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Ausgabe Nr. 14/2021 vom 06.04.2021, Foto: AdobeStock (2)
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Corona erhöht die Zeckenstich-Gefahr.
Corona erhöht die Zeckenstich-Gefahr
Knapp 220 Menschen in unserem Land erkrankten im Vorjahr schwer an der von Zecken übertragenen Viruserkrankung FSME. Das ist ein trauriger Rekord der jüngsten Zeit. Experten sehen die vermehrten Aufenthalte im Grünen in der „Corona-Zeit“ als eine der Ursachen.
Milde Winter und das „dank Corona“ gesteigerte Interesse, mit Familie und Freunden durch Wiesen, Wälder und Parks zu streifen, werden die Zahl der durch Zecken übertragenen Krankheiten wieder in die Höhe treiben. „Im Vorjahr hatten wir einen traurigen Rekord mit 219 FSME-Fällen in den Spitälern, dabei galt das Jahr 2018 mit 154 Fällen schon als ‚Rekordjahr‘. Heuer rechnen wir damit, dass etwa 160 FSME-Fälle medizinisch behandelt werden müssen, eine noch immer zu hohe Zahl“, sagt Univ.-Prof. Mag. Dr. Franz Rubel von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Wiewohl eine Infektion mit dem FSME-Virus einen leichten Verlauf nehmen kann, ähnlich dem einer Sommergrippe, ist eine schwere FSME-Erkrankung kein „Spaziergang“. Eine spezifische Therapie gegen diese Krankheit gibt es bis heute nicht.

„Bei 105 registrierten Patienten wurde im Vorjahr ein so schwerer Verlauf festgestellt, dass das Zentralnervensystem stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei etwa 40 Prozent der Patienten im neuroinvasiven Krankheitsstadium kommt es zu einer Entzündung des Gehirnes. Die Erkrankten brauchen meist über mehrere Wochen eine Behandlung in einer Intensivstation und anschließend einen längeren Rehabilitationsaufenthalt. Bleibende Folgeschäden wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen werden bei etwa 20 Prozent gesehen“, warnt Priv.Doz. Bettina Pfausler von der Universitätsklinik für Neurologie an der Med-Uni Innsbruck.

Wie hoch die Zahl der Lyme-Borreliose-Erkrankungen sein wird, lässt sich nicht voraussagen. Diese von Zecken durch Bakterien übertragene Infektionskrankheit kann Nervenschmerzen, Lähmungserscheinungen, Gelenksschwellungen und (selten) eine Herzmuskelentzündung verursachen. Dennoch ist sie im Gegensatz zu FSME, die eine von Viren ausgelöste Entzündung von Gehirn und Gehirnhaut verursachen kann, nicht meldepflichtig. Offizielle Borreliose-Zahlen liegen daher nicht vor, vor „Corona“ gab es Schätzungen zufolge bis zu siebzigtausend Borreliose-Infektionen in unserem Land. Diese Zahlen werden, daran haben Experten kaum Zweifel, ebenso steigen, denn die „Besuche“ in den heimischen Wäldern sind seit Beginn der Corona-Pandemie in unserem Land um das Vierfache gestiegen.

Sich vor Zeckenstichen zu schützen, ist daher mehrfach sinnvoll. „Gegen FSME sind acht von zehn Menschen in unserem Land geimpft. Diese Rate sinkt leicht, da sie stagniert, aber die Einwohnerzahl in unserem Land steigt. Bis auf wenige Gebiete ist unser Land flächendeckend mit Zecken besiedelt, die mit dem FSME-Virus infiziert sind. Die angrenzenden Regionen unserer Nachbarländer machen keine Ausnahme. In der Schweiz etwa gab es mit 454 FSME-Spitalspatienten so viele Fälle wie noch nie. In Deutschland waren 707 Fälle gemeldet, ebenfalls soviel wie noch nie zuvor“, verrät der Experte mit Blick auf eine entsprechende Karte.

Keine Corona-Gefahr durch Zeckenstiche
Keine Gefahr hingegen gehe von Zecken aus, wenn es um das Corona-Virus geht, erklärt Prof. Lukas Weseslindtner vom Zentrum für Virologie der MedUni Wien. „Eine Infektion mit SARS-CoV-2 führt nur in Ausnahmefällen, also bei ganz schweren Verläufen, zu einer kurzen Virämie. Das bedeutet, das Virus ist im Blut des Patienten. In der restlichen Zeit spielt sich Covid-19 hauptsächlich in den Atemwegen ab. Eine Übertragung durch Zecken sollte daher so gut wie überhaupt keine Rolle spielen.“

Wo sich Zecken am Körper gerne verstecken
Nach einem Aufenthalt im Freien ist das Absuchen des Körpers nach Zecken eine wichtige Schutzmaßnahme. Dabei ist nicht auf jene Körperstellen zu vergessen, die schwer einsehbar sind, wie etwa der gesamte Haaransatz, hinter den Ohren, Achseln Genitalien und Kniekehlen. „Da Zecken während der Zeit des Saugens ständig der Gefahr ausgesetzt sind, vom Wirt herausgerissen oder zerbissen zu werden, suchen sie sich dafür eine möglichst geschützte Stelle aus. Auch eng anliegende Kleidung wird von der Zecke offensichtlich als geschützter Ort wahrgenommen und so stechen Zecken ebenso im Hüftbereich, wo die Hose aufliegt oder zum Beispiel unter dem Uhrarmband. Da die Wahl der Einstichstelle für das Überleben der Zecke von so hoher Bedeutung ist, sticht sie nicht sofort zu, wenn sie auf der Haut angelangt ist. Vielmehr läuft sie auch für längere Zeit auf dem Körper umher, um eine passende Stichstelle zu finden. Dies kann bis zu einer Stunde oder länger dauern“, verrät ein Experte des deutschen Robert Koch Institutes.

Eine Übertragung ohne direkten Biss durch eine Zecke, etwa über Mücken, ist wissenschaftlich nicht belegt. Auch die Übertragung von FSME-Viren und Borrelien von Mensch zu Mensch findet nicht statt. Bekannt sind allerdings Fälle einer indirekten Übertragung der Krankheitserreger durch Rohmilch oder Rohmilchprodukte wie Käse, insbesondere von Ziegen aus FSME-Seuchengebieten wurde wiederholt beschrieben, etwa in Ländern in Osteuropa. In Deutschland und unserem Land wurden hierzu Einzelfälle beobachtet.
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