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Ausgabe Nr. 15/2021 vom 13.04.2021, Fotos: Universal Music
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Konzerte kann Tom Jones derzeit nicht geben. So sitzt er alleine zuhause herum. Und vermisst seine Frau.
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Sein neues Album „Surrounded By Time“ wurde von seinem Sohn Mark Woodward mitproduziert. Es besticht durch einen Klangmix verschiedener Stilrichtungen. Und die Stimme von Tom Jones tut ihr Übriges.
„Das Leben eines Witwers ist einsam“
Der Tiger aus Wales ist mittlerweile 80 Jahre alt. Aber seit den 60er Jahren gilt er als Garant für Hits. Im Gespräch zu seinem mehr als würdigen Spätwerk „Surrounded By Time“ äußert sich Tom Jones offen über das Leben und das Sterben, aber auch über seine Anstrengungen, agil und gesund zu bleiben. Die Fragen stellte der WOCHE-Reporter Steffen Rüth.
Wie geht es Ihnen, Herr Jones?
Ich kann mich nicht beklagen. Außer über das Wetter. London (England) hat einen richtig fiesen und kalten Winter hinter sich. Ich habe ja viele Jahre lang in Los Angeles (USA) gelebt, war aber immer unterwegs. Wenn ich nach Hause kam, war das immer wie ein Urlaub für mich.
Vermissen Sie das Reisen und die Bühne sehr?
Ja, das ist Mist für mich mit diesem Virus. Wenigstens habe ich es mir nicht eingefangen. Ich lebe ganz schön isoliert in meiner Wohnung in London. Das Haus verlasse ich nur, wenn ich zu den Dreharbeiten der Talenteshow „The Voice UK“ fahre, wo ich in der Jury sitze.
Sind Sie schon geimpft?
Ja klar, schon lange. Mit den Impfungen sind wir Briten wirklich auf Zack, das muss ich sagen. Ich bin durch damit. Meine erste Impfung habe ich kurz vor Weihnachten bekommen, die zweite am 6. Jänner. Das ist ein wundervolles Gefühl, zu wissen, ich sterbe jetzt nicht mehr daran und muss auch höchstwahrscheinlich nicht ins Spital, wenn ich mich angesteckt habe.
Ihr neues Album (ab Freitag, 23.April, im Handel) hat den Titel „Surrounded By Time“, also „Umgeben von der Zeit“. Nehmen Sie die Zeit mit 80 Jahren heute anders wahr?
Auf jeden Fall. Die Zeit wird werthaltiger und wertvoller, als sie es vielleicht früher einmal war. Kein Tag ist mehr selbstverständlich. Das Lied „I‘m Growing Old“ vom neuen Album bekam ich angeboten, als ich 31 war. Jetzt bin ich reif für „I‘m Growing Old“.
Haben Sie Angst, dass Ihnen die Zeit davonläuft?
An schlechten Tagen ist das so. Wegen Corona konnte ich ein Jahr lang nicht auftreten und werde, selbst wenn alles optimal läuft, nicht vor Ende dieses Jahres auf Tournee sein können. Das sind zwei Jahre. Für einen 80jährigen ist das eine Ewigkeit.
Wie ein 80 Jahre alter Mann sehen Sie beim besten Willen nicht aus. Sie gingen auch locker noch für Mitte, Ende 60 durch.
Ich bin schon deutlich langsamer als früher. Ich renne nicht mehr durch die Gegend, auch auf der Bühne nicht. Aber ich habe einen Fitnesstrainer, den ich regelmäßig sehe. Der Kerl nimmt mich hart ran: Laufen, Fahrrad fahren und Boxen – er lässt sich immer etwas Neues einfallen.
Sie boxen?
Boxen ist sogar mein Lieblingssport. Du merkst richtig, wie die Schläge deinen Puls und deine Herzfrequenz nach oben treiben, es ist wunderbar. Seit der Pandemie treffen wir uns allerdings nicht mehr im Fitnessstudio. Er hat mir einen Heimtrainer besorgt, der steht im Schlafzimmer, und puh, er steht da nicht nur, sondern er wird auch benutzt. Zusätzlich mache ich jeden Tag Klappmesser und Liegestütze.
Und wie geht‘s Ihrer Stimme?
Gott sei es gedankt. Meine Stimme ist immer noch bärenstark und äußerst lebendig. Die Pause konnte meinen gesanglichen Fähigkeiten zumindest bisher nichts anhaben.
Sie sind seit dem Jahr 2016 Witwer. Wie ist dieses Leben?
Einsam. Und es wird nicht besser durch die Pandemie. Mein Sohn Mark schaut ein bisschen nach mir.
Sie waren immerhin 57 Jahre mit Linda verheiratet …
Wir haben uns gegenseitig Kraft gespendet. Als meine Frau im Sterben lag, hat sie mich praktisch dazu genötigt, weiterzusingen. Ich war erst zögerlich, aber sie sagte, ich dürfe nicht mit ihr untergehen. Das war ihre große Angst. Sie flehte mich an, doch an unsere schönen Zeiten zurückzudenken. Aber als ich sie verlor, schien es mir, als verlöre ich mit ihr auch meine eigene Stärke, meinen Lebensmut. Ich sah sie dann immer vor mir, wie sie mich anlächelte und „Du musst stark sein, Tommy“ zu mir sagte. So gut es geht, halte ich mich an ihre Worte.
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