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Ausgabe Nr. 42/2020 vom 13.10.2020, Fotos: zVg (2)
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Alban Lakata in Fahrt bei der Salzkammergut-Trophy.
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Der „Albanator“ schraubt selbst am Rad.
Er ist der Bezwinger der Berge
Er ist eine Sportmaschine in Menschengestalt, zumindest auf Werbepostern, auf denen Alban Lakata, 41, alias der „Albanator“ seine Autogramme schreibt. Und er ist einer der besten Mountainbiker unseres Landes.
Zehn Mal hat er auf dem Mountainbike bereits virtuell die Erde umrundet, hat sich Alban Lakata, 41, ausgerechnet. „Ich komme auf insgesamt rund 400.000, wenn ich meine Lebenskilometer zusammenzähle“, verrät der Lienzer (Osttirol), der seit 26 Jahren Rennen fährt, seit 15 Jahren im Profigeschäft in die Pedale tritt und dabei drei Weltmeistertitel und zwei Europameistertitel eroberte.

Die Konkurrenz fürchtet Lakatas nimmermüde Eisenlunge und seinen starken Antritt, bei nur acht Prozent Körperfett kann er rund 420 Watt Leistung pro Stunde im Maximalbereich abrufen. Zum Vergleich, damit könnte ein kleiner Heizstrahler ein Zimmer locker auf 40 Grad aufheizen. „Solche Werte haben mir vor Jahren den Spitznamen ‚Albanator‘ eingebracht“, schmunzelt er über die Idee eines Teammanagers in Anlehnung an Arnold Schwarzeneggers Filmfigur „Terminator“, einen Roboter in Menschengestalt. Heute schreibt Lakata sogar Autogramme auf Plakate, die ihn in „Arnie-Manier“ mit einem zur Hälfte metallenen Gesicht zeigen. „Und doch war ich mit dem Spitznamen nicht glücklich“, gibt er zu.

Denn eigentlich wollte Lakata mehr als andere Hochleistungsathleten ein Mensch mit Ecken und Kanten bleiben. „Ich finde, du musst als Profisportler tolerant zu dir selbst sein und auch einmal einen über den Durst trinken, um dich zu belohnen“, ist einer seiner Grundsätze. „Wenn ich ein Eis essen will, tue ich es. Wenn du etwas wirklich willst, ist es auch gut für dich.“ Obwohl das Körpergewicht für den 78 Kilo schweren Radsportler stets enorm wichtig war, verzichtete der „Marathonmann“ auf detaillierte Speisepläne oder Nährwerttabellen und holt stattdessen lieber Kräuter und Salat aus dem eigenen Garten oder bäckt sich selbst eine Pizza. „Die gehört zu meinen Spezialitäten, ich koche gerne“, betont er.

Lakata wuchs in Osttirol auf, eingekesselt von hohen Gipfeln. „Die unbesiegbaren Berge haben mich geformt, mir einen bestimmten Charakter gegeben“, glaubt er. „Im Flachland bin ich verloren, da kann ich mich nicht orientieren.“ Doch irgendwo hat er die Disziplin gefunden, härter zu trainieren und die Schmerzgrenze weiter hinauszuschieben als andere. „Ich muss so trainieren und fahren, dass ich im Ziel völlig leer vom Rad kippe. Dann habe ich alles richtig gemacht“, schildert er.

Sein Zugang zur Trainingssteuerung mittels Intervalltraining funktioniert seit Jahren perfekt, nach einer durch Corona wild durchgebeutelten Saison mit vielen Absagen steht sie demnächst wieder auf dem Prüfstand. Am kommenden Wochenende startet er bei der Salzkammergut-Trophy in Bad Goisern (OÖ) sowie den heimischen Mountainbike-Marathon-Staatsmeisterschaften, ab dem 24. Oktober tritt er in der Türkei um seinen vierten Weltmeister-Titel in die Pedale. Seit mehr als einem Jahr ist Lakata im Team „Bulls“ unter Vertrag und möchte noch weitere vier Jahre im Leistungssport bleiben.

"Ich wollte immer ein Vorbild sein"
„Ich fühle mich auch mit 41 Jahren noch nicht bei 100 Prozent meines Leistungsplafonds“, sagt der Tiroler, der sich im Mountainbikesport bereits einen finanziellen Polster erstrampeln konnte und gerne als Berater oder Betreuer Fuß fassen würde. „Ich bin froh, dass es so ist, obwohl ich nie wegen des Geldes gefahren bin“, versichert er. Im Gegenteil, die Bedeutung seiner Trophäen sieht er woanders. „Alle meine Erfolge“, relativiert er nach 15 Jahren Profisport, „waren immer nur soviel wert, als ich Menschen hatte, die sich mit mir freuten.“ Seine Partnerin Anita, Sohn Fabian, 5, und Töchterchen Carla, 2, die im gemeinsamen Einfamilienhaus in Lienz leben und bei jedem Rennen mitfiebern, geben ihm Kraft. „Die Kinder verstehen das Ausmaß meiner Erfolge noch nicht, trotzdem wird ihre Bedeutung für mich verdreifacht, wenn ich sie daheim mit der Familie bei einem Glas Rotwein feiere.“

Dass inzwischen auch eine Mountainbike-Strecke am Schlossberg bei Lienz nach ihm benannt wurde, macht ihn ebenso stolz wie Burschen, die mit großen Augen zuhören, wenn Lakata in einer Schule über Erfahrungen im Leistungssport erzählt. „Für sie bin ich
heute ein Vorbild, ein Idol. Das wollte ich immer sein.“
Kreuziger
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