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Ausgabe Nr. 02/2020 vom 07.01.2020, Fotos: Thomas Peintinger, Gabriele Moser
Günther Sidl, Lorenz Mayr
Neuer Anlauf für Glyphosat-Verbot?
Wegen eines Formalfehlers hat Übergangskanzlerin Brigitte Bierlein das Glyphosatverbots-Gesetz nicht kundgemacht. Das Pestizid hätte ab 1. Jänner bei uns von Feldern und Grünflächen verbannt werden sollen. Doch die EU wurde nicht rechtzeitig vorab darüber informiert. Jetzt hat der Nationalrat mit den Stimmen von SPÖ, FPÖ, Grünen und Neos die Kanzlerin aufgefordert, einen gleichlautenden Gesetzestext nach Brüssel zu schicken. Die EU hat drei Monate Zeit, um das Gesetz zu prüfen.
JA: Günther Sidl,
SPÖ-EU-Abgeordneter:

„Unsere Lebensmittel müssen den höchsten Gesundheitsstandards entsprechen. Gerade deshalb ist es notwendig, auch die Umweltgifte unter die Lupe zu nehmen, die auf den Feldern zum Einsatz kommen. Denn sie landen letzten Endes immer auf unseren Tellern, damit muss endlich Schluss sein. Bei Glyphosat wurden sogar im Zulassungs- und Prüfverfahren der EU schwere Mängel festgestellt. Schon deshalb wäre ein sofortiges Verbot angebracht. Daher war es so wichtig, dass die SPÖ im
Nationalrat konsequent am Glyphosatverbot in Österreich gearbeitet hat. Dem muss ein europaweites Verbot folgen. Daran arbeite ich im EU-Parlament und setze mich gleichzeitig für eine langfristige Lösung ein. Der Einsatz von Umweltgiften ist für die Natur und uns Menschen gefährlich. Die starke Steigerung der Krebserkrankungen ist alarmierend. Einzelne Pflanzengifte zu verbieten wird auf lange Sicht nicht ausreichen. Die EU muss mehr Investitionen in die Forschung und Entwicklung von generellen Alternativen stecken. Davon würden sowohl die Landwirtschaft als auch die Konsumentinnen und Konsumenten profitieren.“

NEIN: Lorenz Mayr,
Landwirt (NÖ):

„Für mich als Landwirt ist das ein Problem. Denn bei uns ist Glyphosat ein wichtiges Mittel zum Erosions- und Bodenschutz. Aber auch zum Klimaschutz, weil jede Bodenbearbeitung fossile Energie verbraucht. Und jedes Mal, wenn der Boden aufgebrochen wird, wird Kohlenstoff freigesetzt. Wir bauen direkt nach der Getreideernte im Sommer Begrünungspflanzen auf unseren Fel-dern an, die den Boden durchwurzeln und bedecken. Im Winter frosten sie ab und im Frühjahr werden in die Pflanzen die Zuckerrüben, Erdäpfel oder der Mais angebaut. Ohne Bodenbearbeitung, denn die Reste dieser Begrünungspflanzen schützen vor Hochwasser und Abschwemmungen. Unter der Begrünung kommt teilweise etwa auch Unkraut durch. Das müssen wir dann vor oder gleich nach dem Anbau mit Glyphosat entfernen, sonst hätte unsere Kulturpflanze keine Chance. Das Totalherbizid kommt mit der Pflanze, die später am Tisch landet, nicht in Berührung, anders als in anderen Ländern, aus denen wir Lebensmittel importieren. Bei einem Glyphosat-Verbot hätten wir große Nachteile, weil wir immer weniger fruchtbaren Boden hätten.“
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