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Ausgabe Nr. 02/2020 vom 07.01.2020, Foto: WSL-Institut für -Schnee- und Lawinenforschung SLF, M. Bründl
Staublawinen sind die spektakulärste Lawinenart. Wer unter sie gerät, hat so gut wie keine Überlebenschance.
Vorbeugen ist besser als Ausgraben
Lawinen sind eine der bedeutendsten Naturgefahren in den schneebedeckten Gebirgen. Bis zu 300 Stundenkilometer schnell rasen die Schneemassen abwärts und reißen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellt. Mehr als ein Dutzend Menschen finden hierzulande jedes Jahr den „weißen Tod“. Die meisten Lawinenopfer sind dabei Wintersportler, die „ihre“ Lawine selbst ausgelöst haben.
Die Schönheit und Faszination der winterlichen Bergwelt haben ihren Reiz. Immer mehr Wintersportler suchen die Ruhe der tiefverschneiten und unberührten Steilhänge abseits der gesicherten Pisten. Doch die weiße Pracht kann ganz schnell zur zerstörerischen Kraft werden.

„Denn wo immer sich an steilen Gebirgshängen Schnee sammelt, kann er auch plötzlich abrutschen und enorme Verwüstungen verursachen“, weiß Michael Larcher, Bergführer und Lawinenexperte vom österreichischen Alpenverein. Unvergesslich bleibt diesbezüglich das Lawinenunglück von Galtür (T) am 23. Februar 1999. Die mit ungeheurer Wucht eingeschlagenen Schneemassen zerstörten damals knapp 30 Häuser und im Herz des dicht bebauten Dorfkerns mussten die Helfer 31 Leichen ausgraben. Erst im Sommer 1999 war auch der letzte Rest der 120.000 bis 160.000 Tonnen schweren Lawine geschmolzen. Nach Schätzungen von Experten gehen weltweit jedes Jahr mehr als 25.000 Schneelawinen ab – meist ohne größeren Schaden anzurichten.

Dennoch verloren allein in unserem Land in der vergangenen Wintersaison 19 Menschen durch Lawinen ihr Leben.

„Die meisten haben sie tragischerweise selbst ausgelöst, bevor sie unter ihnen begraben wurden“, weiß Larcher. Doch hin und wieder gerät die weiße Pracht auch von selbst ins Rutschen. Zum Beispiel dann, wenn innerhalb kurzer Zeit enorm viel Neuschnee fällt. Je nach Aufbau der Schneedecke kommt es dabei zu unterschiedlichen Lawinenarten.

Die typischen Schifahrerlawinen sind die Schneebrettlawinen. Sie sind zugleich auch die gefährlichsten und fordern fast 95 Prozent der Lawinenopfer. „Dabei löst sich meist ab einer Hangneigung von 35 Grad ein 40 bis 60 Meter breites und 150 bis 200 Meter langes Schneebrett, das mit bis zu 100 Stundenkilometern hinab ins Tal donnert“, erklärt der Experte. Wer so ein Schneebrett auslöst, wird in der Regel von ihm mitgerissen. Viele Opfer verletzen sich schwer, weil sie an Felsen prallen, Hänge hinunterstürzen oder ersticken.

„Schneebrettlawinen können vom trockenen oder nassen Schnee abgehen, auch lange nach einem Schneefall. Typisch für die Bildung ist allerdings Triebschnee, also vom Wind verlagerter Schnee“, sagt Larcher.

Die mit 20 bis 30 Stundenkilometern eher langsamen Lockerschneelawinen entstehen an steilen Hängen mit mindestens 40 Grad Neigung und häufig, nachdem es frisch geschneit hat oder wenn die Sonne stark scheint.

„Dabei wird die Lawine an einem einzigen Punkt ausgelöst und weitet sich dann nach unten birnenförmig aus. Tritt ein Wintersportler eine solche Lawine los, wird er normalerweise nicht verschüttet, weil sie unter ihm abgeht. Zudem besteht wegen der geringen Geschwindigkeit oft auch noch die Möglichkeit auszuweichen“, sagt der Fachmann.

Tödlich endet in den meisten Fällen hingegen die Konfrontation mit einer Staublawine, die sich aus einer Schneebrettlawine bei entsprechend langer und steiler Sturzbahn entwickelt. Mit bis zu 300 Stundenkilometern rasen die Schneemassen den Hang hinab und nehmen dabei immer mehr Material auf. „Menschen erwischt diese Lawinenart glücklicherweise nur selten. Dafür sind Staublawinen aber umso gefährlicher, weil sie gewaltige Luftdruckschwankungen hervorrufen. Hinter ihr entsteht ein Sog, vor ihr eine wirbelsturmartige Druckwelle, die wie in Galtür ganze Häuser hinwegfegen kann“, weiß Michael Larcher.

Vorbeugen ist deshalb besser als Ausgraben. „Es muss eine Selbstverständlichkeit werden, dass sich Wintersportler über die aktuelle Lawinensituation informieren, den Lawinenlagebericht lesen und das Ziel den jeweiligen Verhältnissen anpassen“, erklärt der Bergführer.

Gerade bei Lawinenwarnstufe vier ist besondere Zurückhaltung angesagt. Doch schon bei Stufe drei passieren wegen Selbstüberschätzung die meisten Unfälle.

„Wintersportler sollten sich ab dieser Gefahrenstufe auf Hänge mit einer Steilheit von weniger als 35 Grad beschränken. Diese einfache Empfehlung kann mehr als 80 Prozent aller Unfälle verhindern“, weiß Bergführer Michael Larcher. Hwie
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