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Ausgabe Nr. 05/2020 vom 28.01.2020, Foto: picturedesk.com
Ozzy Osbourne mit seiner Tochter Kelly.
Der Prinz der Finsternis erzittert
Ozzy Osbourne, 71, gilt als Bürgerschreck. Der frühere Sänger der Rockband „Black Sabbath“ biss einer Fledermaus auf der Bühne den Kopf ab, erwürgte fast seine Frau und überlebte mehrere Überdosen Drogen. Heute leidet der „Prinz der Finsternis“ an einer Parkinson-Erkrankung.
Das vergangene Jahr war das schlimmste, längste, schmerzhafteste und elendigste Jahr meines Lebens“, gestand der britisch-amerikanische Rocksänger Ozzy Osbourne, 71. Nach einem schweren Sturz im Badezimmer seines Hauses in Los Angeles (USA) musste er an der Wirbelsäule operiert werden. Zudem stellten ihm Ärzte die Diagnose Parkinson. Die Erkrankung des Nervensystems, die zwar nicht tödlich ist, aber als unheilbar gilt, lässt den selbsternannten „Prinzen der Finsternis“ zittern und schränkt ihn in seiner Bewegungsfähigkeit ein, sodass er oft einen Gehstock braucht. Spezialisten in der Schweiz sollen ihn mittels Immuntherapien wieder fit für das Musikgeschäft machen. Die Rock-Ikone sorgt seit fünf Jahrzehnten regelmäßig für Exzesse.

In seiner Kindheit ahnte jedoch niemand, dass er einmal ein skandalumwobener Rocksänger werden würde. Er erblickte das Licht der Welt als John Michael Osbourne am dritten Dezember 1948 in Birmingham (England). Der Bub war das vierte von sechs Kindern, die Großfamilie lebte in ärmlichen Verhältnissen. „Unser Zuhause war die Hölle. Es gab keine Innentoiletten, nur einen Nachttopf beim Bett. Einzig meine älteste Schwester Jean hatte ihr eigenes Zimmer. Die übrigen Kinder schliefen zusammen.“

Die Schule hasste der Bursche, da er an einer Lese- und Schreibschwäche litt. „Wenn ich etwas laut vorlesen musste, versuchte ich, die Klasse wenigstens zu unterhalten.“ Für den Klassenclown, den seine Mitschüler „Ozzy“ nannten, standen Streiche auf der Tagesordnung. „Ich schüttete Spülmittel ins Aquarium, um den Schulfisch ins Jenseits zu befördern“, sagt er lachend. Von seinen Mitschülern setzte es oft Prügel.

Mit 15 Jahren schmiss er seine Ausbildung hin und hielt sich mit Hilfstätigkeiten als Installateur, Schlachter, Maler und als Gehilfe in einem Bestattungsinstitut über Wasser. Doch insgeheim wollte er Musiker werden. Inspiriert dazu hatten ihn die „Beatles“. „Als ich das erste Mal eine Platte von ihnen auflegte, bekam mein Leben endlich einen Sinn.“

Wie er selbst ein „Star“ werden konnte, wusste er aber noch nicht. Vorerst beschloss er, sich lange Haare wachsen zu lassen und sich Tätowierungen zuzulegen, um auszusehen wie ein Rocker. „Die Tätowierungen verpasste ich mir mit Nadel und Tusche selbst, was höllisch weh tat.“ Bald hatte er einen Dolch am Arm und seinen Spitznamen „Ozzy“ auf den Fingerknöcheln. „Mein Vater war ganz blass, als er mich erblickte. ‚Du siehst aus wie ein jämmerlicher Idiot‘, sagte er zu mir.“ Dennoch lieh er ihm Geld für ein Mikrofon und einen Verstärker, damit er singen konnte.

Weil Osbourne meistens knapp bei Kasse war, geriet er auf die schiefe Bahn. Sein Vater sah das Unglück voraus. „Ich habe es im Gefühl, du wirst entweder etwas Großes leisten oder du wirst im Gefängnis landen“, hatte er ihm prophezeit. „Wie Recht er hatte, mein alter Herr. Ich war noch keine 18, als ich im Häfn landete.“ Denn bei einem Einbruch hinterließ Osbourne wegen eines daumenlosen Handschuhs seine Fingerabdrücke und wurde geschnappt.

Der Richter verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis. „In Winson Green in Birmingham saßen nur die schlimmsten Hundesöhne ein.“ Der Alltag war dementsprechend rau. „Schon als ich ankam, flüsterte mir ein Gefängniswärter zu, ‚die anderen Burschen werden dich anbeten, viel Spaß in der Dusche, Herzchen‘, und ich fand bald heraus, was er meinte.“

Nach dem Gefängnis gründete der Möchtegern-Musiker die Band „Black Sabbath“, die ihn weltweit bekannt machte. Ihr Lied „Paranoid“ (1970) wurde zur Hymne des „Heavy-Metal“-Genres schlechthin.

Dem Erfolg der Band stand jedoch Osbournes exzessiver Lebensstil im Weg. „Ich war 40 Jahre lang nur besoffen. Zudem nahm ich Haschisch, Kokain und Heroin und noch mehr. Es kam so weit, dass ich mir jede Woche den Magen auspumpen lassen musste“. Mehrmals entging er nur knapp dem Tod. Zehn Jahre nach ihrer Gründung trennten sich „Black Sabbath“ daher von ihrem Sänger, der als Solokünstler durchstartete.

Seine Auftritte waren stets dämonisch angehaucht. Wenn jemand ein Stofftier auf die Bühne warf, biss er ihm demonstrativ den Kopf ab. Das ging so lange gut, bis jemand eine lebende Fledermaus auf die Bühne warf. „Ich merkte sofort, etwas war falsch und spuckte den abgebissenen Kopf wieder aus. Im Spital bekam ich eine Tollwut-Spritze von der Größe eines Granatwerfers in den Allerwertesten.“

Nicht ausgehalten hatte den exzessiven Musiker seine erste Frau Thelma Riley. Sie ließ sich im Jahr 1982 scheiden. Er heiratete im selben Jahr Sharon Rachel Levy, 67. Sie wurde seine Managerin und schenkte dem bereits dreifachen Vater drei weitere Kinder, Aimee, 36, Kelly, 35, und Jack, 34. Sie sind zum Teil ebenfalls im Showgeschäft.

Die Ehe mit Sharon, die bis heute hält, war nicht immer harmonisch. Als er bei einer Feier einen über den Durst getrunken hatte, versuchte er im Vollrausch, Sharon zu erwürgen. Aufgewacht ist er danach in einer Gefängniszelle. Unter der Auflage, dass er einen Entzug macht, kam er jedoch frei.

Das skurrile Familienleben der Osbournes wurde für den amerikanischen Musiksender MTV (Music Television) sogar verfilmt. Die Serie „The Osbournes“ erwies sich als Quotenhit, der viele Jahre lang ausgestrahlt wurde.

Obwohl er selbst schon einige Jahre auf dem Buckel hat und an Parkinson leidet, will Ozzy Osbourne ab Mai wieder auf Tournee gehen, zumal bereits im Februar sein neues Album „Ordinary Man“ erscheint. „Ich bin weit vom Sterbebett entfernt“, richtet er seinen Bewunderern aus. Am 16. November beehrt der „Prinz der Finsternis“ die Wiener Stadthalle. rb
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