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Ausgabe Nr. 21/2021 vom 25.05.2021, Foto: Manfred Schusser
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Veronika Greier, 36, und Tochter Sabrina, 7, machen in der Krise am neuen „Pool“ Urlaub.
Badespaß daheim
In der Corona-Krise machen viele Menschen im eigenen Garten Urlaub. Davon profitieren Schwimmbecken-Händler. Sie können sich vor Aufträgen kaum retten. Ins Schwitzen kommen auch die Wasserversorger aufgrund der aktuellen Trockenheit und der enormen Mengen Wasser, die in die Schwimmbecken fließen.
Normalerweise reisen wir gerne nach Griechenland“, sagt Veronika Greier, 36, aus Steuerberg (K). „Wegen der Pandemie wollen wir aber in den nächsten zwei Jahren nicht auf Urlaub fliegen. Also haben wir uns ein Schwimmbecken gegönnt“, sagt die Büroangestellte. Ihre siebenjährige Tochter Sabrina genießt das kühle Nass fast täglich. Auch dank einer Wärmepumpe. „Das Wasser hat bereits 25 Grad.“ Die Anschaffung in Höhe von 35.000 Euro hat sich für Greier gelohnt. „Es ist ungewiss, wann wir wieder ganz frei verreisen können, und mit einem eigenen Schwimmbecken genießen wir unser Zuhause noch mehr.“
Damit liegt die Familie im Trend. „Pool“-Anbieter wie die Grazer (Stmk.) Firma „Ramminger Schwimmbad und Wellness“ können sich vor Anfragen kaum retten. „Wir verkaufen doppelt so viele Becken als vor der Krise“, sagt der Inhaber Markus Ramminger.

Gefragt sind kleine, billige Becken
Gefragt sind vor allem kleine, billige Modelle. „Wir bieten auch fertige Polyesterbecken an. Die kleinsten sind rund zwei Meter breit und lang und 80 Zentimeter tief. Sie können halb oder ganz im Boden versenkt werden, nachdem der Untergrund von einer Baufirma vorbereitet wurde.“ Ab etwa 15.000 Euro geht‘s los, je nach Ausstattung. „Derzeit gelten aber zwölf Wochen Lieferzeit.“
Über volle Auftragsbücher freut sich auch die Firma „Happy Pool“ in Wiener Neudorf (NÖ). „Die Branche steht seit Jahren gut da, aber durch Corona erleben wir erneut einen Aufschwung“, sagt Geschäftsführer Raimund Wurth. Angeboten werden etwa rechteckige, gemauerte Schwimmbecken. „Hier geht‘s mit Filter ab 30.000 Euro los. Je nach ‚Rundum-Wünschen‘ kommt der Kunde aber leicht auf 50.000 Euro und mehr.“ Die Nachfrage ist seit Corona um etwa ein Viertel gestiegen.

Für schmälere Geldbeutel gibt es runde und ovale Stahlwandbecken, die das Familienunternehmen in Oberösterreich produziert. „Am beliebtesten sind jene mit drei bis fünf Metern Durchmesser. Zu haben ab 2.500 Euro. Derzeit werden 1.500 Stück pro Jahr gefertigt, um ein Drittel mehr als vor Corona. Tendenz steigend.“
Heiße Badetage dürfte es auch diesen Sommer genug geben. „Die Zahl der Tage mit mindestens 30 Grad hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelt bis verdreifacht“, weiß der Sprecher der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Thomas Wostal. „Zwar ist aktuell noch keine Hitzewelle in Sicht, aber die langfristigen Prognosen deuten wieder auf einen überdurchschnittlich warmen Sommer hin.“

"Dürre"-Sommer erwartet
Trockenheit ist daher auch weiterhin ein Thema, wie das Frühjahr bereits gezeigt hat. Im Süden und Osten unseres Landes fielen teilweise nur zwanzig Prozent des üblichen Niederschlages. Das hat eine ZAMG-Auswertung ergeben. Ein trockener „Dürre“-Sommer gilt daher als wahrscheinlich. Das bedroht auch das Trinkwasser.
Die Versorger kommen dementsprechend ins Schwitzen. Der größte Wasseranbieter in Niederösterreich ist die EVN (Energieversorgung Niederösterreich). Sie versorgt rund 560.000 Menschen mit Trinkwasser, das ist rund ein Drittel der dortigen Bevölkerung. Die EVN hat sich allerdings bereits vorbereitet. „Wir haben unsere Netze so nachgerüstet, dass es zu keinen Problemen kommt“, sagt Sprecher Stefan Zach.
Allerdings gibt es hierzulande kleinere Gemeinden, in denen es eine Herausforderung ist, wenn viele Besitzer gleichzeitig ihre Schwimmbecken auffüllen. „Die Becken werden dann etwa den Straßenzügen nach gefüllt, Schritt für Schritt“, weiß Zach.

Erprobt ist dahingehend die Gemeinde Artstetten-Pöbring im Bezirk Melk (NÖ). „Auf unsere 1.200 Einwohner kommen rund 100 ‚Pools‘ mit im Schnitt 18.000 Litern Füllmenge“, sagt der ÖVP-Bürgermeister Karl Höfer. „Im vergangenen Jahr war die Situation wegen der Trockenheit jedoch katastrophal.“ In einem Brief hatte Höfer seine Gemeindeschäfchen informiert, dass das Befüllen nur in Abstimmung mit der Gemeinde erfolgen darf.
„Bei der Becken-Befüllung hieß es dann ‚einer nach dem anderen‘“, erzählt Höfer. Das war bitter notwendig. „Das Trinkwasser war bereits knapp. Zum Glück konnten wir zusätzlich die Quelle einer Genossenschaft nutzen. So haben wir einen Kollaps verhindert.“
Heuer ist die Lage weniger dramatisch, weil es im Winter geschneit hat, davon profitieren die Quellen. Das örtliche Schwimmbad wurde bereits mit 350.000 Litern Wasser gefüllt.
70 private Schwimmbecken müssen aber noch eingelassen werden.

"Wasser Marsch" aus dem Feuerwehrhydranten
Verlockend ist es, sein Becken statt mit dem Gartenschlauch per Feuerwehrhydrant zu füllen. Teils ist das sogar legal. „Es gibt die Möglichkeit, ‚Pools‘ per Hydrant einzulassen“, erklärt der Bundesfeuerwehr-Sprecher Richard Berger. „Das übernimmt aber nicht die Feuerwehr, sondern die Gemeinde beziehungsweise der Wasserleitungsverband. Auf dem Hydranten wird dann ein Wasserzähler eingebaut und ein Schlauch zum Becken verlegt.“
Die heimliche Befüllung über einen Hydranten ist jedoch Diebstahl. „Man stiehlt das Wasser ja von der Allgemeinheit. Es wird uns allen verrechnet.“ Außerdem kann es ins Auge gehen. „Wenn ein Hydrant nicht regelmäßig gespült wird, können einige hundert Liter rostiges Wasser heraussprudeln. Das trübt den Badespaß“, schmunzelt Berger.

Dieses Jahr wird in 150.000 Schwimmbecken geplanscht
  • 4.000 Schwimmbecken werden bei uns jedes Jahr aufgebaut.
  • In Corona-Zeiten verzeichnet die Branche Zuwächse von bis zu hundert Prozent.
  • Rund 150.000 Schwimmbecken sind aktuell in heimischen Gärten zu finden.
  • Acht mal vier Meter ist das beliebteste „Pool“-Maß.
  • Bei einer Tiefe von 1,5 Metern fasst das Becken 48 Kubikmeter Wasser.
  • Das entspricht etwa dem Jahreswasserverbrauch eines Menschen.
  • Ein Becken dieser Größe aufzufüllen kostet etwa 90 Euro.
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