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Ausgabe Nr. 52/2020 vom 21.12.2020, Foto: Parlamentsdirektion/Simonis
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Hannes Androsch, Sigrid Maurer
Brauchen wir Atomkraft im Kampf gegen Klimawandel?
Hannes Androsch war SPÖ-Finanzminister, als die Volksabstimmung 1978 ein knappes Nein gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf (NÖ) brachte. Heute ist er überzeugt, dass „ohne Atomkraft und ohne forcierten Ausbau der Wasserkraft“ die Energiewende nicht möglich sein werde. Greta Thunberg sorgte 2019 für Aufregung, als sie schrieb: „Persönlich bin ich gegen Atomkraft“, aber laut Weltklimarat könne sie „ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung sein“.
JA:
Hannes Androsch,
Unternehmer

„Unser letztes Jahrhundert auf dieser Erde? Diese Gefahr besteht, wenn wir nicht rasch die bedrohliche Erderwärmung eindämmen. Es ist fünf vor zwölf. Dazu ist notwendig, das fossile Zeitalter mit Kohle und Erdöl so rasch wie möglich zu beenden, um den Kohlenstoffausstoß dramatisch zu verringern. Dafür müssen alle Möglichkeiten genutzt werden. Zu diesen gehört auch Atomkraft mit inzwischen neuen Technologien. Österreich ist ein besonders schlimmer Klimasünder. Wir blasen doppelt so viel CO2 in die Luft wie der Musterschüler Schweiz mit fünf Atomkraftwerken. Auf Teufel komm raus importieren wir jährlich für neun Milliarden Euro fossile Energieträger. Wir behaupten, frei von Atomstrom zu sein, und bekämpfen die Atommeiler von Mochovce und Temelin. Ohne den Atomstrom von genau dort gingen in Wien und Niederösterreich längst die Lichter aus. Welche dumpfe Scheinheiligkeit und fassungslose Heuchelei. Wir werden dann endlich unseren Beitrag zur tickenden Zeitbombe der Natur und damit zur Rettung der Bewohnbarkeit unseres blauen Planeten leisten, wenn wir uns von dieser verlogenen Haltung verabschieden. Es gilt, überfällig eine ehrliche wie wirksame Klima- und Energiepolitik zu betreiben.“

NEIN:
Sigrid Maurer,
Grünen-Klubobfrau

„Kein Land der Welt braucht 2020 noch Atomkraft. Wir haben heute zahlreiche gefahrlose Technologien zur Bewältigung der Klimakrise zur Verfügung. Die dringend notwendige Energiewende kann durch rasch einsetzbare erneuerbare Energien ohne Risiken für die Bevölkerung verwirklicht werden. Zwischen Bau und Stromerzeugung neuer Atomkraftwerke hingegen vergehen oft Jahrzehnte, Betriebsverlängerungen von alten Atommeilern sind brandgefährlich. Von den enormen Risiken abgesehen ist Atomkraft auch schlichtweg teuer. Rechnet man den Bau und Betrieb von AKWs mit ein, kostet Atomstrom bis zu fünf Mal so viel wie Wind- oder Sonnenenergie. Dazu kommt ein Erbe an verseuchtem Atommüll, den wir unseren Kindern hinterlassen. Ohne staatliche Milliardenförderungen würde kein einziges Land auf der Welt mehr AKWs bauen. Mit der Klimakrise werden sie noch unsicherer. Schon jetzt werden viele Flüsse im Sommer zu warm, um sie ausreichend kühlen zu können. Wir brauchen schnelle und nachhaltige Lösungen im Kampf gegen die Klimakrise. Durch den raschen Ausbau von Wasserkraft, Sonnenenergie und Windenergie wird sich Österreich schon bald vollständig mit Ökostrom versorgen können.“
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