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Ausgabe Nr. 31/2020 vom 28.07.2020, Fotos: Martin Schueller/picturedesk.com, ddp
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Barry Manilow, 77, gehört zu den erfolgreichsten Musikern. Er sitzt am liebsten daheim am Klavier.
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Sein luxuriöses Anwesen in Palm Springs (Kalifornien)
"Ich bin noch derselbe Typ, den Oma liebte"
Er schaffte in den 70er Jahren den Aufstieg in die Liga der größten Interpreten der Welt. Und mit Liedern wie „Mandy“ und „Copacabana“ Hits, die unvergessen bleiben. Dennoch blieb der gebürtige New Yorker Barry Manilow, 77, stets der gleiche bodenständige Mensch. Ein Mann, der nach wie vor nicht von seiner Leidenschaft lassen kann, der Musik.
Frank Sinatra war einer der Größten in der Showbranche. Ein Lob aus seinem Mund war, wie geadelt zu werden. Barry Manilow kam als einer der wenigen Künstler in diesen Genuss. „Er ist der Nächste“, meinte Sinatra über den jüngeren Kollegen und behielt recht. Manilow begeisterte das Publikum mit einfühlsamen Melodien, die ins Ohr gingen.

„Da ist eine Menge Hoffnung in den Liedern. Ein Funke des Gefühls, dass alles gut wird“, reflektiert Manilow seine Lieder. Dass er damit zwar populär in den Hitparaden war, aber von den Musikkritikern gerne belächelt wurde, kann ihm egal sein. Mit 80 Millionen verkauften Tonträgern gehört er zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlern der Welt. Für seinen Hit „Copacabana“, der noch heute Schwung in jede Feier bringt, erhielt er 1979 den höchsten Musikpreis, den „Grammy“. Im Jahr 2002 wurde er in die Ruhmeshalle der Texter aufgenommen, und einen eigenen Stern auf dem Hollywood „Walk of Fame“ hat er auch.

Der unter ärmlichen Verhältnissen in New York am 17. Juni 1943 geborene und aufgewachsene Künstler ist in seine Karriere regelrecht hineingestolpert. „Es klingt verrückt, aber ich wollte ja nie Sänger oder Entertainer sein. Das war das Letzte, was mich an der Musik interessierte. Meine Idole waren Menschen wie George Gershwin und Nelson Riddle. Ich wollte Lieder komponieren wie sie“, erinnert sich Manilow.

Anfangs schrieb er Musik für Werbefilme von McDonalds bis Pepsi – ein gutes Training. Um seine musicalbegeisterte Mutter zu erfreuen, überwand er seine Abneigung, wurde Pianist und Produzent der Sängerin Bette Midler, 74, und begann seine eigenen Lieder in ihrer Show zu singen – so wurden sie zumindest gehört. Als er dann selbst einen Vertrag als Künstler bekam, war Manilow überzeugt, dass es nicht funktionieren würde. Doch dann gelang ihm im Jahr 1974 der Hit „Mandy“ und sein Leben wurde auf den Kopf gestellt. „Am Anfang war ich nicht glücklich mit meiner neuen Rolle. Ich stand plötzlich im Rampenlicht. Aber nach all den Jahren liebe ich es.“

Die Musik bestimmt sein Leben, eine Ehe mit seiner einstigen Schulfreundin Susan Deixler hielt nur ein Jahr. „Wir waren einfach zu jung“, gesteht der Schmusesänger, den es in die weite Welt hinauszog. Vor allem aber an die andere Seite Amerikas. In die Wüstenstadt Las Vegas (US-Staat Nevada) und nach Palm Springs (US-Staat Kalifornien). Im Glücksspiel-Mekka hat der Blondschopf seine größten Erfolge gefeiert. Mehr als 1.200 Mal stand er dort auf der Bühne – viel öfter als Elvis Presley. Und in Palm Springs hat er sich ein 26 Hektar (das entspricht etwa der Fläche von 30 Fußballfeldern) großes Anwesen gekauft, auf dem er heute noch lebt. Ziemlich zurückgezogen. Ab und zu sehen ihn die Nachbarn beim Gassigehen mit seinen Hunden. „Ich säubere die Straßen vom Hundemist – das ist es, was die Musiklegende Manilow abseits der Bühne macht“, witzelt er und scheint glücklich. „Ich mag mein Haus und den Range Rover. Ich liebe meinen Lebensstil.“ Dass er im Herzen New Yorker geblieben ist, leugnet der 77jährige nicht. „Ich rede schnell, denke schnell, gehe schnell – das wird auch nie anders sein“, meint Manilow, der sich angeblich alle zwei Stunden seine Zähne putzt, aber sonst die meiste Zeit am Klavier in seinem Haus in Palm Springs verbringt. „Oder am Computer, wo ich meine Musik arrangiere. Ich bin heute eine Ein-Mann-Band. Und ich kann nicht genug davon bekommen.“ Nur zwei Mal musste er die Musik für kurze Zeit ruhen lassen, das war im Jahr 2006, als er sich einer Hüftoperation unterziehen musste und im Jahr 2018. Da zwang ihn eine starke Bronchitis ins Spitals-Bett. Ansonsten sucht er stets nach neuen Herausforderungen. Zwei Musicals hat er bereits geschrieben, eines basierend auf seinem Hit „Copacabana“, das andere mit dem Titel „Harmony“. Ein Stück über das Berliner (D) Vokalensemble „Comedian Harmonists“. Es soll im Jahr 2021 in der deutschen Hauptstadt aufgeführt werden. Wenn nicht das Corona-Virus wieder dazwischenkommt und alle Veranstaltungen zunichte macht. Wie es jetzt in Las Vegas der Fall war. Dort stand Manilow für eine Konzertreihe auf der Bühne, als virusbedingt abgebrochen werden musste.

Der Künstler will aber nicht nur mit seiner Musik dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, er will dies der jungen Generation ebenfalls ermöglichen. Deshalb gründete er vor zwölf Jahren die „Manilow Fund for Health and Hope“ Stiftung, zu der auch das „Manilow-Musik-Projekt“ gehört, dessen Ziel es ist, Musikstudenten mit Stipendien und alten Instrumenten auszustatten. „Ich bin überzeugt, dass Musik das Leben junger Menschen verändern kann. Wenn wir Kinder dazu bringen, ein Instrument zu erlernen, wird sie das zu besseren Menschen machen.“

Er sei das beste Beispiel dafür, meint er mit einem Schmunzeln. „Ich habe es geschafft, der Typ zu bleiben, den meine Oma liebte. Ich bin ein anständiger Mann, auf den meine Eltern und Großeltern stolz gewesen wären. Das ist das Wichtigste für mich.“
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