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Ausgabe Nr. 21/2020 vom 18.05.2020, Fotos: www.charakter.photos/Philipp Monihart, Parlamentsdirektion/Photo Simonis
Mario Pulker, Sepp Schellhorn
Können die Wirte jetzt aufatmen?
Seit dem 15. Mai sind die Wirtshäuser wieder offen. Allerdings mit Einschränkungen. Sperrstunde ist spätestens um 23 Uhr und die Tische müssen in der Regel einen Meter auseinanderstehen. Ein 500-Millionen-Euro-Paket soll den Wirten jetzt helfen. Die Mehrwertsteuer auf nicht-alkoholische Getränke wird bis Jahresende etwa von 20 auf zehn Prozent gesenkt, die Schaumweinsteuer abgeschafft, die steuerliche Absetzbarkeit von Geschäftsessen verbessert.
JA: Mario Pulker,
Fachverbands-Obmann Gastronomie:

„Die Gastronomie gehört zu den Branchen, die am längsten und am härtesten von dieser Krise betroffen sein wird – und das unverschuldet. Deshalb hat sich die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bei der Regierung für ein Extra-Paket eingesetzt, das – gerade rechtzeitig zur Wiederöffnung der Lokale – auf den Weg gebracht wurde.
Darin wurden Forderungen umgesetzt, für die wir uns schon lange Zeit eingesetzt haben. Zu den Kritikern: Man sollte jetzt einmal Dankbarkeit zeigen und nicht immer sofort laut schreien. Es ist klar, dass es keine hundertprozentige Umsatzentschädigung geben wird, aber die Hilfen reichen von der persönlichen Existenzsicherung bis zur Kurzarbeit und jetzt eben das Gastro-Paket. Für manche sind auch diese Hilfen möglicherweise zu wenig, weil der Lock-Down sie massiv getroffen hat. Aus gesundheitspolitischer Sicht war das rasche Handeln der Regierung richtig und notwendig. Das zeigen auch die Beispiele von Ländern, die nicht so restriktiv vorgegangen sind. Dort steigen nach wie vor die Infektionszahlen – und vergleichbare Hilfs-Pakete gibt es auch nicht.“

NEIN: Sepp Schellhorn,
NEOS-Wirtschaftssprecher, Gastronom:

„Dieses 500-Millionen-Euro-Paket ist eine reine PR-Show. Das ist so, wie wenn man einem starken Allergiker ein Taschentuch reicht und hofft, es wird alles gut. Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber es müssten ganz andere Mechanismen greifen. Am wichtigsten wäre bei Betrieben, die Beschäftigte haben, den Faktor Arbeit
dramatisch zu entlasten. Die Arbeitskosten zu senken, damit die Mitarbeiter mehr verdienen und weniger kosten. Das fordern wir schon seit Längerem und es wäre der größte Hebel, die Menschen auch wieder in Beschäftigung
hineinzubringen. Meines Erachtens wurde hier ein
populistisches Instrument wieder einmal in einer
Pressekonferenz verkündet, und es zeigt sich, dass keine Praktiker am Tisch sitzen. Ich als Praktiker habe mir das sofort angeschaut und gesehen, das wird ein Problem werden. Ich hoffe, dass möglichst wenige Betriebe zusperren müssen, aber viele werden Liquiditätsprobleme
und Engpässe haben. Tatsache ist, die Wirte alleine können es nicht stemmen und hier braucht es viel mehr als ein
populistisches Angebot.“
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