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Ausgabe Nr. 20/2021 vom 18.05.2021, Foto: picturedesk.com
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Mehr normales Leben nur mit einem „Anti-Corona-Nachweis".
Die getestete Republik
Millionen Bürger müssen sich jetzt regelmäßig testen lassen, wenn sie ein bisschen mehr normalen Alltag wollen. Doch bei Antigen-Tests kann es laut Studien häufig zu falschem Alarm kommen, wenn die Infiziertenzahl niedrig ist.
In kaum einem anderen Land wird so viel getestet wie bei uns. In Deutschland oder den USA gab es zuletzt, umgelegt auf die Einwohner, täglich nicht einmal rund ein Zehntel der „Corona-Überprüfungen“.
Jetzt werden es noch mehr. Denn für den Gasthaus-Besuch gilt ebenso wie für das Schwimmbad: Zutritt gibt es nur für Getestete, Geimpfte oder Genesene. Im Handel sind keine Eintrittstests nötig.

Ohne Sicherheitsmaßnahmen wie Masken, Registrierung und Tests „würden die Öffnungen schnell wieder zu einem drastischen Anstieg der Fallzahlen führen“, warnt Grünen-Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Die Zutrittstests hätten aber noch einen Vorteil. „Wir erreichen damit auch jene Menschen, die sich ohne Verpflichtung nicht testen lassen würden.“
Als Eintritts-Ausweis für alle ab zehn Jahren gelten derzeit zum Beispiel Test-Bestätigungen oder der gelbe Impfpass. Schüler müssen sich drei Mal in der Woche vor dem Unterricht selbst testen. Für jedes negative Corona-Ergebnis gibt es ein Pickerl in den „Testpass“. Es ist bei einem Antigen-Test 48 Stunden gültig und gilt auch für alle anderen Bereiche als „Eintrittskarte“.

Wenn ein Schüler am Sonntag mit der Familie ins Gasthaus gehen will, braucht er jedoch einen Zusatztest. Denn die „Schul-Untersuchung“ vom Freitag in der Früh ist dann schon abgelaufen.
Anders als bisher gibt es jedoch die Möglichkeit eines Selbsttests vor Ort für den spontanen Beisl-Besuch. Der gilt dann allerdings nur am „Testort“.
Die Wohnzimmer-Selbsttests, „die in einem behördlichen Datenverarbeitungs-System der Länder“ erfasst werden, gelten hingegen 24 Stunden. Für die Test-Portale sind die jeweiligen Bundesländer zuständig.

Kein einheitliches System für Wohnzimmertests
In Oberösterreich müssen dafür zwei Fotos vom absolvierten und danach mit einem Stift entwerteten Test samt dazugehörigem QR-Code auf die Onlineplattform geladen werden. „Ziel wäre ein bundesweit einheitliches IT-System gewesen, da es sinnvoll ist zu wissen, wie man sich in ganz Österreich selbst testen kann“, kritisierten der oberösterreichische ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer und seine Gesundheitslandesrätin. Das Gesundheitsministerium habe „hier aber nicht reagiert“.
Millionen Bürger, die noch nicht geimpft sind oder eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben, müssen sich jetzt regelmäßig testen lassen, wenn sie ein bisschen mehr vom normalen Leben haben wollen. Doch gerade die Antigentests haben ihre Tücken. Bei einem geringen Anteil von Infizierten in der Bevölkerung kommt es häufig zu falschem Alarm, wenn sich Symptomlose testen lassen. Andererseits können tatsächlich Infizierte übersehen werden.

Nach ein paar Wochen Kosten und Nutzen abwägen
Das zeigt auch eine Übersichtsstudie des internationalen Cochrane-Wissenschaftsnetzwerkes vom März. Bei einer Gruppe von 10.000 Personen ohne Symptome, von denen 50 tatsächlich mit Corona infiziert sind, müsste je nach Test mit 125 bis 213 positiven Ergebnissen gerechnet werden, hieß es darin. 90 bis 189 davon wären aber falsch positiv.
Für Barbara Nußbaumer-Streit vom österreichischen Cochrane-Zentrum an der Donau Universität Krems (NÖ) machen die Eintrittstests derzeit trotzdem Sinn, um „einen Großteil der Infizierten herauszufiltern, die sonst unbemerkt Infektionsketten auslösen könnten“. Die Bestätigung von positiven Antigen-Ergebnissen durch PCR-Tests müsse aber „möglichst schnell passieren, damit niemand unnötig in Quarantäne muss und die Unannehmlichkeiten für die Menschen möglichst gering sind.“ Bis zum Eintreffen der genaueren PCR-Ergebnisse gelten Betroffene als wahrscheinliche Fälle und müssen in Quarantäne.

Allerdings sollte in einigen Wochen „die Teststrategie wieder neu beurteilt werden und man Kosten und Nutzen abwägen“. Denn dann ist die Impfrate höher und es kann „besser eingeschätzt werden, wie sich die Infektionen mit der Öffnung entwickeln, aber auch wie viele durch die Tests erkannt werden“.
In Vorarlberg, wo schon seit Mitte März der Besuch beim Wirt ebenso möglich war wie kleinere Veranstaltungen, stellten sich bisher mehr als ein Fünftel der positiven Antigen-Tests als falsch heraus. In Niederösterreich wurden zwischen 9. April und 9. Mai zuletzt knapp drei Viertel der positiven Antigen-Tests bestätigt.

Die Bedingungen fürs Wirtshaus-Schnitzel
Wer ins Gasthaus, Theater oder Fitnesscenter will, muss ebenso wie bei den Friseuren nachweisen, dass von ihm eine „geringe epidemiologische Gefahr“ ausgeht. Das gilt in diesen Fällen:
  • Ab dem 22. Tag nach der Erstimpfung, sie darf nicht länger als drei Monate zurückliegen.
  • Nach der Zweitimpfung, wobei die Erstimpfung nicht länger als neun Monate her sein darf (gilt auch bei Einmal-Impfungen).
  • Sechs Monate nach einer Corona-Erkrankung, als Nachweis gelten etwa der Absonderungsbescheid oder eine Arzt-Bestätigung.
  • Bis zu 72 Stunden nach einem PCR-Test.
  • Bis zu 48 Stunden nach einem Antigen-Test etwa von einer Teststraße oder Apotheke. Auch die Selbsttests in den Schulen sind 48 Stunden lang gültig.
  • Bis zu 24 Stunden nach einem Selbsttest, der mittels digitaler Registrierung und Foto gültig ist. Für dieses System sind die Bundesländer zuständig.
  • Mit einem Selbsttest, der direkt im Gasthaus oder bei der Veranstaltung gemacht wird. Er gilt allerdings nur für die Dauer des dortigen Aufenthaltes.
  • Durch einen Nachweis von neutralisierenden Antikörpern. Er darf aber nicht älter als drei Monate sein.
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