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Ausgabe Nr. 43/2020 vom 20.10.2020, Foto: Ines Strohmayer/Schülerunion Österreich
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Alexandra Bosek wurde am 21.10.2002 in Wien geboren. Ihr Vater hat eine Transportfirma, ihre Mutter ist Krankenschwester. Als Bosek drei Jahre alt war, zog die Familie nach Baden (NÖ). In der Volksschule war sie Klassensprecherin. Im Gymnasium Biondekgasse in Baden wurde sie in der sechsten Klasse Schulsprecherin und in der siebenten Klasse AHS-Landesschulsprecher-Stellvertreterin. Ende September wurde Bosek, die der ÖVP-nahen Schülerunion angehört, von der 29-köpfigen Bundesschülervertretung mit klarer Mehrheit zur Bundesschulsprecherin gewählt.
"Alte Lehrer haben Defizite"
Alexandra Bosek, 18, aus Baden (NÖ) ist die neue Bundesschulsprecherin. Die Gymnasiastin ist somit die höchste Vertreterin der rund 1,1 Millionen heimischen Schüler. Die haben in der Corona-Krise schwer zu kämpfen. Was sich ändern muss, verriet Bosek im WOCHE-Interview.
Frau Bosek, was hat Sie dazu bewogen, Bundesschulsprecherin werden zu wollen?
Ich war schon in der Volksschule Klassensprecherin. Im Gymnasium bin ich dann in der sechsten Klasse Schulsprecherin geworden und in der siebenten Klasse AHS-Landesschulsprecher-Stellvertreterin. Ich habe mich schon früh für das Schulwesen interessiert.

Haben Sie sich mit Lehrern angelegt?
Nein (lacht). Aber ich habe zum Beispiel in der sechsten Klasse einen Selbstverteidigungskurs für Mädchen und Burschen eingeführt und später ein Politik-Planspiel mit 150 Teilnehmern veranstaltet. Grundsätzlich stehe ich natürlich hinter den Schülern, wenn sie mit Problemen zu mir kommen. Es ist wichtig, immer eine friedvolle Lösung zu finden, die für alle passt.

Der Schulalltag ist seit Corona anders als jemals zuvor. Wie ist die aktuelle Situation der Schüler?
Positiv ist, dass der Schulalltag wieder zurückgekommen ist. Wir wollen auf jeden Fall vermeiden, dass der Heimunterricht wieder losgeht. Da jetzt allerdings die kalte Jahreszeit anbricht, müssen wir uns überlegen, ob das häufige, Corona-bedingte Lüften so weitergehen kann. Viele Schüler frieren in ihren Klassen. Sie sitzen mit der Jacke da und können sich bei Schularbeiten nicht konzentrieren.

Derzeit begleitet der Mund-Nasenschutz die Schüler bis vor die Klasse. Wie geht es den Schülern damit?
Bis jetzt funktioniert die Maskenpflicht außerhalb des Klassenraumes gut. Auch die jüngeren Schüler sind brav und haben im Schulgebäude ihre Maske auf. Allerdings glaube ich, dass das Ampelsystem und die dazugehörigen Maßnahmen noch stärker vermittelt werden müssen. Wichtig ist aber, dabei keine Panik zu verbreiten.

Würden Sie eine Ausdehnung der Maskenpflicht auf den Unterricht befürworten?
Zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Sollten die Zahlen aber noch mehr steigen, müssen wir ernsthaft darüber nachdenken.

Ist aus Ihrer Schulklasse jemand in Quarantäne?
Ja, eine Schülerin ist seit 15 Tagen in Quarantäne, weil ihr Vater positiv auf Corona getestet wurde. Sie selbst ist aber zum Glück nicht erkrankt.

Wie zufrieden sind Sie mit dem digitalen Unterricht? Sind die Schulen überhaupt gerüstet?
Leider wissen viele Schüler nicht, dass das Ministerium Endgeräte wie Laptops zur Verfügung stellt. Auch das WLAN-Internet an den Schulen ist immer wieder ein Problem, weil es nicht funktioniert. Die Schulen und das Bildungsministerium arbeiten aber ständig an Lösungen und versuchen, die Umstände zu verbessern.

Und wenn die Schüler nun im Heimunterricht sind, wie wirkt sich das auf die Lernqualität aus?
Es wird ganz normal mit neuem Lehrstoff weitergemacht. Der Stoff vom vorherigen Schuljahr wird zwar so gut wie möglich nachgeholt, aber klarerweise geht sich nicht immer alles aus. Wir werden bei den ersten Schularbeiten sehen, wie weit die Schüler den Stoff intus haben.

Haben wir gute Lehrer, die den Stoff entsprechend vermitteln können?
Wenn es um den digitalen Unterricht geht, gibt es bei vielen Lehrern der älteren Generation Defizite. Ich glaube aber nicht, dass wir schlechte Lehrer haben.

Hatten Sie schon Ärger mit Lehrern? Wurden Sie schon einmal gerügt?
Ich würde mich eher als brave Schülerin bezeichnen. Oft muss ich aber Lehrern erklären, dass ich nicht im Unterricht sein kann. Bei vielen ist leider das Bewusstsein nicht vorhanden, dass ich mich in der überschulischen Vertretung engagiere.

Zuletzt wurde über einen „Lockdown light“ inklusive verlängerter Herbstferien spekuliert. Was halten Sie davon? Wir hatten ja erst vor Kurzem Sommerferien.
In den Abschlussklassen würde ich das nicht befürworten. Die Sommerferien sind nicht lange her und die Schüler sind noch motiviert und wollen gut für die Matura vorbereitet sein.

Sind Sie selbst reif für die Herbstferien?
Ja, bin ich und ich freue mich darauf. Ich werde aber an meiner vorwissenschaftlichen Arbeit schreiben. Eine solche muss in der Abschlussklasse abgegeben werden. Meine Arbeit beschäftigt sich mit Hormonen, die in unserer Ernährung sind und wie sie sich auf den menschlichen Körper auswirken.

Es heißt oft, die Lehrpläne seien veraltet …
Vor allem das Fach Mathematik würde ich entrümpeln, hin zu mehr lebensnahen Aufgaben. Das Ministerium ist seit einiger Zeit bereits dabei, die Lehrpläne zu überarbeiten und an unser Jahrhundert anzupassen. In der Oberstufe sollte es mehr Fächer geben, die sich die Schüler selbst aussuchen können. Leider lernen wir im Gymnasium keine Finanzmathematik, die wir aber im Leben unbedingt brauchen würden.

Welche Projekte wollen Sie als Bundesschulsprecherin umsetzen?
Unsere Schulbusse sind überfüllt. Sie müssen in Spitzenzeiten ausgeweitet werden, damit die Sicherheit gewährleistet wird. Außerdem möchte ich, dass das sogenannte „Portal digitale Schule“ im Internet auch ein Portal der Informationsquelle wird, damit Schüler gleich die wichtigsten Informationen zu ihrer Schulstufe haben.

Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
Meine Schwächen liegen im Perfektionismus. Ich muss immer alles perfekt erledigen und alles auf einmal fertigmachen. Meine Stärken liegen darin, dass ich gerne viel arbeite und ich auch andere dazu bringe, viel zu arbeiten. Ich liebe es, andere zu motivieren, damit sie ihr Bestes geben.

Was erwarten Sie sich für die heurige Matura?
Je nach Situation zu dem Zeitpunkt muss die Matura an die Umstände angepasst werden. Sollte ein erneuter „Lockdown“ stattfinden, wir also zuhause bleiben, muss darüber nachgedacht werden, Themenbereiche zu streichen oder Sonderregelungen festzulegen.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Ich bin Schilehrerin, außerdem spiele ich gerne Tennis mit meinem Papa, um Stress abzubauen.

Was kommt nach Ihrer Zeit als Bundesschulsprecherin?

Nach der Matura möchte ich Veterinärmedizin studieren. Allerdings fände ich Politik oder Kommunikations- und Projektmanagement auch spannend.
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