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Ausgabe Nr. 43/2020 vom 20.10.2020, Fotos: imago images / VIADATA, BMG Rights
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Katie Melua.
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Melodien zum Nachdenken und mit Unterstützung eines philharmonischen Orchesters bietet Melua mit dem neuen Album
"Die Liebe ist nicht immer ein Märchen"
Die Liebe kann schön sein, an dauerhaftes Glück glaubt die britische Sängerin mit georgischen Wurzeln, Katie Melua, 36, nicht. Wohl auch, weil ihre siebenjährige Ehe mit dem ehemaligen Motorradrennfahrer James Toseland in die Brüche gegangen ist. Ihr neues Werk, das schlicht „Album No. 8“ heißt, enthält Spuren dieser Trennung, berichtet die Künstlerin im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth.
Frau Melua, von welchem Berg klettern Sie denn im Text der hübschen orchestralen Ballade „Leaving The Mountain“, die auf Ihrem neuen Album zu finden ist?
Von einem der kaukasischen Berge am Schwarzen Meer in Georgien. Ich war mit meinem Papa dort. Eines Abends erzählte er mir, dass unter dem Eis ein ganzer Wald begraben und verborgen liege. Das Lied steht dafür, dass wir nie genug Zeit haben, all die Schönheit dieser Erde zusammen mit unseren Liebs-
ten bewundern zu können.

Was haben Sie mit Ihrem Vater in den Bergen Georgiens gemacht?
Wir sind Schi gefahren. Mein Vater macht das erst seit fünf Jahren. Am Anfang seiner etwas unerwarteten Schikarriere ist er ein Mal pro Woche um fünf Uhr in der Früh aufgestanden, um in einer Schihalle im Norden Londons (England) zu trainieren. Ganz eisern. Einmal im Jahr fährt er nun in den Schiurlaub, und endlich hatte ich die Gelegenheit mitzukommen.

Konnten Sie ihm noch etwas beibringen?
Oh nein, ich fahre viel schlechter als er. Mein Vater hat mittlerweile sogar eine Schilehrer-Lizenz. Wir Meluas gehen die Dinge entweder ganz oder gar nicht an (lacht).

Demnach haben auch Sie sich für „Album No. 8“ ganz schön gequält?
Leicht gemacht habe ich es mir jedenfalls nicht. Es hat schon seinen Grund, warum ich sieben Jahre gebraucht habe, um wieder ein Album mit komplett neuen Liedern zu veröffentlichen. So etwas Wichtiges wie meine Musik kann ich nicht auf die Schnelle machen. Die muss reifen.

Im Lied „A Love Like That“ sprechen Sie über die scheinbare Unmöglichkeit, eine Liebesbeziehung auf Dauer zu bewahren. Wie sehr spielen Ihre eigenen Lebenserfahrungen in diesen Text hinein?
Na ja, ich war in einer leidenschaftlichen Beziehung und musste erkennen, dass diese Leidenschaft mit der Zeit verblasst ist. Und über meine persönlichen Erlebnisse hinaus mag ich es, mit den Klischees und Mythen zu brechen, dass die Liebe immer das Größte und das Einmaligste überhaupt sein muss – auch wenn ich mit meinen unschuldigen Liebesliedern wie „Closest Thing To Crazy“ an dieser Sichtweise nicht ganz unschuldig bin.

Sie beziehen sich jetzt auf die Trennung von Ihrem Mann, dem Ex-Motorradrennfahrer James Toseland, nicht wahr?
Ja. Wir waren sieben Jahre lang verheiratet und sind seit einem Jahr geschieden. Aber keine Sorge, mir geht es gut (lacht). Ich bereue nichts, unsere Ehe war schön, und selbst unsere Trennung war irgendwie glücklich, na ja, zumindest war sie nicht bitter, sondern freundschaftlich. Mir war wichtig, kein Herzschmerz-Album zu machen, sondern ehrlich darüber zu erzählen, wie es mir geht.

Vom dauerhaften Konstrukt der glücklichen Liebesbeziehung halten Sie offenbar nichts, denn im Lied „Airtime“ beleuchten Sie dies kritisch. Spricht aus diesem Text nicht auch der Sarkasmus der Frischgeschiedenen?
Das mag durchaus irgendwo drinstecken, aber ich hoffe nicht zu sehr. Ich finde tatsächlich, dass uns speziell die Kunst von klein auf mit ihrer Liebespropaganda bombardiert. „Romeo & Julia“, „Titanic“, immer dieses „Ich werde dich lieben, bis ich sterbe“-Mantra. Für mich ist das ein Zerrbild, ein Märchen. Aber die Liebe ist nicht immer ein Märchen.

Sondern manchmal ein Albtraum?
Durchaus. Aber bei mir war es nicht so ein Drama. Die Liebe ist eher langsam verpufft. Als James und ich uns trennten, waren meine Freundinnen und Freunde überaus besorgt um mich, sie erwarteten, dass ich ein trauriges, schniefendes Bündel sein müsste, weil das eben dem gängigen Liebeskummerbild entspricht. Aber mir ging es tatsächlich überhaupt nicht schlecht. Ich war nicht wütend, ich war nicht frustriert, ich war nicht am Boden zerstört. Es ist, wie es ist. Ich war glücklich verheiratet, und jetzt bin ich glücklich geschieden.

Ganz ohne Traurigkeit geht es aber dann doch nicht, wie Sie in „Remind Me To Forget“ singen. Gehen Sie tatsächlich hinaus in die Natur, um Ihren Liebeskummer loszuwerden?
Ja, ganz ohne Traurigkeit geht es dann doch nicht. Draußen zu sein hilft mir schon mein ganzes Leben lang, um mit Problemen und Nöten besser zurechtzukommen. Jeder Schmerz wird von der Natur gelindert und wir können unvorstellbar viel von ihr lernen.

Und wie sieht es nun mit der Liebe aus?
Ich bin definitiv keine Zynikerin geworden. Ich fände es fein, mich Hals über Kopf in eine neue Liebe zu stürzen.
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