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Ausgabe Nr. 03/2020 vom 14.01.2020
Film-Klassiker aus der ältesten Videothek des Landes
Film-Liebhaber kommen in der Videothek „Bellissimo“ in Klagenfurt (K) auf ihre Kosten. Sie ist nicht nur die älteste Videothek in unserem Land, sondern auch die größte. Der Inhaber Ingo Kowatsch fesselt seine Kunden mit einem ausgeklügelten Nischenprogramm.
Sich einen Film auszuleihen, war in den 80er und 90er Jahren groß in Mode. Videotheken schossen wie Schwammerln an allen Ecken und Enden der Städte aus dem Boden. Mittlerweile sind fast alle Läden wieder verschwunden. Ebenso wie die VHS-Kassetten, die von der DVD und danach von der Blue-Ray-Disk abgelöst wurde. Aber ein paar Relikte aus der alten Zeit des Video-Fernsehens sind erhalten geblieben und werden liebevoll gepflegt.

Die Videothek „Bellissimo“ im Haus Koschatstraße 46 in Klagenfurt (K) ist so ein Ort der Nostalgie, an den Christian Schlemitz regelmäßig wiederkehrt. „Sie ist fast schon ein zweites Zuhause für mich“, meint der 43jährige. Kein Wunder, schon im Alter von acht Jahren lieh er sich hier mit seinen Eltern zum ersten Mal einen Film aus. Seither blieb er der Videothek treu. „Vier Mal pro Woche komme ich vorbei und habe über die Jahre gut 1.000 Filme mit nach Hause genommen. Das Angebot ist riesig.“

Es umfasst 27.000 Filme und Serien. Damit hat sich Ingo Kowatsch, 36, ein Nischenprogramm aufgebaut. Unter anderem aus Klassikern mit dem Komiker-Duo Stan Laurel und Oliver Hardy sowie aus sogenannten Arthouse-Filmen, die mit geringem Budget und ohne große Spezialeffekte gedreht wurden. „Wie ,The Lobster‘ mit Colin Farrell. In dieser Science-Fiction-Romanze müssen Menschen in einer seltsamen Welt als Paare leben und wer seinen Lebenspartner nicht findet, wird in ein Single-Ressort gesteckt. Scheitert auch dieser Versuch, wird der Mensch in ein Tier verwandelt“, erklärt Ingo Kowatsch, der 2001 in sein filmisches „Reich“ eingedrungen ist. Damals noch als Mitarbeiter der Videothek „Bellissimo“, sechs Jahre später hat er den Laden übernommen. Heute führt er die älteste und mit 300 Quadratmetern auch die größte Videothek unseres Landes, wobei die Zahl der Videotheken überschaubar ist. In den 90er Jahren gab es allein in Wien 1.000 Läden, in denen sich Filmbegeisterte die neuesten
Streifen holen konnten, seit Anfang des Jahres gibt es von Vorarlberg bis ins Burgenland nur noch 15 Verleihhäuser für Filme. Nicht zuletzt deshalb, weil die Internet-Kanäle wie Netflix und Amazon Prime schier übermächtige Konkurrenten sind. Die noch dazu Filme frei Haus liefern.

„Wir existieren seit dem Jahr 1984, in Kassel (D) gibt es laut dem ‚Guinness Buch der Rekorde‘ noch die älteste Videothek der Welt. Sie wurde bereits 1975 eröffnet“, weiß der Filmeliebhaber, der das „Überleben“ seiner Videothek darauf zurückführt, dass er ein immens großes Angebot inklusive vieler Nischenfilme hat, die seit der Eröffnung der Videothek nie verkauft wurden. „Viele Videotheken haben eben den Fehler gemacht, alte Filme zu verkaufen. Doch ich habe immer alles gehortet.“ Das Angebot wird sogar regelmäßig erweitert. „Im Schnitt kaufe ich im Jahr 1.000 Neuerscheinungen und weiß über Einspielergebnisse und Kritiken bestens Bescheid. Das ist auch ein Grund, warum 4.000 Menschen bei uns Kunden sind. Auf Bewertungen im Internet ist kaum Verlass“, erklärt Kowatsch, der nach der Matura selbstständig wurde und neben seiner Videothek im Bereich Veranstaltungstechnik ein zweites berufliches Standbein hat.

An seinem Laden in Klagenfurt hängt aber sein Herz. Dementsprechend lässt sich der 36jährige immer wieder etwas Neues für seine Kunden einfallen. Nicht nur, wenn es darum geht, die Regale mit Filmen zu bestücken. Er macht dies mit äußerster Sorgfalt. Gleich neben dem Eingang stechen dem Besucher heimische Filme ins Auge. Darunter die „Sissi“-Trilogie mit der jungen Romy Schneider. Dahinter folgt eine Wand mit monatlich wechselnden Themenschwerpunkten. „Wenn ein Schauspieler stirbt oder im Februar zur ,Oscar‘-Verleihung, werden die Regale entsprechend befüllt. Wir haben dann eine Auswahl von Filmen parat, in denen die Preisträger mitwirken“, erklärt Kowatsch. Neben alten, ungeschnittenen Horrorfilmen gibt es auch ein eigenes Regal mit Dramen aus dem Französischen Kino oder mit Stummfilmen wie dem Vampirfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1922. Am häufigsten würden Kowatsch zufolge aber die Dauerbrenner „E.T.“, „Die unendliche Geschichte“, „Der Herr der Ringe“, „Harry Potter“ und „Star Wars“ nachgefragt.

Das gesamte Sortiment kann täglich von 12 bis 21 Uhr eingesehen und entliehen werden. Als Filmmiete werden für den ersten und zweiten Kalendertag jeweils 1,30 Euro und ab dem dritten Kalendertag jeweils 2,60 Euro pro Film verrechnet. Für den Kunden Jean Claude Legat, 32, ein Grund, die Videothek fast täglich aufzusuchen. „Ich habe Netflix längst gekündigt, weil meines Erachtens die kostenpflichtigen Streaming-Dienste überschätzt werden, es gibt nichts Spannendes zu sehen. Außerdem ist es für mich ein Ritual, mir einen Film in der Videothek auszuborgen. Ingo berät mich ausgezeichnet und ich schätze hier das unglaublich große Angebot. Damit kann im Internet niemand mithalten“, ist Legat überzeugt.
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