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Ausgabe Nr. 40/2020 vom 29.09.2020, Foto: Kerstin Joensson / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
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Markus Wolfahrt wurde am 1. Oktober 1960 in Bregenz (Vlbg.) geboren und gründete 1976 noch als Schüler die Band „Die jungen Klostertaler“. Der Durchbruch auf dem Schlagermarkt gelang der Gruppe beim „Grand Prix der Volksmusik“ mit dem Lied „An a Wunder hob i g‘laubt“ und Platz eins für unser Land.

Nach 34 Jahren als Frontmann begann Wolfahrt eine Solokarriere und veröffentlichte zwei Alben. Seit Ende 2018 steht er mit der Brassformation „Alpin KG“ auf der Bühne. Er ist Vater eines vierjährigen Sohnes und lebt in Bregenz.
"Mein kleiner Sohn Felix ist mein großes Glück"
Mehr als drei Jahrzehnte lang war Markus Wolfahrt mit der von ihm mitgegründeten Musikgruppe „Klostertaler“ erfolgreich. Die Vorarlberger prägten neben dem „Nockalm Quintett“ und den „Kastelruther Spatzen“ die volkstümliche Musik in unserem Land. Wolfahrt tritt heute als Solo-Künstler auf und feiert am 1. Oktober seinen 60. Geburtstag. Gebremst durch das Corona-Virus. Aber voller Freude über seinen vierjährigen Sohn, wie er im Gespräch mit der WOCHE-Reporterin Barbara Reiter verraten hat.
Herr Wolfahrt, als Musiker spüren Sie die Auswirkungen der Corona-Pandemie wahrscheinlich mehr als andere Menschen. Wie geht es Ihnen damit?
Ich habe die Situation mittlerweile akzeptiert – im Sinne von Respekt vor dem Virus, aber ohne Angst. Ich glaube aber, dass uns schon länger etwas verheimlicht wird, gleichzeitig bin ich froh, nicht alles zu wissen. Mich stört allerdings, dass das Schicksal von Berufsmusikern derzeit zu selten thematisiert wird. Die meisten haben einen Totalausfall. Trotzdem habe ich kürzlich in der Mitternachts-„Zeit im Bild“ des ORF einen Beitrag gesehen, in dem nur über die negativen Auswirkungen in der Veranstaltungs-Branche, bei Tonmeistern, Bühnenmeistern und Firmen, die Speisen liefern, berichtet wurde. Kein Wort wurde über Musiker verloren, was ich traurig finde.

Ihren 60er am 1. Oktober können Sie wohl auch nicht feiern?
Ich wohne in Bregenz (Vorarlberg) direkt am See und hatte für den 3. Oktober auf dem Schiff MS „Alpenstadt Bludenz“ eine wunderschöne Feier mit Familie, Freunden, Musik und Kabarett geplant. Nachdem nun nur noch zehn Personen zugelassen sind, musste ich die Party auf das Frühjahr verschieben.

Denken Sie sich manchmal: Was, schon 60?
Wenn ich 60 höre, erschrecke ich vor der Zahl. Denn ich fühle mich nicht danach. Ich habe die Corona-Zeit genützt, um meine Gesundheit zu verbessern, verlor Gewicht und fühle mich zehn Jahre jünger.

Seit dem Ende der erfolgreichen Gruppe „Klostertaler“ im Jahr 2010, deren Mitbegründer und Sänger Sie waren, sind Sie als Solo-Künstler unterwegs. Wie viele Auftritte hatten Sie in diesem Jahr?
Ich denke, es waren drei. Es trifft mich aber sicher nicht so hart wie andere Kollegen, da ich mir in den erfolgreichen Jahren mit den „Klostertalern“ etwas auf die Seite legen konnte. Ich habe aber die Zeit, in der ich nicht auf die Bühne konnte, genutzt, um mir ein zweites Standbein aufzubauen. Ich habe in Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten eine CD aufgenommen, die zwischen Affirmation und Meditation liegt. Affirmationen sind Beteuerungen, Bejahungen wie: „Ich nehme mir Zeit für mich und meine Bedürfnisse.“ Der Psychotherapeut sagt, drei Viertel seiner Patienten hätten Schlafstörungen, dagegen hilft nicht nur die Pharmaindustrie. Die Wirkung der Worte auf dem neuen Werk wird verstärkt von Musik und Klangwolken, die im richtigen Frequenzbereich liegen. Es kommt im Herbst auf den Markt, eine neue, interessante Welt für mich.

Wünschen Sie sich speziell in schwierigen Zeiten nicht doch insgeheim manchmal die erfolgreichen Jahre mit den „Klostertalern“ zurück?
Ich bin dankbar für das, was ich gehabt habe, verbunden mit Demut, weil das alles nicht selbstverständlich war. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und haben auch die richtige Zeit zum Aufhören erwischt. Ich hadere keine Sekunde, auch, weil sich die Musikbranche immer mehr wandelt.

Seit sich die „Klostertaler“ aufgelöst haben, sind zehn Jahre vergangen. War es schwierig für Sie, als Solokünstler danach wieder kleinere Brötchen zu backen?
Im Gegenteil. Die „Klostertaler“-Zeit war arbeits-intensiv, weil ich Bandleader war und wir zwei Drittel des Jahres unterwegs gewesen sind. Deshalb habe ich die weniger stressige Zeit danach genossen. Ich konnte privat vieles umsetzen, was mir vorher unmöglich war. Ich habe sieben Geschwister und konnte nie bei ihren Geburtstagen dabei sein. Das sind Kleinigkeiten, die mir aber viel wert sind.

Die größte Veränderung nach den „Klostertalern“ war aber sicher die Geburt Ihres Sohnes vor vier Jahren. Wie geht es Ihnen, mit bald 60 Jahren Vater eines Kleinkindes zu sein?
Wer keine Kinder hat, kann nicht erahnen, was diese Liebe bedeutet. Bis Felix auf die Welt kam, kannte ich das auch nicht. Und ich meinte, mich da gut hi-neinfühlen zu können, weil ich auf der sensiblen Seite des Menschseins angesiedelt bin. Natürlich bin ich manchmal fertig am Abend, wenn er zwei Tage bei mir ist. Das ist schon eine Herausforderung, aber eine wunderschöne. Du brauchst einen Plan und kannst nicht in den Tag hineinleben. Felix hat eine unglaubliche Energie und lässt nicht locker. Aber das ist keine Anstrengung, sondern pures Glück. Ich habe mir lange ein Kind gewünscht, lange vergeblich. Als es im Jahr 2016 endlich so weit war, empfand ich größtes Glück und größte Liebe.

Sie und Ihre Partnerin Chri­s­tine waren 15 Jahre zusammen. Warum haben Sie sich getrennt, obwohl sie doch Eltern geworden sind?
Felix ist in der Trennungsphase entstanden. Wenn ich zurückschaue, kann ich zugeben, dass ich einen großen Fehler gemacht habe, der sich in der Trennung ausgewirkt hat. Deshalb bin ich überaus glücklich, dass wir stattdessen nun unsere wunderbare Elternschaft ausleben können.

Lebt Felix mit seiner Mutter weit entfernt?
Ich könnte mir vorstellen, noch einmal zu bauen. Am besten in der Nähe von Felix, damit er mit dem Rad zu mir fahren kann. Im Moment wohnen wir 35 Fahrminuten voneinander entfernt. Christine und Felix waren im Sommer oft bei mir, ich bin immer am Montag, Mittwoch und am Wochenende bei ihnen. Das ist nicht selbstverständlich und es macht mich glücklich, dass das möglich ist.

Sind Sie zu Ihrem Geburtstag wunschlos glücklich?
Ach, ich möchte gesund bleiben, gerade im Hinblick auf meinen wunderbaren Sohn. Ich möchte noch viele Jahre mit ihm gemeinsam erleben und vielleicht auch sehen, wie er selbst einmal Familie hat.
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