen aber französische Mikrobiologen der Sorbonne Université und Wissenschaftler der nationalen Forschungsbehörde CNRS. Der Grund, Produkte mit dem chemischen UV-Filter Octocrylen können zur Gefahr für die Haut werden.

Octrocrylen ist eine klar-gelbe Flüssigkeit und wird in Sonnenschutz auf chemischer Basis in Kombination mit anderen UV-Filtern eingesetzt. Nach einem Jahr kann aus diesem chemischen Filter durch Zersetzung das Molekül Benzophenon werden. „Kommt Benzophenon auf die Haut, kann es Ausschläge, Entzündungen oder Überempfindlichkeiten auslösen, aber auch Leberkrebs oder Lymphome. Das Molekül beeinträchtigt die Schilddrüse und die Fortpflanzungsorgane“, erklärt Didier Stein, Mitautor der französischen Studie.
Die Forscher haben ein Dutzend Sonnen- und Tages­cremes untersucht. Darunter Produkte namhafter Firmen wie Garnier, Uriage, Bioderma, la Roche Posay, Cosmi oder L’Oréal. Sie ließen den Sonnenschutz im Labor künstlich ein Jahr altern und untersuchten danach die Inhaltsstoffe. Dabei fanden sie bedenkliche Mengen Benzophenon.

„Sonnencremes dürfen diesen kritischen Stoff enthalten. Allerdings gilt dafür ein strikter Grenzwert von zehn Milligramm pro Kilo. Der war bei einigen der Sonnencremes nach dem künstlichen Alterungsprozess deutlich überschritten.“ Der Rat der Forscher, Sonnenschutzcremen ohne Octocrylen oder Benzophenon kaufen. Ältere Cremes oder Sprays mit diesen Inhaltsstoffen werden besser weggeworfen.

Die französischen Experten fordern zudem Hersteller auf, ganz auf die umstrittenen UV-Filter zu verzichten. Auch die Experten von „Öko-Test“ raten von chemischen UV-Filtern ab. Empfohlen ist, bei Sonnenschutz auf Naturkosmetik-Produkte mit mineralischen Filtern wie Titandioxid und Zinkoxid zu setzen. Während chemische Filter in die Haut eindringen, legen sich mineralische Filter schützend auf die Haut.
Als Nachteil empfinden manche Anwender, dass diese Cremen weiße Rückstände auf der Haut hinterlassen. Wer sich daran stört, sollte einen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen. Es gibt chemische Filter, die nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft keine schädlichen Nebenwirkungen haben (auf www.beyer-soehne.de). Der umwelt- und hautfreundlichste Sonnenschutz ist Bademode mit UV-Filter.
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