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Ausgabe Nr. 20/2020 vom 12.05.2020, Fotos: Robert Maybach, Bavaria Luftbild Verlag, zVg
Chef Walter Scherb jun., 30, führt einen der größten Lebensmittelproduzenten unseres Landes.
Honigmayr, Auer-Blaschke und Gasteiner gehören zur Spitz-Gruppe.
„Wir haben Kurzarbeit nur selektiv verwendet“
Walter Scherb jun. führt die Firma Spitz in der dritten Generation. Auch an dem Familienunternehmen ist die Corona-Krise nicht völlig spurlos vorübergegangen. Nach der Öffnung der Gasthäuser rechnet der 30jährige mit wahrscheinlich „verhaltenen Besucherzahlen“.
Herr Scherb, in der Lebensmittelindustrie gab es zuletzt Licht und Schatten. Einerseits Hamsterkäufe in den Supermärkten, andererseits ist dieGastronomie weggefallen. Was dominiert bei Spitz, Licht oder Schatten?
Wir sehen beide Effekte bei uns. Der Vorteil ist, dass die Gastronomie nur ungefähr 15 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Den größeren Teil macht der Lebensmittelhandel aus, wo wir wechselhafte Umstände gefunden haben. Im März gab es zwei Wochen, vor allem mit den Hamsterkäufen, da war es schwierig, mit der Produktion nachzukommen. Das hat sich wieder beruhigt.

Haben Sie Mitarbeiter kündigen oder in Kurzarbeit schicken müssen?
Wir haben Kurzarbeit nur äußerst selektiv verwendet. Etwa für Mitarbeiter im Gastronomievertrieb. Aber auch dort haben wir gesagt, wir machen das so kurz wie möglich. Kündigungen sind bei uns aufgrund von Corona kein Thema.

Ab 15. Mai dürfen die Gastwirte wieder aufsperren. Sind Sie optimistisch?
Die Lockerung ist wichtig, um ein Zeichen zu geben. Aber wir gehen nicht davon aus, dass die Gastronomie sich von 0 auf 100 wieder erholt. Vor allem, weil viele große Konzerte und Veranstaltungen gar nicht stattfinden werden können. Die Gastwirte werden wahrscheinlich mit verhaltenen Besucherzahlen rechnen müssen. Das haben wir jedenfalls jetzt so einmal in unsere Projektionen einfließen lassen.

Gab es bei Ihnen Änderungen in der Produktion aufgrund der Corona-Krise?
Ein Meter Abstand ist meist gut einzuhalten. Die Hygienemaßnahmen sind bei uns sowieso streng, das war eine gute Ausgangsbasis. Zudem haben wir große Produktionshallen. Bei einer Anlage, die rund 30 Meter lang ist, sind vielleicht drei bis fünf Mitarbeiter. In der Verwaltung haben wir das „Homeoffice“ ausgeweitet. Bis zu 220 Mitarbeiter können es nutzen.

Haben es Familienbetriebe auf dem Lebensmittelmarkt jetzt leichter als Großkonzerne?
Vor einigen Jahren hätte ich wahrscheinlich nein gesagt. Aber in Zeiten wie diesen und das ist jetzt nicht nur Corona-bedingt, sind Regionalität und das Vertrauen der Menschen ganz entscheidend. Die Konsumenten wollen wissen, woher kommt das Produkt, wer steckt dahinter, welche Werte stecken dahinter. Und das kann ich als Familienunternehmen viel besser zum Ausdruck bringen als ein großer multinationaler Konzern.

Sie produzieren im oberösterreichischen Attnang-Puchheim …
Wir stellen ausschließlich in Österreich her und haben drei Standorte. Der größte ist in Attnang-Puchheim von Spitz. „Gasteiner Mineralwasser“, das auch zu uns gehört, produziert in Bad Gastein (S), die Firma Honigmayr in Tenneck (S). In Attnang haben wir ungefähr 800 Mitarbeiter, und in den anderen beiden sind es jeweils 30 bis 35. Wir versuchen auch, wo es möglich ist, mit regionalen Rohstoffen zu arbeiten.

Hat Ihre Familie jemals überlegt, Produktionsstandorte in billigere Länder auszulagern?
Nein, aus dem einfachen Grund, dass wir möglichst hochwertige Technologien im Unternehmen haben wollten. Wir brauchen Mitarbeiter, die sehr gut trainiert und geschult sind und die finden wir hier.

Sie liefern rund die Hälfte Ihrer Produkte ins Ausland. Ist der Energy-Drink „Power Horse“ dort am meisten nachgefragt?
Am meisten exportieren wir tatsächlich aus dem Getränkebereich. Da sind Energy-Drinks ein wichtiger Aspekt. Wir stellen sie einerseits für „Power Horse“ her, unsere eigene Marke, aber auch für Eigenmarken unserer großen Kunden in Deutschland, Italien oder der Schweiz.

Spitz stellt viele Hausmarken für Supermarkt-Ketten her. Wäre es Ihnen lieber, wenn auf jedem Ihrer Produkte groß „Spitz“ draufstehen würde?
Das ist unser Geschäftsmodell, die Eigenmarken der Handelsketten machen bei uns den Großteil der Umsätze aus, um die 70 Prozent. Darauf sind wir stolz und wir haben lange Partnerschaften. Überall dort, wo wir es dürfen, schreiben wir „Spitz“ als Produzenten drauf, egal, ob es eine Eigenmarke des Handels ist oder nicht. Denn wir glauben, dass es von den Konsumenten als Qualitätssymbol wahrgenommen wird.

Sie haben als Ferialpraktikant die Schnapskessel in der Firma geputzt. Gibt es auch Generationen-Konflikte im Familienunternehmen?
In Familienunternehmen generell definitiv. Es hängt aus meiner Sicht ein bisschen davon ab, wie gut sich die Generationen bei der Übergabe tun. Bei uns war das glücklicherweise leicht. Mein Vater hat sich anderen Themen in der Unternehmensgruppe gewidmet. Und das hat es leicht gemacht, im Endeffekt wurde ein externer Geschäftsführer durch ein Familienmitglied abgelöst. Dadurch waren viele Reibungskonflikte automatisch gelöst.

Von Spitz gibt es mehr als tausend Artikel, vom Senf bis zum Inländerrum. Haben Sie ein Lieblingsprodukt?
Ich bin auf der einen Seite natürlich mit unseren Waffeln und mit unseren Sirupen aufgewachsen und habe deswegen eine hohe emotionale Verbindung dazu. Aber ich habe immer mehr unsere anderen Getränke lieben gelernt, wie den Eistee oder unsere Dose von Gasteiner, die nur Wasser aus Gastein und frischgepressten Saft enthält.

Lebensmittel-Hersteller sind ja auch in der Freizeit mit dem Thema Essen und Trinken konfrontiert …
Wenn ich in einem Supermarkt bin, egal, ob im In- oder Ausland, schaue ich immer, wie wird ein Produkt inszeniert, welche Neuheiten und Trends gibt es? Das läuft fast schon unterbewusst mit. Im Urlaub wissen die Freunde schon, dass ich in den ersten Supermarkt abbiegen und da sicher eine halbe Stunde verbringen werde.

Zuletzt wurde eine Millionärssteuer gefordert, eine Vermögens- oder Erbschaftssteuer zur Krisenfinanzierung. Was halten Sie von der Idee?
Ich bin kein großer Anhänger von Substanzsteuern, weil diese Beträge ja bereits eine Besteuerung durchlaufen haben. Wobei es vom konkreten Vorschlag abhängen würde, der vorgelegt wird. Ich befürchte, dass es einfach dazu führt, dass viel Geld aus unserem Land abfließt. Es
muss andere Möglichkeiten geben, wie wir gemeinsam durch die Krise kommen. Ich sehe das schon durchaus als gemeinsames Projekt, bei dem jeder seinen Beitrag leisten sollte. Aber für Substanzsteuern bin ich nicht.
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