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Ausgabe Nr. 38/2020 vom 15.09.2020, Foto: stock.adobe.com/Kirill
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Eine neue Sauerei auf den Bergen macht ein Sackerl fürs Gackerl der Wanderer nötig.
Ein Sackerl fürs Gackerl der Wanderer
Wer auf die Berge will, sucht Erholung in der unberührten Natur und in der Einsamkeit. Doch Massenwanderungen machen die Einsamkeit zuweilen unmöglich und unberührt ist die Natur auch nicht mehr, weil die Touristen immer hemmungsloser ihre Notdurft am Berg verrichten. Der Alpenverein fordert daher auch für Wanderer ein Sackerl fürs Gackerl.
Auf den Bergen stinkt ein Thema zum Himmel, das Verantwortlichen schon längst nicht mehr „Wurst“ ist. Bergführer Benjamin Stern, 32, der beim Alpenverein für Naturschutz zuständig ist, nennt es ein Tabuthema, über das nicht gerne gesprochen wird.

„Wir haben aber befunden, dass es an der Zeit ist, über die Toilette am Berg zu reden“, sagt er. Notwendig gemacht hat das die wachsende Zahl von Wanderern auf den Bergen, mit der auch „das Problem“ unübersehbar zugenommen hat. Taschentücher, die den Wegesrand säumen, Exkremente von Menschen und Tieren, die hinter Stadln und Hütten sowie neben Pfaden und Gewässern für eine Gefährdung des Ökosystems und dicke Luft sorgen – vor allem bei Umweltschützern. Denn eines hat sich gezeigt – nicht nur mehr menschliche Exkremente liegen auf den Bergen herum, weil auch immer mehr Menschen in die Berge strömen. Die Wanderer sind nicht gut ausgerüstet für den Fall der Fälle. Statt Klopapier kommen Taschentücher zum Einsatz. Was wiederum schlecht für die Natur ist.

Taschentücher verrotten in fünf Jahren
„Dazu sollten all jene, die ihre Notdurft in der Natur verrichten, wissen, dass es bis zu fünf Jahre dauern kann, ehe Taschentücher verrotten. Sie müssen nur an reißfeste Taschentücher denken, die sogar die Waschmaschine überleben. Da kann sich jeder vorstellen, wie lange die in der Natur liegenbleiben.“

Klopapier hingegen, so Stern, verrotte innerhalb weniger Wochen. „Es kommt allerdings auf die Höhe an. Je weiter oben und kälter, desto länger dauert der Verrottungsprozess.“ Um ein Umdenken herbeizuführen, hat der Alpenverein mit Partnern deshalb Richtlinien erstellt, die Wanderern Verhaltensänderungen erleichtern sollen, gereiht nach Wichtigkeit. „An erster Stelle steht, auf seinen Körper zu hören und sein Geschäft zur rechten Zeit zu erledigen“, meint der Experte.

Es gilt also, Toiletten zu nutzen, wenn sie vorhanden sind. Wer dennoch vom eigenen Verdauungssystem überwältigt wird, sollte Abstand zu Bächen, Seen und Tümpeln halten, Klopapier verwenden, das im Rucksack mitgeführt wird. Das Beste wäre natürlich, ein Sackerl fürs Gackerl mitzunehmen, um die Notdurft erst wieder im Tal zu entsorgen.

„Wir wissen natürlich, dass das nicht immer möglich ist. Dann plädieren wir dafür, seine Notdurft einzugraben oder unter Steinen zu verstecken. Das Schlechteste wäre, das Sackerl mit Inhalt liegenzulassen, wie es bei Hunden oft der Fall ist.“

Notwendig gemacht haben diese Maßnahmen zunehmende Meldungen von Hüttenwirten und Bauern. „Das Problem gibt es überall, wo Wanderer unterwegs sind.“ Immer wieder sorgen Wanderer aber auch aus anderen Gründen für Gesprächsstoff. Zuletzt eine russische Touristin, die in der Schweiz am zerklüfteten Grenzgletscher unweit der Monte-Rosa-Hütte in kurzen Hosen ohne entsprechende Ausrüstung spazieren gegangen war. Was sie dabei übersah, war eine Gletscherspalte, in der sie zwei Tage und zwei Nächte ausharren musste, ehe sie zum Glück unverletzt
geborgen werden konnte. Damit so etwas nicht passiert, empfiehlt Stern das richtige Schuhwerk mit Profilsohle und eine Planung im Vorfeld der Tour: Wie lange bin ich unterwegs und was sind die Schwierigkeiten, die auf mich zukommen könnten?
„Demensprechend muss ich dann meine Ausrüstung zusammenstellen.“

Benjamin Stern vom Österreichischen Alpenverein erklärt, wie die richtige Ausrüstung für eine Tageswanderung aussieht und in den Rucksack kommen sollte:
  • Regenschutz
  • Jacke, falls es kühler wird
  • Sonnenbrille
  • Schildkappe
  • Sonnenschutz Faktor 30
  • Schweißband
  • Haube
  • Handschuhe
  • Mobiltelefon
  • Erste-Hilfe-Set
  • Maske
  • Desinfektion
  • Stirnlampe
  • Wanderkarte
  • Wasserflasche
  • Jausenbox mit Riegel und Apfel (wahlweise kann der Proviant auch in wiederverwendbares Wachspapier eingepackt werden)
Das richtige Schuhwerk versteht sich von selbst. Für Mehrtagestouren ergänzt Benjamin Stern die Packliste um einen Schlafsack für die Hüttenübernachtung und Klopapier.
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