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Ausgabe Nr. 10/2020 vom 03.03.2020, Fotos: Daniel Raunig
Jacqueline Zechner ist von den Effekten fasziniert.
Eine bunte Welt aus Neonfarben erwartet die Besucher.
Verloren im Irrgarten
In einer ehemaligen Diskothek in Villach (K) ist ein faszinierender Schwarzlicht-Irrgarten entstanden. Auf 360 Quadratmetern werden den Besuchern bis Ende März neonfarbene, dreidimensionale Skulpturen, grelle Gemälde und visuelle Effekte geboten.
So ein Bett mit einem Neon-Sternenhimmel hätte ich daheim auch gerne. Hier ist es wirklich magisch“, sagt Jacqueline Zechner begeistert, während sie Neonfäden zu fassen versucht, aber mit ihrer Hand immer wieder ins Leere greift. Verantwortlich für die Sinnestäuschung ist eine Kombination aus grellen Farben und dreidimensionaler Brille, die sie trägt. Mit Freunden besucht die 18jährige Einzelhandelskauffrau Kärntens ersten „3D-Schwarzlicht-Irrgarten“ und ist fasziniert von der Ausstellung, die sich derzeit im Globo Plaza Hotel in Villach (K) befindet. Bis zum 29. März können Besucher in eine fantastische Welt aus Neonfarben eintauchen und dort visuelle Eindrücke erleben.

Umgesetzt wurde das Projekt von einem Künstlertrio, das sich mit „Der Fluoreszentriker“, „Ch1lloo“ und „Anouk“ auch gleich kreative Namen verpasst hat. Mit Unterstützung von Herbert Tarmann vom Kunstverein „Tart“ ist es den drei Künstlern gelungen, die Installation in nur einem Monat aufzubauen.

„Wir hatten das Projekt schon länger in der Schublade, aber nicht die passenden Räumlichkeiten für die Umsetzung. Die konnten nun im Keller von Globo Plaza gefunden werden, der früher als Diskothek genutzt wurde. Die komplett schwarzen Räume, ohne Fenster, sind einfach perfekt für unseren 3D-Schwarzlicht-Irrgarten“, sagt die Künstlerin Anouk Ver Booth, 47, die ursprünglich aus Belgien kommt und seit zehn Jahren in Villach lebt. „Ich habe an der Kunstakademie in Brügge studiert und mich von Anfang an auf die Neonkunst spezialisiert. Denn normale Farben langweilen mich. Dabei ist es um einiges schwieriger, mit Neonfarben zu malen, weil sie empfindlich sind und jedes Staubkorn sofort darauf zu sehen ist, was dann natürlich den Effekt beeinträchtigt“, erklärt Ver Booth. Mittels 3D-Brille werden die Besucher beim „3D-Schwarzlicht-Irrgarten“ auf eine Reise voller Illusionen vorbei an leuchtenden Kunstobjekten, grellen Gemälden und Videoprojektionen geschickt und das auf 360 Quadratmetern.

„Wir verwenden aber eine andere 3D-Technik als im Kino. Sie nennt sich Chromadepth, die stark auf Kontrastfarben reagiert. Weil unser Gehirn die Farben unterschiedlich schnell verarbeitet, wirken die Bilder beim Betrachten, als würden sie sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden“, erklärt Anouk Ver Booth.

Gleich am Anfang des Irrgartens sind Mandala-Bilder der Künstlerin zu sehen. Die Kreise scheinen sich mit der 3D-Brille nach vorne und hinten zu bewegen. „Durch diese indische Meditationshilfe wird der Besucher beinahe in eine Art Trance versetzt“, sagt Daphne Brandstätter, 22, und starrt fasziniert durch die 3D-Brille. Ein Bett, dessen Bettwäsche komplett mit Neonfarben bepinselt wurde, ist der nächste Blickfang. „Wenn ich meine Bilder male, verschwende ich keine Neonfarbe und wische die Pinsel deshalb entweder an einem Leibchen oder an einem Laken ab. So wurde die Bettwäsche auch Teil der Kunstinstallation“, erklärt Ver Booth, die auch eigenwillige Kreationen malt, wie etwa ein Skelett mit Fischköpfen oder ein Fantasietier, das wie aus Körperteilen eines Hasen und eines Fisches zusammengesetzt scheint, aber auch einfach ein neonfarbenes Röntgenbild eines Frosches sein könnte.

Die Bilder bietet die Künstlerin auch zum Kauf an. Das sogar zu Preisen, die auch für Normalverdiener erschwinglich sind. Zwischen 150,– und 500,– Euro bewegen sich die Kosten für eines ihrer Werke. Daniel Fertschnig, 24, ist vor allem von den mehr als zwei Meter großen Neonleuchtstäben angetan. „Das sind Holunderäste, die mit Neonfarbe bemalt wurden“, erklärt Anouk Ver Booth, von der etwa 30 Exponate im Schwarzlicht-Irrgarten hängen.

Der „Fluoreszentriker“ hat mehr als ein Dutzend seiner überdimensionalen Kunstobjekte im Irrgarten stehen. Wie etwa zwei Meter große Neonpilze, die aus dem Boden wachsen oder „Weltraumblumen“, die eine Kreuzung aus Mohnblume und Sonnenblume darstellen. In die 1980er Jahre zurückversetzt fühlt sich sofort Markus Becher. Der 25jährige ist ein großer Comic-Anhänger und deshalb von den Neon-Comicbildern des Künstlers „Ch1lloo“, der mit bürgerlichem Namen Patrick Griesser heißt, beeindruckt. „Meine Comicbilder sind bunt und mit vielen Details versehen, die den Betrachtern erst beim mehrmaligen Ansehen auffallen. Unser Ziel mit dem Schwarzlicht-Irrgarten ist, die Gäste in eine andere Welt zu bringen“, sagt der 29jährige Künstler.

Wer mag, kann sich am Ende der Ausstellung noch im Gästebuch verewigen oder sich mit Neonfarben das Gesicht verschönern lassen. „Nein, lieber nicht. Der Fasching ist schließlich schon vorbei“, verweigert Jacqueline Zechner lachend die doch etwas auffällige Schminke.

Der „3D-Schwarzlicht-Irrgarten“ ist von Donnerstag bis Sonntag von 14.00 bis 21.00 Uhr geöffnet. Die Preise sind moderat, so dass auch ein Besuch der ganzen Familie kein großes Loch im Budget hinterlässt. Für Erwachsene kostet der Eintritt 6,– Euro, Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren zahlen die Hälfte und für Kinder unter sechs Jahren ist der Eintritt frei. Elke Morri
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