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Ausgabe Nr. 24/2020 vom 08.06.2020, Foto: Instagram
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Auch mit 55 Jahren noch attraktiv. Gerade hat Shields einen neuen Werbevertrag unterschrieben.
„Beweg deinen fetten Hintern“
Der Herrschaft ihrer trunksüchtigen Mutter konnte sich Brooke Shields lange nicht entziehen. Und es bedurfte mehrerer künstlicher Befruchtungen, ehe die Schauspielerin Mutter wurde. Heute ist sie Produzentin und nach wie vor Modell.
Sie kann es sich leisten, leicht bekleidet in die Kamera zu lächeln. Selbst mit 55 Jahren noch. Brooke Shields ist nach wie vor ein gefragtes Modell. Doch der Druck ist aus ihrem Leben verschwunden. Der Druck, funktionieren zu müssen, nach dem Willen ihrer alkoholkranken Mutter Teri Shields, die ihre Tochter bereits im Babyalter nackt vor der Kamera posieren ließ. Es war der Beginn eines Lebens, in dem eines wichtig war – immer schön zu sein.

Als Schauspielerin ist die Mutter kläglich gescheitert, deshalb legte sie all ihre Energie in die Karriere ihrer Tochter, die am 31. Mai 1965 in New York (USA) zur Welt kam. Mit der Sucht seiner Frau kam Francis Shields nicht zurecht, deshalb setzte er sich ab, als die Tochter fünf Monate alt war. Wenn dann Mutter Teri zu ihren nächtlichen Sauftouren aufbrach, ließ sie ihr Töchterchen allein zu Hause. „Ich fühlte mich im Stich gelassen“, erinnert sich Brooke Shields. „Mein Elend wurzelte in der Unfähigkeit meiner Mutter, mit dem Trinken aufzuhören. Jedes Mal, wenn sie trank, verließ sie mich. Sie half mir auch nicht, Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden. Betrunken rief sie: ,Beweg deinen fetten Hintern!‘ und ich dachte von da an, ich hätte einen dicken Hintern.“

Mit diesem rauen Ton drängte die Mutter ihre Tochter auch zur Werbung und zum Film. Geld musste hereinkommen, damit sie sich ihre Sucht finanzieren konnte. Den Lebensstandard wollte sie nebenbei ebenfalls anheben. Deshalb war sie einverstanden, ihre Tochter im Alter von elf Monaten nackt für eine Seifen-Werbung ablichten zu lassen.

Nur zwölf Jahre alt, stand Brooke Shields ohne Kleider im Film „Pretty Baby“ als Kinder-Prostituierte vor der Kamera. Zwei Jahre später zeigte sie sich leicht bekleidet in „Die blaue Lagune“, gestrandet auf einer einsamen Insel. Der Film machte sie weltweit bekannt und brachten ihr gutbezahlte Werbeverträge ein. Bereits mit 14 Jahren prangte sie von den Titelseiten der größten Modemagazine der Welt. „Während sich andere Kinder zum Spielen trafen, machte ich Aufnahmen für Kataloge.“

Ihre Mutter hatte auch nichts dagegen, dass die dunkelblonde Tochter als Fünfzehnjährige auf Werbeplakaten in hautengen Jeans erschien, ihr rotes Hemd nur von einem Knopf zusammengehalten. Daneben stand der zweideutige Schriftzug: „Willst du wissen, was zwischen mich und meine Jeans kommt? Nichts.“

Wird die Schauspielerin heute darauf angesprochen, ob sie sich für diese Nacktaufnahmen schäme, meint Shields: „Nein, nicht im Geringsten. Ich war so jung, dass ich nichts dabei fand. Ich war sogar stolz darauf. Die Jeans von damals habe ich noch und sie sogar kürzlich anprobiert. Sie passen noch, sitzen aber nicht mehr bequem.“

Die freizügigen und skandalösen Darstellungen von Broooke Shields läuteten freilich eine erfolgreiche Karriere ein. Die 55jährige trat in mehr als 60 Filmen auf und stand für 200 Folgen von Fernseh-Serien vor der Kamera. Mittlerweile ist sie selbst als Produzentin im Filmgeschäft erfolgreich.

Wobei es lange gedauert hat, sich dem Einfluss der diktatorischen Mutter zu entziehen. Erst flüchtete sie zu Michael Jackson, der von ihr sagte, sie sei die Liebe seines Lebens gewesen, weitere Techtelmechtel folgten. Doch durch ihre Heirat mit dem früheren Tennis-Champion Andre Agassi gelang es ihr, sich dem Einfluss der Mutter zu entziehen. Die Ehe hielt allerdings nur zwei Jahre. „Er war ein guter Mann, leider hatte er einen Dämonen, vor dem ich mich fürchtete“, erinnert sich Shields. Agassi nahm damals Drogen.

Dauerhaftes Glück fand die Darstellerin schließlich im Jahr 2001. Da feierte sie Hochzeit mit dem Drehbuchschreiber Chris Henchy, 56. Er half ihr, den geistigen Verfall ihrer Mutter zu bewältigen, die am Ende ihre Tochter nicht mehr erkannte und im Jahr 2012 starb.

Es war nicht der einzige Verlust, den Brooke Shields verkraften musste. Mit 36 Jahren erlitt sie eine Fehlgeburt und war dem Selbstmord nahe. Dennoch wollte sie Kinder. „Ich brauchte sieben Versuche mit künstlicher Befruchtung, bis ich schwanger wurde.“ Tochter Rowan, 16, folgte dann noch Tochter Grier, 13, die das Familienglück vollkommen machte. Die beiden sind stolz auf ihre schöne Mutter. „Sie ermutigen mich immer wieder, als Modell zu arbeiten“, meint Shields
lachend, die derzeit ihre Memoiren schreibt. Außerdem liegen daheim im herrlichen Backsteinhaus im New Yorker Stadtteil Greenwich Village jede Menge Film-Skripte zur Ansicht. Acosta/Kauck
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