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Ausgabe Nr. 14/2021 vom 06.04.2021, Fotos: Georges Schneider / picturedesk.com, zVg
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Die Israel-Reise von Bundeskanzler Sebastian Kurz, 34, im Flieger eines ukrainischen Oligarchen sorgt für Wirbel.
Kurz wurde zum „Feind“ erklärt
Anfang März hob ÖVP-Kanzler Kurz nach Israel ab, um dort eine „Impfallianz“ zu gründen. Der Rückflug von Kurz im Privat-Flieger eines ukrainischen Oligarchen schlägt in dessen Heimat hohe Wellen. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Korruption. Seine Auslieferung verhindert unsere Regierung.
Wir wollen beim Impfen nicht nur von der EU abhängig sein“, sagte ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz, 34, bevor er am 4. März zu seinem Freund „Bibi“ Netanjahu, 71, abhob. Mit dem israelischen Ministerpräsidenten wollte er medienwirksam eine „Impfallianz“ gründen. Israel gilt als „Impfweltmeister“.

Oligarch mit Nähe zur ÖVP
Gemeinsam mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, 43, flog Kurz mit einem dänischen Staatsflugzeug nach Israel. Heim reiste der Kanzler aber mit einem Luxus-Privat-Jet im Wert von 32 Millionen Euro des ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch, 55.
In seiner Heimat ist der als Günstling von Russlands Präsident Wladimir Putin, 68, geltende Unternehmer verhasst. Er hat durch Gasgeschäfte Milliarden Euro vom Staat kassiert. Sein Vermögen wird auf zehn Milliarden Euro geschätzt. Vor Jahren wurde er in der Ukraine zur „unerwünschten Person“ erklärt. Gegen ihn wurde zuletzt wegen Steuerhinterziehung ermittelt.
Die Amerikaner haben es wegen Korruption auf ihn abgesehen. Er soll in Indien Beamte bestochen haben, um eine Lizenz für ein Bergbauprojekt zu erhalten. Eine amerikanische Firma wurde ausgebootet.
Daraufhin wurde von den Amerikanern ein Haftbefehl erlassen und Firtasch im Jahr 2014 in unserem Land verhaftet. Allerdings kam er gegen eine Kaution von 125 Millionen Euro wieder frei. Die USA verlangen aber noch immer seine Auslieferung.

Mit Steuergeld im Luxus-Flugzeug
„Wir müssen uns die Frage stellen, ob Firtasch unter dem Schutz der ÖVP steht. Auch weil er schon ausgeliefert hätte werden sollen“, sagt Peter Pilz, 67, der Herausgeber der Internet-Plattform „ZackZack“.
Pilz und sein Team haben den Kanzler-Flug im Oligarchen-Jet und die Verstrickungen der ÖVP wie auch der FPÖ mit dem zwielichtigen Unternehmer aufgedeckt. Firtasch residiert in einer luxuriösen Villa in Wien Hietzing, die Alexander Schütz, einem ÖVP-Großspender und Gönner von Sebastian Kurz, gehört. Firtaschs Sprachrohr ist Daniel Kapp, der Pressesprecher des früheren ÖVP-Obmannes Josef Pröll, 52. Einer seiner Anwälte ist der Ex-FPÖ-Justizminister Dieter Böhmdorfer, 77. Zudem hat Firtasch die „Agentur zur Modernisierung der Ukraine“ gegründet. Präsident ist laut deren Internetseite der ehemalige ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger, 61. Er gilt als Entdecker und Mentor von Kurz.
Der holte sich in Israel Anregungen für den umstrittenen „grünen Impfpass“. Zu einer gemeinsamen Impfstoffproduktion kam es nicht, weil das gegen EU-Abmachungen verstoßen hätte.

Wieso Kurz bei der Heimreise im ukrainischen Privat-Jet Platz nahm, statt in der dänischen Staatsmaschine, ist unklar. Das Bundeskanzleramt schweigt dazu, erklärt jedoch, „es ist ein üblicher Standardvorgang, über Unternehmen wie ‚Avcon Jet‘ einzelne Flugreisen zu buchen. In wessen Eigentum die jeweiligen Flugzeuge stehen, entzieht sich unserem Kenntnisstand und ist nicht weiter von Relevanz.“ Bei der in Wien ansässigen Firma „Avcon Jet“ können Maschinen gemietet werden, die die Eigentümer zur Verfügung stellen.
Auch hier ist die Nähe zur ÖVP unverkennbar. Offiziell gehört das Flugzeug der „Aircraft Finance GmbH“ des ÖVP-nahen Raiffeisen-Konzerns. Firtaschs Firma Ukrinvest „least“, also mietet, das Flugzeug und lässt es über „Avcon Jet“ fliegen.
Wie teuer der Flug von Kurz war, steht in den Sternen. Eine Wiener Firma für Privat-Flüge schätzt ihn aber auf 30.000 Euro. Der SPÖ-Vize-Klubchef Jörg Leichtfried hat eine parlamentarische Anfrage an Kurz gestellt, „warum diese Maschine verwendet wurde, warum kein Linienflug nach Wien gebucht wurde und wie viel die Reise gekostet hat“, Antwort bekam er noch keine, zumal Kurz zwei Monate Zeit dafür hat.

Ukrainische Zeitung kürt Kurz zu "Feind der Woche"
Leichtfried ist überzeugt, „Kurz versucht, vom heimischen Impfstoffdesaster abzulenken. Von Inszenierungsflügen sollte aber in Corona-Zeiten Abstand genommen werden.“ Auch Pilz sieht Aufklärungsbedarf, „denn es ist nicht erklärbar, warum ein Privat-Flugzeug gemietet wurde. Das ist Verschwendung von Steuergeld.“ Pilz ist überzeugt, „dass die ÖVP alles macht, um die Geschichte hierzulande zu unterdrücken. „Die deutsche Zeitung ‚Spiegel‘ hat sie von sich aus gebracht. Die ,New York Times‘ (USA) interessiert sich ebenfalls dafür. Bei uns berichtete eine Zeitung darüber, jedoch wurde der Artikel gekürzt, weil das Kanzleramt intervenierte.“

Nicht zensieren lässt sich die „Kyiv Post“, die wichtigste englischsprachige Zeitung der Ukraine. Sie kürte Kurz zu „Ukraines Feind der Woche“. Die Redaktion erklärte, „Kurz hat uns keine Wahl gelassen.“ Dass Kurz im Oligarchen-Flieger reist, die Nähe von Firtasch zur ÖVP und dass dieser in Wien ein gutes Leben führt und nicht ausgeliefert wird, ist für die „Kyiv Post“ nicht akzeptabel.
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meandminimi
der kurze
bei zeiten schaem ich mich oesterreicher zu sein, die unfaehigste regierung seit nero rom abgebrannt hat, dazu in der hofburg einen antioesterreicher als praesidenten und gruene in der regierung.
Macy77
Schön das es noch Zeitungen gibt die sich nicht kaufen lassen .
Werde jetzt öfter bei euch reinschauen ! Ihr recherchiert wenigstens noch !
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