Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 25/2020 vom 16.06.2020, Fotos: picturedesk
Artikel-Bild
Die 41jährige Musikerin Norah Jones gibt ihren beiden Söhnen Unterricht daheim und ist erschöpft.
Artikel-Bild
Auf dem neuen Album ist das Thema „Liebeskummer“ weithin präsent.
„Ich sehne mich nach Einsamkeit“
In der Millionen-Metropole New York (USA) ist das Leben derzeit nicht einfach. Erst legte das Corona-Virus das Leben monatelang lahm, jetzt machen Demonstranten gegen rassistische Polizisten die Nacht zum Tag. Norah Jones hat in ihrer Wohnung im Stadtteil Brooklyn all die Schrecken miterlebt. Und jetzt das Album „Pick Me Up Off The Floor“ veröffentlicht. Es klingt noch düsterer, als wir es von der 41jährigen Künstlerin, die Mutter eines sechs und eines vier Jahre alten Sohnes ist, gewohnt sind. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit ihr über die Geschehnisse der vergangenen Wochen gesprochen.
Frau Jones, in einem Gespräch vor vier Jahren haben Sie die damals noch als wenig wahrscheinlich geltende Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten als „Horrorszenario“ bezeichnet. Was glauben Sie, wird dieser „Horror“ nach der US-Wahl im Herbst vorbei sein?
Ich würde gerne eine einfache Antwort geben, aber es exis-
tiert leider keine. Um ehrlich zu sein, weiß niemand, ob die Farce im November wirklich beendet sein wird. Es gibt so viele Unwägbarkeiten.

Überrascht es Sie, wie seine Präsidentschaft bislang verlaufen ist?
Ja und nein. Ich gehöre zu den Menschen, die es bis heute nicht fassen können, dass jemand wie er ein ganzes Land führen kann. Und er kann es ja auch nicht. Trump agiert mit Getöse und Aggression, aber das ist doch kein Regieren. Er hat es tatsächlich geschafft, meine Erwartungen im negativen Sinne noch zu übertreffen. Diese vier Jahre Trump liefen wirklich noch viel frustrierender und schlimmer, als ich es für möglich gehalten hätte.

New York, die Stadt, in der Sie leben, hat schwere Monate hinter sich. Erst Corona, jetzt die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Wie ist die Atmosphäre aktuell? Hellt sich die Stimmung ein wenig auf?
Nur zögerlich. Da draußen ist es immer noch dunkel und eigenartig, obwohl langsam der Sommer Einzug hält. Ich habe das Gefühl, irgendetwas lauere in den Straßen, was ja irgendwie auch so ist. Ich war die ganze Zeit nur wenig außer Haus. Ich habe die Geborgenheit meines Heimes als etwas Komfortables empfunden. Es drängt mich auch jetzt noch nicht auf die Straße. Ich fühle mich seit Wochen ängstlich und traurig.

Sind Sie Ihren beiden Söhnen eine begabte Heimlehrerin?
Meine Kinder sind sechs und vier und überhaupt nicht begeistert von meinen Qualitäten (lacht). Ich versuche, im Großen und Ganzen die beiden davon abzuhalten, mich in den Wahnsinn zu treiben. Wir sind ja jetzt wirklich ohne Unterbrechung zusammen, und die Schule hat uns extra eingebläut, den Kindern etwas beizubringen. Na ja. Sagen wir, ich gebe mein Bestes …

Bringen Sie ihnen doch das Klavierspielen bei …
Theoretisch ist das eine gute Idee. Nur leider stehen die beiden nicht aufs Klavierspielen, auch wenn ich sie nach Kräften versuche zu motivieren.

Auf Ihrem neuen Album „Pick Me Up Off The Floor“ ist viel von Liebeskummer die Rede. „Heartbroken. Day After“, „Hurts To Be Alone“ oder „How I Weep“ klingen nicht sehr fröhlich. Ist etwas mit Ihrer Ehe nicht in Ordnung?
Nicht alles, was ich singe, entspricht auch meiner Lebenswirklichkeit, ich möchte darauf auch nicht näher eingehen. Wir alle erleben immer wieder Situationen, die uns dem Liebeskummer nahebringen. Selbst innerhalb einer grundsätzlich funktionierenden Beziehung ist nicht immer alles rosig.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung