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Ausgabe Nr. 19/2020 vom 05.05.2020, Foto: dpa
Kann der Arm nicht mehr frei bewegt werden, sollte die Schulter untersucht werden.
Kranke Schulter heilt nicht von allein
Die Schulter ist ein einzigartiges, weil unser beweglichstes Gelenk. Das macht sie anfällig für Verletzungen, in jungen und in späteren Jahren. Schmerzt die Schulter, sticht es im Gelenk und lässt sich der Arm nicht richtig heben, muss die Schulter behandelt werden. Ein Chirurg verrät, welche Probleme hinter den Schmerzen und
anderen Symptomen stecken.
Schneeballschlachten, Ballspiele, einfach jedes Werfen wäre ohne Schultergelenke unmöglich. Sie sind eine Spezialkonstruktion, die uns eine einzigartig hohe Beweglichkeit in den Armen schenkt. Möglich macht es ihr komplexer Aufbau, wie Oberarzt Dr. Stefan Buchleitner, Hauptoperateur am Endoprothetik Zentrum des Herz-Jesu Krankenhauses in Wien, erklärt. „Unser Schultergelenk ist ein Kugelgelenk, doch sein Kopf ist im Vergleich zur Gelenkpfanne groß. Daher wird es von Muskeln, Bändern und Sehnen gehalten. Das erlaubt das komplexe Zusammenspiel von Kraft und Koordination.“

Die hohe Flexibilität macht es aber anfällig für Verletzungen und Abnützungen. So klagt jeder Dritte über Schulterbeschwerden. Was (meist) hinter den Schmerzen steckt, erklärt Dr. Buchleitner.
Ein Sehnenriss (der Rotatorenmanschette) –
wenig Kraft, Schmerzen in der Nacht

Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe von vier Muskeln, deren Sehnen zusammen mit Bändern eine derbe Sehnenkappe bilden, die das Schultergelenk umfasst. Ursache: Unfälle, Stürze, Vorerkrankung (etwa Kalkschulter), zu viel Sport. Symptome: Der Arm lässt sich nicht gut heben, es ist weniger Kraft im Arm. Ein Buch aus dem Regal zu nehmen oder die Haare zu kämmen, ist unmöglich. Schmerzen beim Liegen, in der Nacht. Feststellen der Diagnose: Ultraschall, MRT.

Behandlung: Mit der „Schlüsselloch“-Chirurgie (= kleinste Schnitte) kann eine frisch gerissene Sehne genäht werden. Ist das nicht mehr möglich, droht eine Arthrose (Gelenksabnützung). Nach dem Eingriff vier Wochen Schulter ruhigstellen, anschließend mit Heilgymnastik mobilisieren. Die Schulter kann danach wieder voll belastet werden.

Kalk in der Schulter –
die Kraft ist da, aber jede Bewegung schmerzt

Kalkablagerungen können in jedem Alter auftreten. Meist sind Patienten 40 bis 50 Jahre alt. Ursache: Schlechte Durchblutung der Sehne ermöglicht Kalkablagerung, diese kann sich abkapseln. Symptome: starke Schmerzen, verkleinerter Bewegungsumfang (Kalk ist Hindernis). Kein Kraftverlust, aber jede Bewegung schmerzt. Feststellen der Diagnose: Ultraschall, Röntgen.

Behandlung: Injektionen bei kleineren Kalkdepots (etwa Kortison). Muss der Kalk operativ entfernt werden, ist danach keine Ruhigstellung der Schulter notwendig. Heilgymnastik, damit Schulter nicht steif wird; Stoßwellen-
therapie.
Arthrose –
Entzündung und Schmerzen durch Verlust des Gelenksknorpels

Ursache: Alterserscheinung, Überlastung, Folgeerkrankung. Symptome: stärker werdende Probleme beim Bewegen von Schulter und Arm, bis der Arm nicht mehr bewegt werden kann. Feststellen der Diagnose: Untersuchung, MRT, Röntgen.

Behandlung: künstlicher Gelenksersatz, heute häufig als 3D-Schulter (= das künstliche Schultergelenk ist auf die Anatomie des Patienten abgestimmt und individuell angepasst). Höhere Haltbarkeit, eventuell lebenslang. Drei Tage Spitalsaufenthalt, danach Heilgymnastik. Die Schulter ist am Ende voll einsatzfähig, auch Sport ist möglich.

„Frozen Shoulder“ –
starke Schmerzen, dann Steifheit

Die Schultersteife („Frozen Shoulder“) ist eine spontan auftretende Erkrankung der Gelenkskapsel. Ursache: manchmal unklar, kann Über- und Fehlbelastung (Über-Kopf-Arbeiten, Mütter, die ihre Kinder tragen) sein, Folge von vorherigen Schulterproblemen. Diabetiker haben ein hohes Risiko, dieses Leiden zu bekommen, ohne Vorerkrankung der Schulter. Symptome: anfangs ansteigende, starke Schmerzen, Ruheschmerz nachts. Nach einigen Monaten lässt der Schmerz nach, aber die Beweglichkeit der Schulter ist stark eingeschränkt. Bis die Schulter von selbst „auftaut“ und beweglich ist, dauert es bis zu drei Jahre. Feststellen der Diagnose: Untersuchung.

Behandlung: Heilgymnastik, Medikamente.

Das Impingment-Syndrom –
zuerst leichte Schmerzen, dann Qual beim Armheben

Im Schultergelenk wird es eng, der Kopf des Oberarmes schlägt an das Schulterdach und engt die Sehne ein. Ursache: Fehlbelastung, Schleimbeutelentzündung, Verletzung. Symptome: Schmerzen beim seitlichen Heben des Armes, Nachtschmerzen, Spontanschmerzen ohne Belastung. Feststellen der Diagnose: Untersuchung, Röntgen, MRT, Ultraschall.

Behandlung: Physio- und physikalische Therapie,
Stoßwellentherapie.
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