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Ausgabe Nr. 36/2020 vom 01.09.2020, Fotos: Getty Images, zVg
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Linien und Furchen in unserem Gesicht sind nicht immer nur ein Zeichen des Älterwerdens.
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TCM-Ärztin Mag. Shi Chun Wen.
Ein krankes Herz legt die Stirn in Falten
Lachen, Kummer, UV-Licht und die Zeit hinterlassen Spuren im Gesicht, natürliche Falten und charmante Fältchen. Tiefe, deutlich sichtbare Falten können eine zusätzliche Ursache haben. Sie können ein Hinweis auf gestresste, geschwächte oder erkrankte Organe sein.
Die französische Ärztin Dr. Yolande Esquirol von der Universitätklinik Toulouse sorgte für eine kleine Überraschung, als sie wissen ließ, „Menschen mit deutlichen Falten auf der Stirn können ein erhöhtes Risiko haben, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben.“

Die medizinische Forscherin hatte 3.200 gesunde Erwachsene auf die Anzahl ihrer Stirnfalten hin untersucht, sie je nach dem Ergebnis in Untergruppen eingeteilt und 20 Jahre lang begleitet. Die Erkenntnis, Studienteilnehmer mit den meisten Stirnfalten hatten ein zehn Mal erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu jenen ohne Stirnfalten.

Vermutlich sei Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“) oder eine Verhärtung der Blutgefäße durch Ablagerungen an der Faltenbildung beteiligt. „Blutgefäße in der Stirn sind klein und reagieren möglicherweise sensibler auf die Ablagerungen. Sie könnten ein früheres Zeichen von Gefäßalterung sein“, erklärt Dr. Esquirol.

Der amerikanische Arzt Sanders Frank stellte bereits in den 1970er Jahren fest, dass es einen Zusammenhang zwischen der diagonalen Ohrläppchenfalte bei Männern und der Herzgesundheit geben kann. Auch einige neue Studien weisen darauf hin, dass diese Falte mit hoher Wahrscheinlichkeit das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung anzeigt.
Die Haut als Spiegel der inneren Gesundheit
Den Spuren der Gesichtshaut-Diagnose folgt auch die australische Hautexpertin Emma Hobson, Leiterin des International Dermal Institute (= Hochschule für professionelle kosmetische/medizinische Hautpflege) mit Sitz in Kalifornien (USA). Querfalten auf der Stirn, im Volksmund „Sorgenfalten“ genannt, treten etwa bei Stress, Unruhe und Sorgen auf. Für Emma Hobson hat ihr Auftreten noch einen anderen Grund.

„Die obere Stirn ist mit der Blase verbunden. Falten in dieser Zone sprechen dafür, dass das Organ lange gestresst war oder Infektionen aufgetreten sind.“ Falten und Irritationen auf der unteren Stirn können für Nahrungsmittelunverträglichkeiten sprechen. Sind die Probleme akut, treten sogar Pickel oder Ausschlag auf.

Die Haut-Expertin weiß, die Gesichtshaut-Diagnostik ist in der Schulmedizin umstritten. Dennoch sind für die Expertin Hautveränderungen wie Pickel und dunkle Schatten stets Zeichen für gesundheitliche Probleme im Inneren des Körpers. So auch Falten.
Äußerst faltenreich ist die Nasen-Mund-Zone
„Krähenfüße an den äußeren Augenwinkeln können auf Entgiftungsprobleme hindeuten. Die Augen sind die ‚Schwesternorgane‘ der Leber, deren Aufgabe es ist, das Blut zu reinigen und den Körper von Giftstoffen zu befreien. Zu viel Alkohol und ungesunde Ernährung verstärken diese Falten“, sagt Hobson. Eine Ernährung ohne Alkohol, mit wenig Fett und wenig Zucker, dafür mit probiotischen Joghurts, Ingwer, Kurkuma und Petersilie kann „Krähenfüße“ mildern.

Eine ausgepägte Faltenzone ist spätestens im Alter der Nasen-Mund-Kinn-Bereich. Gesichtsdiagnostiker erkennen in einer Querfalte an der Nasenwurzel eine geschwächte Milz und Bauchspeicheldrüse. Eine geschwächte Leber manifestiere sich auch in einer tieferen rechten Nasolabialfalte, heißt es. Ist sie auf der linken Seite stärker, kann das Probleme mit der Bauchspeicheldrüse anzeigen. Ein gerader Verlauf der Nasen-Lippen-Falten zu den Mundwinkeln weise auf ein Nachlassen der Herzkraft hin. Ein beidseitig halbkreisförmiger Verlauf signalisiere eine Darmschwäche.

Kritiker der Gesichtsdiagnose verweisen auf mangelnde Studien, welche die Zusammenhänge bestätigen. Doch seriöse Studien wie von Dr. Esquirol zeigen, die Haut ist ein Spiegel unserer inneren Gesundheit.

„Die Antlitzdiagnose ist eine der ältesten Diagnoseformen“
Wie Falten in der TCM interpretiert werden
Stirnfalten: Oft ein Hinweis auf Schlafstörungen, die meist durch eine Nieren-Qi-Schwäche auftreten.
TCM-Tipp: Vor dem Schlafengehen ein heißes Fußbad für 20 Minuten einlassen und danach die Fußsohlen massieren.

Falten zwischen den Brauen: Zeigen einen Leber- und Herz-Qi-Stau. Oft bei nachdenklichen Menschen und Menschen, die nicht gelassen sind.
Tipp: Regelmäßig Rosentee trinken, mehr Bewegung im Freien (Meridianbewegung, Tai Chi, Qigong).

Augenfältchen bei der Schläfe: Hinweis auf Nieren-Qi-Schwäche. Die Patienten haben öfters Kreuzschmerzen, eine allgemeine Schwäche und Müdigkeit, aber auch Tinnitus.
Tipp: Trinken und essen Sie warm. Duschen Sie warm, um das Nieren-Qi wieder aufzubauen und achten Sie auf genügend Schlaf.

Falten unter den Augen: Blasenmeridian-Schwäche und die Entgiftungsfunktion des Körpers ist geschwächt. Patienten haben oft geschwollene Beine, Blasenentzündung, Wasseransammlungen im Körper. Tipp: Trinken Sie mehr als bisher, verzichten Sie weitgehend auf Süßes, wenig Fleisch. Geeignet sind alle Arten von Bohnen und
Erdäpfel.


Nasenfalten: Die Herzmeridiane sind blockiert. Herzrasen, Druckgefühl auf der Brust, „Herzsprünge“. Tipp: Salbei- und Weißdorntee, kein Alkohol. Nicht mit vollem Magen Sport treiben oder ins Bett gehen.

Falten beim Mund: Leber-Qi-Stau und Magen-Milz-Schwäche. Die Patienten leiden manchmal an Depressionen und wiederkehrenden Magenschmerzen. Tipp: Achten Sie auf weniger Gereiztheit, gute Laune, ein warmes Frühstück, regelmäßig essen, kleine Portionen.

Falten an den Wangen: Deutet auf Probleme in den Blutgefäßen hin oder auf hohen Blutdruck.
Tipp: Tabak, Alkohol, scharfe Gewürze meiden, genügend trinken, täglich Gemüse und Obst essen, den Fleischkonsum einschränken.
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