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Ausgabe Nr. 06/2021 vom 09.02.2021, Foto: Jacob Lund - stock.adobe.com
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Für Senioren gelten oft eigene Vertragsklauseln.
Wer alt ist, zahlt drauf
Höhere Prämien und niedrigere Leistungen. Der Pensionistenverband (PVÖ) prangert an, dass Senioren bei Versicherungen oft schlechter aussteigen als jüngere Kunden. Dieser
Altersdiskriminierung soll gesetzlich ein
Riegel vorgeschoben werden.
Das ist eine grobe Form der Altersdiskriminierung“, erklärt der Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), Peter Kostelka, 74, und ist wütend.
Immer wieder wenden sich von den 385.000 Mitgliedern der größten heimischen Seniorenorganisation bei Problemen an deren Konsumentenschutzexperten. Kürzlich ist ihnen ein besonders dreister Fall untergekommen.
Herr Maier (75, Name von der Redaktion geändert) aus Wien hat eine Unfallversicherung abgeschlossen. Sie verspricht bei dauernder Invalidität eine fünfstellige Auszahlungssumme beziehungsweise eine monatliche Unfallrente. Auch im Todesfall von Herrn Maier wäre seine gleichaltrige Frau mit einer stattlichen Summe abgesichert.

Wegweisendes Gerichtsurteil
„Jedoch reduziert die Unfallversicherung von Herrn Maier nach dem 75. Lebensjahr automatisch die Versicherungssummen, die im Falle eines Unfalles oder Todesfalles ausbezahlt werden“, erklärt der Konsumentenschutzexperte des PVÖ, Harald Glatz. Ihm zufolge finden sich in drei Viertel der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Versicherungsverträgen altersspezifische Klauseln. „Wir kennen Fälle, in denen die Versicherungssumme um 20 bis 50 Prozent reduziert wurde“, trotz gleichbleibenden Prämien.
Zudem gibt es im konkreten Fall bei dauernder Invalidität keine Einmalzahlung, sondern nur eine lebenslange Rente, die bei Senioren nicht mehr so lange ausbezahlt werden müsste wie bei jüngeren Kunden. „Vor allem das ist anzuprangern“, sagt PVÖ-Präsident Kostelka. „Zudem dürfen ältere Menschen nicht zu Kunden zweiter Klasse werden.“

Nachgefragt bei der Versicherung von Herrn Maier wird darauf verwiesen, dass ältere Menschen ein höheres Unfallrisiko haben. „Allerdings finden sich die angesprochenen Klauseln nur mehr in älteren Verträgen, in aktuell angebotenen nicht mehr“, sagt ein Sprecher.
Dies vor dem Hintergrund eines Urteiles des Obersten Gerichtshofes (OGH) vom November des vorigen Jahres, das wegweisend sein dürfte. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hatte im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich erfolgreich gegen eine Versicherung geklagt. „In dem Fall ging es darum, dass ab dem 75. Geburtstag anstelle der Kapitalleistung eine Rente vorgesehen war, und dass sich ab dem 70. Geburtstag die Versicherungssummen um 30 Prozent reduzierten“, erklärt Gabi Kreindl vom VKI. Beide Klauseln wurden vom Obersten Gerichtshof aufgehoben.

Der Konsumentenschützer vom PVÖ, Harald Glatz, zeigt sich erfreut über das Urteil. „Der Oberste Gerichtshof hat im konkreten Fall erklärt, dass die betreffenden Klauseln ‚überraschend‘ und ‚intransparent‘ waren, und hat sie aufgehoben. Daran sollten sich auch andere Versicherungen orientieren. Allerdings hat der OGH altersspezifische Klauseln noch immer nicht ausdrücklich untersagt.“ Glatz fordert daher ein Gesetz, das der Diskriminierung einen klaren Riegel vorschiebt. „Jegliche altersspezifischen Klauseln gehören verboten.“

"Unfallrisiko steigt nicht mit dem Alter"
Derzeit ist Altersdiskriminierung aber noch immer ein Thema, gerade bei Autoversicherungen. „Es kommt immer wieder vor, dass Senioren aufgrund ihres Alters höhere Prämien für ihre KFZ-Versicherung bezahlen sollen. Begründet wird dies ebenfalls durch ein höheres Risiko für Unfälle, was statistisch aber keinesfalls belegt werden kann.“
Auch der Verkehrsexperte Ernst Pfleger ist überzeugt, „dass das Risiko nicht mit dem Alter, sondern mit der Fahrgeschwindigkeit zusammenhängt. Überdies sinkt die Kilometerleistung im Alter.“
Für Glatz steht fest, „dass das Problem bei Vertragsabschlüssen die meist undurchsichtigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind. Sie zu lesen ist für Nicht-Juristen aber gar nicht so einfach.“ Eine bessere Methode ist stattdessen, beim Versicherungsunternehmen nachzufragen, ob es altersspezifische Klauseln gibt. „Es ist nicht davon auszugehen, dass Sie der Versicherungsvertreter anlügt.“

Wer Rat benötigt, kann sich an den Pensionistenverband wenden, unter der Telefonnummer 01/313720 oder an die E-Mail-Adresse office@pvoe.at. Der Verein für Konsumenteninformation ist unter Tel.: 01/588770 erreichbar, für Konsumenten aus Tirol und Vorarl-
berg unter Tel.: 0512/586878. Mehr Infos unter www.vki.at/beratung.
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